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INHALT: Panik in New York. Eine Gruppe arabischer Terroristen tötet mit einer Sprengladung die Fahrgäste eines Linienbusses und fordert von den USA die Freilassung eines islamischen Führers. dass dieser überhaupt Gefangener von General William Devereaux (Bruce Willis) ist, weiß nicht einmal die US-Regierung.
Als eine Schulklasse nur knapp einem erneuten Bombenanschlag entkommt, ruft die US-Regierung den Ausnahmezustand für den Stadtteil Brooklyn aus. Militärtruppen marschieren auf, Panzer säumen die Straßen von New York, und das Kommando für die Militäraktion führt - General William Devereaux. Er kennt keine Gnade mit den moslemischen Bewohnern Brooklyns, lässt sie alle im Stadion einpferchen und foltert gar einen Verdächtigen zu Tode. Da dies aber nicht nur Hubbard nicht schmeckt, sondern auch etlichen anderen Einheimischen, steht die US-Army kurz davor, auf eigene Landsleute zu schießen und New York in einen Bürgerkrieg zu stürzen ... KRITIK: Dass in New York überhaupt noch Menschen wohnen, mag man kaum glauben, wenn man so beobachtet, welchen Bedrohungen diese Stadt fortwährend ausgesetzt zu sein scheint. Diverse Kometen und Meteoriten, Riesenechsen, Flutkatastrophen ... kein Wunder, dass diese Stadt nie schläft ... aus lauter Angst ... Nun also die islamische Terror-Bedrohung. Oder kommt der Feind diesmal doch aus dem Inneren? Das genau ist die Frage, die Edward Zwick ("Glory") in seinem neuen Film aufwirft. So irreal die oben erwähnten filmischen Bedrohungen auch sein mögen - "Ausnahmezustand" skizziert ein Szenario, das gar nicht mal so unrealistisch erscheinen mag. Angesichts der blutigen Anschläge von Daressalam und Nairobi im letzten Jahr, des verheerenden Anschlags in Oklahoma oder auch der relativ glimpflich verlaufenden Bombenexplosion im World Trade Center in New York, ertappt man sich während des ganzen Films immer wieder bei dem Gedanken, dass eine solche (politische) Katastrophe der Menschheit erspart bleiben möge, und befürchtet zugleich, dass ein übergeschnappter Militär genau so fanatisch reagieren könnte, überließe man ihm unkontrolliert die Machtinsignien. Fanatismus - das ist (mal wieder) das Hauptthema von Edward Zwick. Vordergündig mag dabei der islamische Fanatismus stehen. Dennoch sind Vorwürfe arabischer Organisationen, der Islam würde hier per se verteufelt, ebensowenig haltbar wie die, dass vor lauter politisch korrekter Rücksicht glatte Stereotypen zum Vorschein kommen. Es gibt sie nun mal wirklich, die selbstmörderischen Anhänger der Hamas, die um eines veirrten Glaubens willen sich selbst und andere in die Luft jagen. Ebenso gibt es die um Ausgleich und Frieden bemühten Araber in Person z. B. des ägyptischen Staatschefs Mubarak. Beim nächsten Bombenanschlag in einer israelischen Sadt (und dieser wird leider so sicher kommen wie der morgendliche Gebetsaufruf eines Muezzins) möge man daran denken, dass Hamas und Arafat zwei Seiten ein und derselben Medaille sind. Ebenso wie die Figuren Samir und Frank im Film. Der eine ein scheinbar Gemäßigter, der sich als Terrorist entpuppt, der andere ein US-arabischer FBI-Agent, der während der verhängnisvollen Entwicklung selber radikalen Gedanken anheimfällt. Wie gesagt: Vordergründig dreht es sich um islamischen Fanatismus. Darunter aber verurteilt Edward Zwick den Fanatismus jeglicher Couleur. Wenn Fanatismus auf Fanatismus als Gegenreaktion folgt, steht die Menschheit am Abgrund. dass dabei gerade die westlich-demokratisch geprägte Welt zuweilen alle ihre mühsam erkämpften Wertvorstellungen über Bord zu werfen breit ist, macht den Fanatismus so gefährlich. Sich dies stets ins Gedächtnis zu rufen, wenn man erneut kopfschüttelnd einem Terroranschlag beiwohnen mußte, ist die Botschaft dieses Films (und macht die miltärischen Angriffe der USA auf den Irak kurz vor Weihnachten oder auf den Strippenzieher Ibn Laden in Afghanistan nur noch fragwürdiger). Und die Botschaft wird dem Zuschauer auf ebenso spannende, actionreiche und intelligente Weise nähergebracht (ja, diese Konstellation kann es tatsächlich noch geben). Nicht der Holzhammer muss herhalten, sondern eine interessante Figurenkonstellation mit dem Dreieck Denzel Washington - Annette Bening - Bruce Willis. Denzel Washington (zuletzt "Dämon") kann seinen Part als Good Guy und moralisches Gewissen routiniert darbieten, auch wenn bei soviel Wahrhaftigkeit und Edelmut die Figur letztlich etwas eindimensional bleibt. Weit interessanter ist da schon sein "Gegner" Bruce Willis (der sich nach seiner Rolle in "Der Schakal" zunehmend zu gefallen scheint als Bad Guy), der einen sadistischen General verkörpert, dessen Patriotismus nur noch als Schutzhülle für gelebten Rassismus dient. Die Konfrontation der beiden stellt stets einen Höhepunkt im Film dar und offenbart, wie schmal der Grat ist, in dem sich Fanatismus (egal, ob schwarz / weiß oder islamisch / christlich) breitmachen kann. Bleibt noch eine überzeugende Annette Bening als undurchsichtige CIA-Agentin, deren Standpunkt bis zuletzt offen bleibt. Dass Edward Zwick zum Ende hin sein zweites Lieblingsthema neben dem Fanatismus, den Patriotismus, zum Vorschein kommen lassen muss, ist der einzige Wermutstropfen. Doch fällt er diesmal bei weitem nicht so fürchterlich selbstherrlich aus wie in Edward Zwicks letztem Film Mut zur Wahrheit (ebenfalls mit Denzel Washington). Fazit: "Ausnahmezustand" ist ein ausnehmend guter Action-Film, der durch seinen realistischen Hintergund nachdenklich macht über die Grenzen eines demokratischen Rechtsstaates im Falle einer terroristischen Bedrohung. Wenn die durch das Volk legitimierte Regierung (und somit das Volk selbst) diese freiheitlich-demokratischen Prinzipien außer acht lässt, ist genau das die weit größere Bedrohung als jede Terrorgruppe sie je ausüben könnte.
MEINE WERTUNG: 9 von 10 möglichen Punkten
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