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INHALT: Die Angestellte Marion Crane (Anne Heche) kann nicht widerstehen, als sie 400.000 Dollar in ihren Händen hält. Statt das Geld eines Kunden zur Bank zu bringen, steckt sie es in die eigene Tasche und macht sich auf zu ihrem Geliebten Sam Loomis (Viggo Mortensen). Müde von der langen Fahrt, checkt sie in einem abgelegen, kleinen Motel ein. Dessen kauziger Besitzer Norman Bates (Vince Vaughn) lebt mit seiner Mutter in einer hinter dem Motel düster gelegenen Villa. Für Marion zunächst kein Problem, stünde Bates' Mutter nicht urplötzlich mit einem langen Messer vor ihr, als sie unter der Dusche weilt. Doch nicht nur Marion muß das Zeitliche segnen, sondern auch Privatdetektiv Milton Arbogast (William H. Macy), als er die Vermißte in der düsteren Villa sucht. Erst Marions Schwester Lila (Julianne Moore) kommt zusammen mit Sam auf das scheckliche Geheimnis von Norman Bates und seiner Mutter ... KRITIK: WARUM NUR ... ... war wohl allerorten die Frage, als erste Meldungen in Umlauf kamen, Regisseur Gus Van Sant ("Good Will Hunting", "My Private Idaho") schicke sich an, ein Remake in Farbe von Alfred Hitchcocks Meisterwerk "Psycho" zu inszenieren. WARUM NUR ... ... schüttelte alle Welt den Kopf, als Van Sant ankündigte, er würde das Original-Drehbuch von Joseph Stephano sowie die Original-Musik von Bernard Hermann nahezu unverfälscht übernehmen und eine fast hundertprozentige Kopie des Horror-Klassikers erstellen. Die Dreharbeiten dauerten wie beim Original sechs Wochen, und auch Van Sant ließ wie der alte Grantler Hitchcock keine Pressevorführungen vorab zu. Sattdessen wurden Gerüchte in die Welt gesetzt, dass eventuell nach der berühmten Dusch-Szene der Handlungsstrang einen gänzlich anderen Verlauf nehmen würde. WARUM NUR ... ... fragt man sich nun auch nach Ansicht dieser 25 Millionen Dollar teuren Schnapsidee (wenigstens hier unterscheidet sich das Remake vom Original, für das Hitchcock vergleichsweise bescheidene 800.000 Dollar aufwenden mußte). Nichts, aber auch wirklich gar nichts spricht für dieses Experiment. Im Gegenteil wird dieses Remake in die Filmgeschichte eingehen als Superlativ für flüssig: flüssig - überflüssig - Psycho '98. WARUM NUR? Wollte Van Sant sich oder irgendjemanden irgend etwas beweisen? dass er ein guter und hoffnungsvoller Regisseur ist, hat er doch nicht zuletzt erst unlängst mit dem oscar-prämierten "Good Will Hunting" deutlich gemacht. Stattdessen liefert er den wenig schmeichelhaften Beweis, dass scheinbar seit 38 Jahren die (Film-)Welt nicht viel weiter gekommen ist. Trotz geringer Modifikationen wie die Geldsumme, modernere Fahrzeuge oder zeitgenössische Verhaltensweisen, bleibt der Gesamteindruck in Ausstattung und Kostüme merkwürdig Sixties-like. Und dass der minimale Einsatz von Schockeffekten mitunter den größtmöglichen Horror hervorrufen kann, zeigt ja die x-te Wiederholung des Originals am heimischen TV-Gerät. Dafür hat es nun wahrlich keines Remakes bedurft. Zumal Van Sant gerade bei der Dusch-Szene wie auch beim Mord am Privatdetektiv von seinem 1:1-Konzept abweicht und vorbeiziehende Wolken zwischenblendet. Überdies muß Anne Heche als Dusch-Opfer viel mehr Haut zeigen und hat beileibe nicht denselben angsteinflößenden Terror im Blick wie Janet Leigh damals (auch wenn dies angeblich durch den quälerischen Einsatz eiskalten Wassers noch verstärkt wurde). Und wenn mit dem blutroten Wasser nicht nur diese Szene im Abfluß der Filmgeschichte landet, fragt man sich erneut: WARUM NUR? Sahen vielleicht die durch zuletzt heftige Flops geplagten Verantwortlichen bei Universal die Kinokassen mit dieser Idee der "Bild-für-Bild-Rekreation" sprudeln? Heftigst wurde Werbung mit der Tatsache gemacht, dass "Psycho" einer neuen Kino-Generation eventuell völlig unbekannt wäre. Hätten sie doch mit ein wenig mehr Mut und einer pfiffigen Marketing-Kampagne gleich das Original als Release in die Kinos gebracht. George Lucas hat doch mit "Star Wars" bewiesen, dass sich interessierte Kinogänger durchaus in "alte Schinken" locken lassen, die sie vorher noch nie auf der großen Leinwand gesehen haben. Stattdessen aber setzt man auf den billigen Effekt, dieselbe Geschichte fast exakt in Farbe neu zu erzählen. Dabei wird durch den Farbeinsatz nicht eine einzige Szene besser als im Original, das genial mit Schatten und Schwarz-Weiß-Kontrasten arbeitet. Auch das von Remake-Fans gerne angeführte Argument, im Theater sei schließlich das Neuinterpretieren alter Klassiker wie Shakespeare gang und gäbe, zieht nicht. Ein Theaterstück ist eine flüchtige Momentaufnahme, die bei jeder Aufführung immer ein bißchen anders ist. Da stehen die Schauspieler jeden Abend ein wenig anders oder betonen ihren