Ernst Corinth über Seite an Seite

Zwar sind Luke, Isabel, Jackie, Anna und Ben eine schrecklich nette Familie, doch Hunde mögen sie offenbar überhaupt nicht. Was ja nicht weiter schlimm ist, aber dennoch hätten wir schon gern gewußt, wo der kleine tapsige Kerl denn geblieben ist, den die hübsche Isabel (Julia Roberts) ihren beiden Stiefkindern zu Anfang des gut zweistündigen Tränenepos geschenkt hat. Doch Regisseur Chris Columbus hat den süßen Hund entweder schlichtweg vergessen oder der wuschelige Bursche hat bei den Dreharbeiten zu "Seite an Seite" so schrecklich geheult, dass er von einem entnervten Teammitglied kurzerhand am nächsten Highway-Parkplatz ausgesetzt worden ist.

Was wir alle nicht hoffen wollen. Und was ja auch ziemlich traurig wäre. Genau wie dieser Film, der allerdings leider auch zum Heulen verlogen ist. Und das trotz der guten weiblichen Hauptdarstellerinnen, die sich zumindest anfangs ein schönes mütterliches Duell um die Oberherrschaft in Lukes (Ed Harris) Familie liefern. Aber dann, nach knapp einer halben Stunde, ist Schluß mit lustig und die Geschichte versinkt titanic-haft in einem Meer aus Tränen.

Jackie (Susan Sarandon), die leibliche Mutter, hat nämlich Krebs, und das erfährt sie ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, an dem ihre Kinder anfangen, die neue Freundin ihres Vaters zu akzeptieren. So geht dieser Loslösungsprozeß nun konsequent einher mit Jackies körperlichem Verfall. Und weil das noch nicht traurig genug oder das Sterben allein dem Regisseur vielleicht sogar ein wenig zu "schmutzig" gewesen ist, wird gleichzeitig gezeigt, wie sich die beiden vorab so konkurrierenden Frauen langsam und anrührend näher kommen.

Was ja schon für ein Paket Taschentücher reichen würde, doch der längst von allen guten Kino-Geistern verlassene Regisseur legt noch ein Päckchen oben drauf und läßt seinen Film in einem wahren Tränendrüsen-Massaker enden. Das so feucht und eiskalt kalkuliert daherkommt, dass es echt zum (Auf-)Heulen ist.

Dirk Jasper FilmLexikon
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