Peter Halm über Wachgeküßt

Szenenbild INHALT: Krankenschwester Judith (Holly Hunter) steht vor ihrem seelischen Trümmerhaufen: Ihr Mann Bob (Martin Donovan) hat sie wegen einer Jüngeren sitzengelassen, bekommt trotz aller früheren Beteuerungen, Kinder zu hassen, Nachwuchs und der gemeinsame Freundeskreis hat sich vollends ihm zugewandt. Einsam hockt die Vierzigjährige nun in dem ihr gebliebenen schnieken Fifth-Avenue-Apartment. Nach und nach freundet sie sich mit dem Portier Pat (Danny DeVito) an, der nach dem Tod seiner Tochter und trotz großer Schulden versucht, einen italienischen Importladen aufzumachen. Pat würde zwar gerne mehr von Judith wollen, doch sie sieht in ihm nicht mehr als einen guten Freund. Ansonsten ertränkt sie ihre Liebeshoffnungen in zahlreichen Cocktails und im Gespräch mit der glamourösen Nachtclubsängerin Liz Bailey (Queen Latifah). Durch sie und durch Pat gewinnt Judith schließlich die Kraft, ihre Lebensträume doch noch zu verwirklichen ...

KRITIK: Richard LaGravenese hat sich einen exzellenten Ruf als Drehbuchschreiber so unterschiedlicher Filme gemacht wie "König der Fischer", "Die Brücken am Fluß", "Liebe hat zwei Gesichter" oder auch der turbulenten Komödie "No Panic - Gute Geiseln sind selten". Nun legt er mit "Wachgeküßt" sein Regiedebüt vor, das die Selbstverwirklichung einer Großstadtneurotikerin um die Vierzig erzählt.

Als sei die von Holly Hunter ("Das Piano") charmant dargestellte Hauptfigur die Schwester von Woody Allen, kommentiert sie ihre eigene Befindlichkeiten aus dem Off, berichtet von ihrer unerfüllten Liebessehnsucht, ihren Existenzängsten und ihrer Einsamkeit. Dabei vermischt LaGravenese Fantasiemomente und Realität derart geschickt, dass man sich mehrmals fragt, was denn nun was ist. Leider verflüchtigt sich mit der Zeit der humoristische Effekt dieses Kniffs und kommt das eine oder andere Mal zuviel vor.

Neben dem gewohnt pfiffigen Danny DeVito ("Twins-Zwillinge") ist es aber vor allem die Rapperin Queen Latifah ("Set It Off"), die mit jedem Szenenauftritt ihre Schauspielkollegen nicht nur optisch verdrängt.

Den geschliffenen Dialogen über Partnerfrust und Partnerlust folgt man mit heiterer Aufmerksamkeit, auch wenn darüber zuweilen die eigentliche Handlung etwas aus dem Blick gerät. Auch das Ende ist mit seinem gezwungen wirkenden weiblichen Selbstverwirklichungs-Anspruch allzu plakativ ausgefallen. Dafür entschädigt aber die musikalische Untermalung mit softer romantischer Barmusik.

Fazit: Vergnügliche Innenansichten einer New Yorker Neurotikerin, die all diejenigen wachküssen könnte, denen Woody Allen zu schnarchig ist ...

MEINE WERTUNG: 7 von 10 möglichen Punkten

Dirk Jasper FilmLexikon
© 1999 © 1994 - 2010 Dirk Jasper