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INHALT: Amerika, Ende der 70er Jahre: Shane O'Shea (Ryan "Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast" Phillip) ist in ärmlichen Verhältnissen in New Jersey aufgewachsen. Sein größter Traum ist es, einmal den legendären Disco-Tempel "Studio 54" betreten zu dürfen, in dem sich alles aufhält, was Rang und Namen hat in der Szene. Dank seiner natürlichen Vorzüge (gut gebauter Body, Sonnyboy-Gesicht) gelingt ihm tatsächlich der Zutritt zu den Schönen und Reichen. Doch nicht nur das: Er bekommt sogar von Disco-Manager Steve Rubell (Mike "Wayne's World" Meyers) den Job eines Bartenders und avanciert in kürzester Zeit zum Liebling der Gäste. Unter seinen Kollegen findet er im Ehepaar Anita (Salma "From Dusk 'Til Dawn" Hayek) und Greg (Breckin "Freddy's Final-Nightmare on Elm Street 6" Meyer) eine Ersatzfamilie. Und sogar seine absolute Traumfrau, der TV-Serienstar Julie Black (Neve "Scream" Campbell), wird auf ihn aufmerksam. Doch das hemmungslose und unbeschwerte Dasein hat ein schnelles Ende, als die Steuerfahndung der Discothek einen überraschenden Besuch abstattet ... KRITIK: Man mag darüber spekulieren, was die Seventies derzeit so attraktiv erscheinen läßt, dass auch die Filmindustrie sich momentan dieser Ära annimmt (zuletzt "Boogie Nights", demnächst "The Last Days of Disco"). Es ist wohl die Unbeschwertheit, mit der in den letzten Jahren vor Aids mit Sex und Drogen umgegangen worden ist. Aus heutiger Sicht mutet diese Zeit, in der die Floskel der "political correctness" noch gänzlich unbekannt war, beinahe paradiesisch freizügig an. Doch zeigte der Blick in die Pornobranche jener Zeit in "Boogie Nights" auch, was sich hinter der glitzernd-dekadenten Fassade abspielte, bis Anfang der Achtziger das böse Erwachen kam. In "Studio 54" nun nimmt sich Regie-Neuling Mark Christopher der legendären Discothek an der 54. Straße in New York an, die für kurze 33 Monate die Tummelwiese für alle Berühmten war und solche, die sich dafür hielten. Andy Warhol und Truman Capote druften da ebensowenig fehlen wie John Travolta oder Sylvester Stallone. Arabische Scheichs flogen mit ihrem Privatjet ein, um eine Nacht im "54" durchzumachen und am nächsten Morgen wieder heimzufliegen. Im Lusttempel konnte man sich gehenlassen im Drogen- und Sexrausch, ohne aufzufallen. Geführt wurde das "Studio 54" von Steve Rubell, der es geschickt verstand, aus dem Disco-Schuppen etwas Extravagantes zu machen, bei dem man dabei zu sein hatte, um mitreden zu können. All' das wird im Film zwar auch erwähnt, und dennoch gelingt es Christopher nie so recht, das besondere Flair dieser Zeit und dieses Ortes einzufangen. Seine Hauptfigur Shane fungiert als moralisches Gewissen, das sich innerhalb dieser Glitzerwelt bewegt, aufsteigt und wieder auf dem harten Boden der Realität landet. Doch spürt man als Zuschauer jederzeit, dass hier von unserem heutigen Wissensstand aus erzählt wird, so dass Ryan Phillippe nur blaß bleibt, da er stets sauber ist, sich korrekt verhält und durch die Voice Over-Erzählweise beinahe hochnäsig wirkt. Im ähnlich gelagerten "Boogie Nights" dagegen wird die Hauptfigur und somit der Zuschauer konsequent auch in die dreckigen Momente eines solchen Daseins geführt, was dem Geschehen eine viel tiefere Glaubwürdigkeit verleiht. Mike Myers, der sich zuletzt durch "Austin Powers" durchkalauerte, darf hier in seiner ersten dramatischen Rolle glänzen. Leider erhält er aber zuwenig Gelegenheit, über Klischees hinaus die traurige Gestalt des Managers Steve Rubell zu charakterisieren. Wie überhaupt auffällt, dass die sonst so konsequenten Bosse bei Miramax ("Pulp Fiction") im Falle von "Studio 54" einer Prüderie anheim gefallen sind, die ganz untypisch für dieses ehemalige Independent-Studio ist. So wurde Shane ursprünglich eine Bisexualität zugeschrieben, die man nun bestenfalls nur noch verschämt angedeutet findet. Man kann nur hoffen, dass das Tochter-Unternehmen von Disney nicht beginnt, sich wie ein Mini-Major aufzuführen und keinen Mut mehr aufbringt. So bleiben nach guten 90 Minuten lediglich die hervorragende Ausstattung (das "Studio 54" wurde exakt nachkonstruiert) und die geniale Disco-Musik jener Zeit. Fazit: "Studio 54" dient höchstens samstagsabends als Vorgeschmack für den nachfolgenden Besuch einer Seventies-Party. Ansonsten bleibt der Film eher eine Lightversion von "Boogie Nights". Um das echte Tanz- und Lebensgefühl jener Zeit begreifen zu können, geht nach wie vor nichts über "Saturday Night Fever" mit John Travolta.
MEINE WERTUNG: 4 von 10 möglichen Punkten
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