Peter Halm über Star Trek - Der Aufstand

Szenenbild INHALT: Der Weltraum, unendliche Weiten ... irgendwo da draußen leben 600 Bewohner auf einem besonderen Planeten. Die Baku altern im Zeitlupentempo, da ihr Heimatplanet jungbrunnenhafte Wirkungen besitzt. Doch die Idylle wird empfindlich gestört durch die sterbende Rasse der Sona, gegen deren durch endlos viele Faceliftings verzerrten Gesichter Cher, Liz Taylor und Michael Jackson wie das blühende Leben wirken. Unter der Führung von Ruafo (F. Murray Abraham) wollen die Sona die in Harmonie lebenden Baku ohne deren Wissen mittels eines Holodeck-Programmes auf einen anderen Planeten verfrachten. Und diese frevlerische Tat soll auch noch mit Erlaubnis des Föderations-Admirals Dougherty (Anthony Zerbe) geschehen, der die Regenierungskraft den Mitgliedern der Föderation zukommen lassen will. Als Captain Picard (Patrick Stewart) von dem Plan erfährt, macht er sich mit der Enterprise-Crew auf, den Baku beizustehen - auch wenn er sich dafür gegen die Föderation stellen muß ...

KRITIK: Scheinbar lastet ein Fluch der "ungeraden" Zahlen auf den Star Trek-Filmen. Waren schon die Filme eins, drei und fünf der Classic-Crew um Captain Kirk stets schlechter als die Filme zwei, vier und sechs, so muß man feststellen, dass der dritte Leinwand-Ausflug der "Next Generation" ebenfalls enttäuschend zurückfällt gegenüber dem Auftritt vor zwei Jahren in "Der erste Kontakt".

Zwar hat der neunte Film alle typischen Zutaten, die Star Trek ausmachen (Action, selbstironischer Humor, Romantik und jede Menge Trek-Philosophie), doch leider finden diese Zutaten nie zu einem einheitlichen Ganzen zusammen, das den Zuschauern ein "Wow" entlocken könnte.

Streng genommen kann man "Star Trek: Der Aufstand" gar nicht als Kinofilm bezeichnen. Vielmehr ist es eine durchschnittliche TV-Doppelfolge, die aber selbst gegenüber einigen anderen Doppelfolgen dieser Serie nicht bestehen kann.

Schon die Locations sind alles andere als filmreif. So spielt sich ein Großteil des Films auf dem Planeten der Baku ab. Deren Gebirgslandschaft (aufgenommen in der Sierra Nevada) ist zwar nett anzuschauen, aber reißt einen nicht gerade vom Hocker. Hier wurde wohl unter Kostendruck gefilmt, um an den Raumschiff-Sequenzen im All prassen zu können. Diese nämlich kommen zum ersten Mal bei einem Star Trek-Film komplett aus dem Rechner. Da die Technik-Freaks von Lucas' Firma ILM wegen des neuen "Star Wars"-Films unabkömmlich waren, wichen die Macher von Star Trek auf eine relativ unbekannte Firma aus. Leider ist aber eine optische Qualitätsverbesserung gegenüber den Modellen nicht auszumachen. Wie man überhaupt den ganzen Film lang rätseln muß, wo eigentlich das viele Geld dieses bislang teuersten Star Trek-Films abgeblieben ist ...

Auch die Story selber funktioniert nur leidlich und hat kaum Spannungsmomente zu bieten. Dabei spielt die Tatsache, dass der geneigte Trekkie sich mit zwei völlig neuen Rassen auseinandersetzen muß (während vor zwei Jahren der Feind - die Borg - allseits gefürchtet waren) weniger eine Rolle als der Umstand, dass ein innerer Konflikt für die Enterprise-Crew nicht auszumachen ist. Auch wenn die Marketing-Kampagne glauben machen will, hier gehe es um die Verletzung der Hauptdirektive, mit denen Picard und seine Mannshaft zu tun hat (einer von einem Dutzend anvisierten Filmtiteln hieß denn auch "Prime Directive"), so zeigt sich im Film selber, dass die Baku der Föderation technisch mindestens ebenbürtig sind, aber ein einfaches Alternativleben bevorzugen. Die Hauptdirektive aber besagt, sich nicht in die Entwicklung technisch unterentwickelter Rassen einzumischen. Daher wird hier auch nicht die Hauptdirektive verletzt, sondern schlicht und einfach ein verbrecherischer Akt geplant, gegen den Picard & Co. vorgehen. Einen inneren Konflikt, wie ihn Picard noch in "Der erste Kontakt" auszutragen hatte, fehlt hier. Auch in dieser Hinsicht haben diverse Folgen der Serie mehr an Dramatik aufzuweisen gehabt.

Soviel inhaltliche und konzeptionelle Armut können dann auch die humoristischen und romantischen Momente kaum kaschieren. Wenn Worf aufgrund der Verjüngungskraft Pubertätspickel bekommt, Riker und Troi sich zärtlich in der Badewanne umgarnen, Picard eine Romanze mit einer immerhin schon 309 Jahre alten Baku-Lady beginnt oder Data sich auf drollige Weise mit einem Kind anfreundet, so stillt das kurzfristig den Heißhunger auf Star Trek. Ein positiver Gesamteindruck stellt sich leider aber nicht ein.

Es wäre wirklich an der Zeit zu überlegen, ob man dem ganzen Franchise mit mittlerweile neun Filmen und vier TV-Serien (wovon zwei auch noch parallel laufen) nicht eine mehrjährige kreative Pause gönnt. Die Übersättigung mit Star Trek führt langsam zu einem unguten Zustand einer langjährigen, eingefahrenen Ehe: Der Alltag ist eingekehrt, die Lust auf das Besondere dagegen in den weiten des Alls verschwunden.

Fazit: Auch wenn es dem Autor dieser Zeilen in seiner Trekkie-Seele wehtut: "Star Trek: Der Aufstand" ist eine Enttäuschung für jeden Star Trek-Liebhaber, der keine rosarote Brille trägt. Auch beim Nicht-Trekkie wird der Film kaum Aufstände vor Begeisterung auslösen, sondern eher den Blick noch mehr auf das Highlight des kommenden Jahres lenken ... "Star Wars: The Phantom Menace"

MEINE WERTUNG: 4 von 10 möglichen Punkten

Dirk Jasper FilmLexikon
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