Dietmar Schmalfuss über Late Show

Szenenbild Das Märchen vom Hannes im Fernsehglück Es waren einmal Köche und Köchinnen einer großen Fast-Food-Kulturkette, die wunderten sich, dass der Verkauf ihres Einheitsbreis immer zurückging.

Nicht, dass sie das wirklich berührt hätte, denn sie selbst mußten diesen Fraß ja nicht essen, aber ihre Fürsten fern im Schloß auf dem hohen Berge, mochten es nicht länger leiden, denn der Glanz ihres Goldes begann ein klein wenig nachzulassen. Und so etwas verdirbt Fürsten bekannterweise die Stimmung.

Also zog der verzweifelte Oberkoch aus, er hatte sich beim auch noch beim Vorbeigehen an der Küche den Appetit verdorben ? Ziege ist nicht jedermanns Sache ?allerdings ohne zu wissen wohin.

Plötzlich und unvermittelt stieg ihm der Geruch von Pizza in die Nase. Verzaubert und besessen davon brachte er sich und die Seinen in Gefahr, aber fand schließlich den Urheber dieses ungewohnten Geruchs: Im Hinterhof.

Der blondgelockte Pizzabäcker Hannes mit seiner unglücklichen Frau, die gerade vor dem überkochendem Einheitsbrei auf ihren Vollwertbauernhof geflohen war, folgt dem Lockruf des Oberkochs und dem Glanz des Goldes. Mit einer Gewürzgurke versucht Hannes dem Einheitsbrei etwas Geschmack zu geben. Und trotz der vielen Köche, die stetig bemühen den Brei zu verderben, gelingt es ihm sogar.

Das ist dem Fürsten zunächst gar nicht recht, stört es doch seine Spielchen mit den anderen Fürsten. Doch Fürsten sind kluge Leute. Er erkennt den wahren Wert von Hannes, der seinem Gold neuen Glanz gibt und lohnt es ihm fürstlich mit dem Privileg Vorkocher zu sein. Voller Dank ersetzt Hannes die Gewürzgurke durch ein grünes Salatfeigenblatt.

Und wenn sie nicht gestorben sind so kochen sie noch heute. Für uns. Und wenn wir all das, was sie kochen, weiter in uns hineinschlingen, sind wir selbst schuld an unserer Seelengastritis.

Was bleibt: Nichts.

Aber: Für einen Abend lohnt es sich, einen Oberkoch Harald Schmidt anzuschauen, der seine Rolle mit Bravour gibt.

Dirk Jasper FilmLexikon
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