Gerhard Heeke über 23

Szenenfoto "23", die geheime Zahl der Illuminaten? Vielleicht. Auf jeden Fall ein neuer deutscher Kinofilm, der einen Kinobesuch gelohnt hat! Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit. Einige von Ihnen werden sich vielleicht noch an die Entarnung einer kleinen Gruppe von Hackern Mitte der 80er erinnern. Die Gruppe hatte für den KGB gehackt und versuchte an geheimes Material ranzukommen. Sie wurden von dem Systemverwalter Clifford Stoll im Datennetz verfolgt. Clifford Stolls Erzählung "Kuckucksei" erzählt von dieser Verfolgung und war damals ein Bestseller. Einer der bekanntesten Köpfe der Gruppe, Karl Koch, wurde kurz nach dem Skandal tot in einem Wald aufgefunden. Die Todeumstände gelten bis heute als mysteriös. Der Film erzählt die Geschichte von Karl Koch. Wie er schon als junger Schüler sich gegen die politischen Umstände wehrte. Wie er in die Hackerszene reinrutschte und über zwei zwielichtige Typen in Kontakt mit dem KGB kam.

Karl Koch ist fasziniert von dem SF-Roman "Illuminatus" des US-Autors Robert Anton Wilson. Er nimmt den Roman für bare Münze. Die Verschwörungstherorien leuchten ihm ein. Überall sieht er Anzeichen einer weltweiten Verschwörung. Der Sinn für die Realität verschwindet zunehmend. Dies wird durch den Konsum von harten Drogen, wie Kokain, noch verschärft. Um seine Drogensucht zu finanzieren, hängt er nur noch vor dem Computer. Bald kann er Wahn und Wirklichkeit nicht mehr auseinander halten. Mit dem NDR-Journalisten Maiwald vereinbart er einen Hack zum Kernforschungszentrum Jülich. Das BKA wird auf ihn aufmerksam. Karl bricht zusammen. Nach einem Aufenthalt in der Klinik und eines Wohnheimes hofft er von seiner Vergangenheit loszukommen. Aber seine alten "Freunde" lassen ihn so schnell nicht ziehen ...

Der Film steht und fällt mit der Hauptfigur Karl Koch. Und mit August Diehl konnten die Produzenten einen außergewöhnlichen jungen Schauspieler gewinnen. Er vermittelt das Lebensgefühl des Karl Koch und sein Absacken in die Irrealität vollkommen glaubhaft. Der Realitätsverlust den Karl Koch im Film erlebt, gehörte für mich auch zu den eindrucksvollsten, bewegendensten Elementen des Filmes.

Seine weitere Faszination bezieht der Film aus dem 80er Jahre Ambiente. Vom eigentlichen Hacken ist zwar nicht viel zu sehen. Aber es gibt genügend Szenen mit jeder Menge alter Computer. Allen voran der Commodore 64. Aber auch Ataris und die ersten PC sind zu sehen. Wenn man die einfachen Mailbox-Bildschirme und die Akustikkoppler sieht, können einen fast nostalgische Gefühle überkommen. Ich finde es gut, dass die eigentliche Computerei, das Hacken in den Hintergrund getreten ist. Denn die Personen und Geschehnisse sind viel interessanter.

Hans-Christian Schmid, Regisseur und Co-Autor, erzählt die Geschichte sehr spannend, wenn auch mit kleineren Längen. Er macht mir wieder etwas Hoffnung für das deutsche Kino.

Fazit: Fast ein "nostalgischer" Rückblick. Die Figur des Karl Koch (August Diehl) überzeugt.

Wertung: 7 von 10 Hackern

© Gerhard Heeke © 1994 - 2009 Dirk Jasper