Peter Halm über Spiel auf Zeit

Szenenbild INHALT: Es soll der Boxkampf des Jahres werden, dem 14.000 Zuschauer in der Casino-Arena in Atlantic City entgegenfiebern. Unter ihnen befindet sich auch der örtliche Detective Rick (Nicolas Cage). Er ist nicht gerade das, was man einen Vorzeige-Cop nennen könnte, sondern hält hier und da schon mal gerne die Hand für schmutziges Geld auf. Ebenfalls anwesend an diesem Abend ist der US-Verteidigungsminister, der von Ricks ehemaligen Schulfreund Kevin Dunn (Gary Sinise), seines Zeichens Marinekommandant, bewacht wird. Doch kurz nach Beginn des Boxkampfs geschieht das Unfaßbare: Eine Kugel trifft den hinter Rick sitzenden Verteidigungsminster tödlich. Rick läßt sofort alle Ausgänge der Arena absperren, um die 14.000 Zuschauer als potentielle Zeugen verhören zu können. Dabei kristallisiert sich schnell raus, dass eine Rothaarige, eine Blondine, die sich als Schwarzhaarige entpuppt, und ein schmuddeliger Weißer mehr mit dem Attentat zu tun haben, als es zunächst den Anschein hatte ...

KRITIK: Es bleibt dabei: Brian De Palma ist einer der besten Regisseure Hollywoods, wenn es um versierte bis atemberaubende Kamerafahrten und -einstellungen geht. Der Mann hat dafür ein perfektes Händchen und Timing entwickelt, das sich in Filmen wie "Carrie" oder "The Untouchables" bewundern läßt. Auch in "Spiel auf Zeit" gibt es wieder eine starke (Opening)-Sequenz, in der Nicolas Cage während einer 12minütigen ununterbrochenen Kamerafahrt quer durch Korridore, Treppen und Räume zu seinem Sitzplatz in der Boxarena findet. Dabei schwallt er alle Umstehenden derart voll, dass man in der kurzen Zeit das ganze Leben von Rick (Frau, Kind, Geliebte, Bestechungsgelder, Wunsch: Bürgermeister) aufgetischt bekommt sowie fast alle relevanten Figuren für den weiteren Verlauf vorgestellt werden. Wäre "Spiel auf Zeit" nach 30 Minuten zu Ende, er würde als meisterhafter Kurzfilm im Gedächtnis bleiben.

Doch bei De Palma bleibt es auch dabei, dass er für seine filmtechnischen Raffinessen scheinbar soviel Leidenschaft aufwendet, die dann für eine stringente Story und glaubwürdige Figuren fehlt. Drehbuchautor David Koepp (der auch schon die wenig aufregenden Scripts für De Palmas "Mission: Impossible" und "Carlito's Way" geschrieben hat) läßt es in diesem Verschwörungstthriller an absurden Motivationen, wenig logischen Windungen und noch weniger überzeugenden charakterlichen Wendungen nicht fehlen. So ist Ricks Wandel vom korrupten Cop zum moralischen Helden nicht nachvollziehbar, auch wenn Nicolas Cage sich mit seiner leinwandfüllenden Präsenz noch so reinkniet. Da ist Gary Sinises Charakterzeichnung des Hauptverschwörers schon feiner und erinnert an seine starke Rolle als Entführer in "Kopfgeld". Doch offenbart De Palma dessen Rolle im Spiel um Macht und Moneten viel zu früh, so dass sich keine Spannung mehr halten läßt.

Fazit: Ein filmtechnisch zwar erneut brilliantes Werk, dessen Eröffnungssequenz ähnlich haften bleiben wird wie die Einbruchszene in den Computerraum in "Mission: Impossible". Dennoch siegt mal wieder bei De Palma die Form über den Inhalt, was den Film insgesamt kaum besser macht, als wenn eine Riesenechse über jeden Sinn und Gehalt obsiegt.

MEINE WERTUNG: 5 von 10 möglichen Punkten

Dirk Jasper FilmLexikon
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