Ernst Corinth über Verrückt nach Mary

Wer über "Dumm und Dümmer" herzlich gelacht hat, der wird sich im neusten Regiestreich der Brüder Peter und Bobby Farrelly gewiß köstlich amüsieren. Denn auch in "Verrückt nach Mary" wird mal wieder jede Grenze des guten Geschmacks mächtig überschritten, die Gags zielen dabei fröhlich auf unseren Unterleib oder kommen gleich frech direkt aus dem Unterhöschen, und wenn die bildhübsche Titelheldin Mary (Cameron Diaz) Sperma für Haargel hält und es sich daher - igitt! - auf den Kopf schmiert, lacht nicht nur das überwiegend jugendliche Publikum im Saal, sondern selbst der gewohnt mürrisch gestimmte Kritiker muß darüber herzhaft grinsen.

Nur die Szene mit dem Reißverschluß und dem dort verklemmten Genital tut anfangs höllisch weh, aber sogar das lösen die beiden Regisseure fürwahr meisterlich in einen - auweia - richtig bösen Scherz auf. Die Geschichte selbst ist schnell erzählt: Ted (Ben Stiller), der schlimm mit dem Reißverschluß tanzt, will nach mehr als 12 Jahren Trennung seine Collegeliebe Mary wiedersehen, engagiert dafür den schmierigen Privatdetektiv Healy (Matt Dillon), der sich prompt in das Mädel verguckt. Und dann folgt ein hübsch belangloses Verwirrspielchen, bis am Ende Ted froh sein kann, dass die heimtückischen Zacken ihn einst nicht völlig entmannt haben.

Doch bei allem Gespür für Scherz, Tollerei und politische Inkorrektheit, die das Regieduo wieder höllisch an den Tag legt, fällt leider auf, dass ihr neuer Film zwischen den wilden Gags leider arg viel Leerlauf hat und dass es ihnen nicht gelingt, den klamaukigen Totalangriff von "Dumm und Dümmer" noch zu übertreffen. Offenbar kennt auch Geschmacklosigkeit seine Grenze. Und das ist ja irgendwie beruhigend.

Dirk Jasper FilmLexikon
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