Ernst Corinth über Der Prinz von Ägypten

Die Verantwortlichen im Hause Disney können sich entspannt zurücklehnen. Was von Steven Spielbergs DreamWorks-Studios als Angriff auf die Vormachtstellung der Micky Mäuse auf dem expandierenden Markt des Zeichentrickfilms gedacht war, entpuppt sich als heftiger Schlag ins Wasser. Und schlimmer noch: "Der Prinz von Ägypten" (Regie: Brenda Chapman, Steve Hickner, Simon Wells) ist völlig humorlos, zuweilen kitschig-süß wie ein miserables Musical, und, wenn der bekannte Filmkomponist Hans Zimmer auch noch wie gewohnt die Geigen bombastisch-dramatisch zwirbeln läßt, dann würde man am liebsten die Decke über beide Ohren ziehen.

Aber Decken sind ja in Kinos leider Mangelware. So gibt's also kein Entrinnen vor diesem Versuch, die Geschichte Moses - vom ausgesetzten Baby bis zum Boten Gottes - mit den Mitteln des Zeichentrickfilms nachzuerzählen. Damit wirklich nichts schief läuft und sich keine religiöse Gemeinschaft womöglich auf die Kutte getreten fühlt, wurde vorab das Drehbuch sogar von bibelfesten Experten der verschiedenen Weltreligionen gründlich überprüft. Und genau das sieht man dem religiös-korrekten Film jetzt auch an, der trotz einiger guter Effekte (der Bau der Pyramiden oder die Teilung des Roten Meeres) nie das Niveau einer Disney-Produktion erreicht. Also: Go, Moses! Go! - aber wir bleiben lieber daheim.

© 1999 Ernst Corinth © 1994 - 2010 Dirk Jasper