Peter Halm über Der amerikanische Neffe

Szenenbild INHALT: Ein jahrzehntelang schwelender Konflikt zweier Familien tritt offen zutage, als der junge Amerikaner Chad (Hill Harper) auf einem kleinen, beschaulichen Eiland vor Irland auftaucht. Chad ist der Neffe vom Großbauern Tony Egan (Donal McCann), dessen Schwester einst eine Affäre mit dem Pub-Besitzer Joe Brady (Pierce Brosnan) hatte und dann plötzlich die Insel verließ. Seither herrscht "Kalter Krieg" zwischen den beiden Männern. Nun ist Egans Schwester gestorben, und Chad bringt mit ihrer Asche auch Unruhe in die Heimat. Denn nicht nur, dass Chad ein farbiger, rasta-gelockter Exot ist, beginnt er auch noch mit lockerem Charme eine Romanze mit Bradys hübscher Tochter Aislin (Aislin McGuckin). Das allein stört schon sowohl Chads Onkel als auch Brady. Darüberhinaus kramt Chad aber auch noch in der Familienvergangenheit herum, um herauszufinden, aus welchem Grund seine Mutter damals ihre grüne Heimat verlassen hat ...

KRITIK: Back to the Roots! Nach fast zehn Jahren hat Pierce Brosnan, der durch seine bislang zwei Bond-Abenteuer "Goldeneye" und "Der Morgen stirbt nie" ein internationaler Star geworden ist, wieder eine kleine Rolle in einem Film in seinem Heimatland übernommen. Darüberhinaus hat er zum ersten Mal hinter den Kulissen als Produzent fungiert.

Herausgekommen ist ein einfühlsam erzähltes Familiendrama, dessen Reiz in dem Kulturschock zweier aufeinanderprallender Welten liegt. Die typische Figur des "Fremden", der in eine Stadt kommt und dort festgefahrene Strukturen aufbricht oder unterschwellige Konflikte zu Tage fördert, wird hier von Hill Harper ("Get on the Bus") verkörpert, der für die humor- und temperamentvollen Elemente sorgt. Das ist auch dringend nötig, da sich ansonsten der Film leicht in Schwermut und Bitterkeit hätte verlieren können.

Neben Harper überzeugen noch Aislin McGuckin als junge Frau, die sich dem Neuen gegenüber offen zeigt, sowie der in Irland sehr bekannte Theater-Schauspieler Donal McCann als sturer, verbitterter Bauer. Dazu gesellen sich sympathische Nebenfiguren, die dem Film den typisch spröden Charme Irlands verleihen. Einzig Pierce Brosnan, der ursprünglich gar nicht vor der Kamera auftreten wollte, wirkt als hemdsärmeliger Pub-Besitzer etwas steif und leidenschaftslos. Zu sehr hat er sich scheinbar schon an seine smarten (und letztlich nur klischee-erfüllenden) Bond-Auftritte gewöhnt, als dass er eine tiefere Charakterisierung seiner Figur bewerkstelligen könnte.

Darüber tröstet aber die wundervoll erzählte Geschichte hinweg, die Regie-Neuling Eugene Brady mit sicherer Hand in Szene gesetzt hat. Daneben gibt es für das Auge noch eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen der irischen Insel, die von Kameramann Conroy ("Mein linker Fuß") gekonnt eingefangen werden.

Fazit: Ein kleines, ungeschliffenes Film-Juwel, das Pierce Brosnan-Fans zwar enttäuschen, dafür aber alle anderen Neugierigen mit einer gefühlvollen Familiengeschichte überraschen wird.

MEINE WERTUNG: 7 von 10 möglichen Punkten

Dirk Jasper FilmLexikon
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