Ernst Corinth über Bis zum Horizont und weiter

Das Interesse an deutschen Kinoproduktionen ist ja gerade mal wieder auf dem Tiefpunkt angelangt. Und selbst bekannten Namen wie Detlev Buck zeigt das Publikum gelangweilt die kalte Schulter. Doch Wunder gibt es immer wieder. Und zu denen zählt hoffentlich Peter Kahanes Film "Bis zum Horizont und weiter", der so lakonisch und so stimmungsvoll daherkommt, dass man ihm wirklich von ganzem Herzen viele Zuschauer wünscht.

Erzählt wird die Geschichte eines ungewähnlichen West-Ost-Trios: Die verklemmt-strenge (West-) Berliner Richterin Beate (Corinna Harfouch) hat gerade Katja (Nina Petri) zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und will nun eigentlich ihren verdienten Urlaub antreten. Aber dazu kommt es nicht, denn Katjas Freund Henning (Wolfgang Stumph), ein arbeitsloser (Ost-) Baggerführer, entführt sie kurzerhand, um seine Geliebte freizupressen. Und dann geschieht, was in einer solchen Story einfach geschehen muß: Täter und Opfer kommen sich näher, nicht zuletzt dank des selbstgebrannten Holunderschnapses von Hennings Mutter. Doch bevor die letzte Flasche geleert ist und es zur West-Ost-Vereinigung kommt, erscheint die inzwischen aus dem Gefängnis entflohene Katja und erwischt die Zwei im Bett.

So weit, so lustig. Aber Kahanes Film, der mitten im wundersamsten Wilden Osten spielt, ist alles andere als ein oberflächlich inszeniertes Lustspiel. Komik und Tragik gehen hier nämlich konsequent Hand in Hand. Große Gefühle werden vom Regisseur ernst genommen und von seinen Akteuren äußerst glaubhaft transportiert. Und die Melancholie, die das hilflos-verzweifelte Handeln dieser kleinen Alltagshelden begleitet, ist von ihm fürwahr brillant eingefangen worden. Kurzum: ein richtig schöner Film.

Dirk Jasper FilmLexikon
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