Text an anderer Stelle etwas mehr. Die Live-Atmosphäre bietet immer die Möglichkeit des Unerwarteten. Film dagegen ist eine einmalige, nach Drehen und Schneiden für immer festgehaltene Aufnahme auf Zelluloid, die beim Abspielen stets gleich bleiben wird. Interessant sind da lediglich die sogenannten Director's Cuts, die eine Neuinterpretation eines Films durch neu hinzugefügte oder weggelassene Szenen ermöglichen ("Blade Runner" ist hierfür wohl das markanteste Beispiel). Remakes eines Films hingegen sind die Bankrotterklärung, dass einem nichts Neues mehr einfällt. Außer man wertet den Umstand an sich, dass zum ersten Mal eine exakte Kopie angestrebt wurde, als das eigentlich "Neue". Dann aber wäre "Psycho '98" das konsequent zuende gedachte Totenglöckchen Hollywoods: keine eigenen Ideen mehr, sondern nur noch der Wunsch danach, möglichst genaue Ebenbilder ehemals erfolgreicher Filmmuster zu erschaffen. Das mag im Werkbereich eines einzelnen Regisseurs und dessen Darstellern zwar durchaus eine Herausforderung sein, sich wie in der Malerei einen alten Meister auszusuchen und dessen Werke zu kopieren. Im Wirkungsbereich auf den Zuschauer jedoch hinterläßt eine solche Vorgehensweise den fatalen Eindruck der Leere. Um bei der Malerei zu bleiben: Warum ist wohl den meisten Lesern dieser Zeilen der Fälscher Kujau ein größerer Begriff als irgendwelche zeitgenössischen Maler? Es kann nicht im Interesse Hollywoods sein, dass sich dieser Zeitgeist im Kino ähnlich äußert ... also: WARUM NUR? Soll "Psycho" einem der größten Regisseure seine Referenz erweisen und gleichzeitig zeigen, wie zeitlos Hitchcocks Filme sind? Das würde bedeuten, dass der Film jederzeit und mit jedem Schauspieler funktioniert. Das aber tut es eben nicht. Anne Heche (zuletzt in "6 Tage, 7 Nächte") ist eine einzige Enttäuschung. Man nimmt ihr in keinem Moment ab, eine Frau zu sein, die sich (zu recht) verfolgt fühlt. Wenn sie hinter dem Steuer die inneren Stimmen vernimmt, sieht sie aus wie eine Frau, die so tut, als vernähme sie Stimmen, ohne sie wirklich zu vernehmen. Während das Gespräch beim Essen zwischen Janet Leigh und Anthony Perkins im Original vor Spannung knistert, ist sie zwischen Heche und Vince Vaughn ("Swingers", "Lost World") nur fade, und man wendet sich mehr und mehr vom Gespräch ab und fragt sich, ob sie nun endlich in das Sandwich beißt, das sie minutenlang durch ihre Finger dreht. Vaughn ist zwar keine billige Kopie von Perkins und bringt durchaus eine eigenständige Variante des Schizophrenen. Dennoch glaubt man schwer, dass ein so kräftiger, erdiger Bursche so abgedreht sein kann. Zumal die Masturbations-Szene seine Figur nur noch unglaubwürdiger macht. Es ist aus der Psychologie bekannt, dass ja derart gestörte Männer gerade den Mord an einer Frau als Ersatz-Ejakulation durchführen, da sie eben nicht Hand an sich selbst anlegen. Außerdem würde die Mutter in Bates, die ja laut späterem psychiatrischem Urteil immer Teil von ihm ist, sicherlich nicht so einfach "zusehen", wie ihr Junge es sich selbst besorgt. Einen Lichtblick gibt es aber doch zu vermelden bei den Darstellern: William H. Macy ("Fargo") gibt eine sehr gute Vorstellung als Privatschnüffler ab. Dennoch muß man festhalten, dass in der Zeit nach Film-Serienkillern wie in "Das Schweigen der Lämmer", "Sieben" oder "Scream" der relativ niedrige Body-Count und die Langsamkeit der Handlung sicher keinen Hund mehr hinterm Sofa hervorholt. Hichcocks "Psycho" ist ein Meisterwerk, keine Frage. Doch was damals "schocking" war, ist angesichts heutiger Brutalitäten beinahe schon normal zu nennen. Was bleibt abschließend nach diesem "Psycho"-Schock zu sagen? War Gus Van Sant so wagemutig, ja fast dreist genug, eventuell Hollywood den eigenen Spiegel vorzuhalten? Wird die "Krönung" der Remake-Welle gleichzeitig ihren Abgesang einläuten? Hat er uns Kritiker, die wir nun alle empört "Blasphemie" und "Leichenfledderei" rufen, nur reingelegt, ohne dass wir es gemerkt haben? Das sind mehr Hoffnungen als Mutmaßungen. Tatsächlich wird wohl jemand auf der Bildfläche erscheinen und meinen, auch "Psycho 2 + 3" exakt nachfilmen zu müssen. Und Hollywood wird sich die Absage des Publikums nicht zu Herzen nehmen (mit knapp 21 Millionen Dollar nach 4 Wochen hat der Film nicht mal seine Produktionskosten wieder eingespielt) und weiterhin abstruse Film"ideen" verfolgen. Vom Film selber bleibt hoffentlich nur eine Randnotiz ganz am Ende des Abspanns als Gag des Jahres übrig: Da bedanken sich die Macher nämlich bei John Woo für die Bereitstellung seines Küchenmessers - Hollywood verkommt zur größten Recyclinganlage der Welt ... Fazit: WARUM NUR?
Meine Wertung: 1 von 10 möglichen Punkten
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