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Es gibt schlimme Bilder in diesem Film. Dann sieht man schrecklich verstümmelte Soldaten, die vor Schmerz schreien und nach Morphium betteln. Junge Männer, die angesichts des Tötens und Sterbens wahnsinnig vor Angst sind. Und man sieht einen US-Soldaten, der eine Handvoll Goldzähne betrachtet, die er zuvor seinen um ihn herumliegenden toten japanischen Feinden herausgebrochen hat. Danach steht er plötzlich auf, beugt sich mit einer Zange über eine Leiche ... Und die Kamera blendet voller Scham aus, um danach diese gewalttätigen Bilder mit Aufnahmen zu konfrontieren, die mitten aus dem Paradies, aus der heilen unberührten Natur zu stammen scheinen.Was der US-Kultregisseur Terrence Malick, der nach seinen Erfolgen mit "Badlands" und "In der Glut des Südens" plötzlich untergetaucht war und 20 Jahre lang spurlos verschwunden blieb, hier bei seinem überzeugenden Comeback nach James Jones' Roman "Insel der Verdammten" inszeniert hat, erzeugt beim Zuschauen eine seltsame Wirkung. Während der 170 Minuten, die der Film immerhin dauert, fühlt man sich in das Geschehen tatsächlich hineingezogen, ähnlich stark wie einst bei "Apocalypse Now". Dabei verfolgt man das gräßliche Schlachtengetümmel aus dem eingeschränkten Blickwinkel der Soldaten, sieht und weiß dank der irrwitzigen Kameraführung, die stets auf Augenhöhe der Akteure bleibt, nie mehr als die, die sich dort im hohen Gras eines Hügels gerade verschanzt haben oder ängstlich bei Maschinengewehrfeuer ducken. Und noch lange nach dem Kinobesuch spuken Bilder im Kopf herum, quälend und auch ein wenig narkotisierend. Dabei ist "Der schmale Grat", der auf dem Berliner Filmfestival mit dem "Goldenen Bären" ausgezeichnet wurde, alles andere als ein klassischer Kriegs- oder Antikriegsfilm. Zwar erzählt er vordergründig die Geschichte einer Schützenkompagnie der US-Armee, die während des Zweiten Weltkrieges versucht auf der pazifischen Salomon-Insel Guadalcanal den japanischen Stützpunkt "Hügel 210" zu erobern. Aber historische Details interessieren den Regisseur offenbar nicht. Auch Fragen nach Sinn und Unsinn dieser blutigen monatelangen Schlacht bleiben außen vor. Genau wie Pathos, Patriotismus oder irgendwelches soldatisches Heldentum. Letzteres hat Folgen, auch und gerade was die Schauspieler angeht. So agieren zwar Stars wie Sean Penn, Nick Nolte, John Cusack, Woody Harrelson oder Elias Koteas, aber keinem gönnt der Regisseur einen eigenen ausgeprägten Charakter. So weiß man oft gar nicht, wer da nun durchs Gras robbt, ins Gras beißt. Oder wer sich angesichts des Schreckens in Träume und Phantastereien flüchtet. Denn "Der schmale Grat" ist vor allem eins: Eine filmische Meditation des Regisseurs über die Gleichzeitigkeit zweier Welten. Oder genauer gesagt: über den Einbruch der kriegerisch-zerstörerischen Zivilisation in die (in diesem Fall doch arg verklärte) friedliche heile Natur-Welt der Eingeborenen, die hier ganz unvermittelt mitten in die Schlachten des Zweiten Weltkrieges geraten. Den Schrecken genau wie der Regisseur kurz betrachten, auf die Bilder aber keine Antwort wissen. Und die dann versuchen, dies alles zu ignorieren.
Bloß das Grauen wirkt nach - und genau das beweist Malick mit seinem Film.
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