Gerhard Heeke über 8 mm

Szenenfoto "8 mm" oder Super 8 ist das Format des Filmes, welches den Privatdetektiv Tom Welles alias Nicolas Cage, in eine vollkommen andere, verstörende aber nichtsdestotrotz reale Welt gleiten läßt. Tom Welles ist nach diesem Fall ein anderer Mensch. Der Kinozuschauer zwar nicht, aber dennoch läßt einen dieser Film nicht schon 10 Minuten nach dem Kino wieder los.

Tom Welles betreibt eine gutgehende Ein-Mann-Detektei. Der Familienvater recherchiert im Normalfall für seine Klienten in Sachen Seitensprung. Aber diesmal ist es vollkommen anders. Eine reiche Witwe findet in dem Tresor ihres jüngst verstorbenen Mannes einen Film. Auf diesem Film wird gezeigt, wie ein Mädchen bestialisch umgebracht wird. Sie bittet Tom zu klären, ob in diesem Film wirklich ein Mord gezeigt wird oder vielleicht nur gut geschauspielert wurde. Der Detektiv findet recht schnell heraus, dass es sich bei dem Mädchen um eine Ausreißerin handelt, die nach Los Angeles geflohen ist, um dort eine berühmte Schauspielerin zu werden. Die weiteren Recherchen gestalten sich schwieriger. Welles muß direkt in der Sadomaso Szene ermitteln. Um in die Gesellschaft "eingeführt" zu werden, bedient er sich des Pornoshop-Verkäufers Max (Joaquin Phoenix). Zusammen mit Max taucht er immer tiefer in die Szene ein. Welles verändert sich. Innerlich wie äußerlich. Er sieht die Welt mit anderen Augen. Er ist zugleich entsetzt und fasziniert. Als er schließlich den Tätern gegenübersteht, überschreitet er selbst die Grenze von Gut zu Böse.

Der Wandel den Welles durchmacht wird auch durch seine Bekleidung visualisiert. Zu Beginn ist er ganz normal gekleidet. Er ist der Typ der auf bequeme Sachen und Sportschuhe steht. Seine Klamotten wandeln sich. Bald trägt er nur noch schwarz und wechselt die Sportschuhe gegen Stiefel. Als ihn die Geschichte immer mehr mitreißt und er sich in eine richtige Besessenheit rein steigert, sieht der Zuschauer wie er sich selbst (und seine Kleidung) vernachlässigt. Dies ist natürlich nur ein Detail. Zeigt aber wie detailgenau der Regisseur Joel Schumacher die Story umgesetzt hat. Dies spiegelt sich auch in den glaubwürdigen Kulissen wieder.

Die Geschichte wird von Schumacher straff erzählt. Wirkliche Hänger sind nicht zu verzeichnen. Und so verfolgt man als Zuschauer mit steigender Beklemmung den immer schnelleren Abstieg der Figur Tom Welles. Den guten Schauspielern ist es zu verdanken, dass auch dies vollkommen glaubwürdig passiert. Nicholas Cages ist für mich die ideale Besetzung der Figur. Er kann die zerbrechliche, verwundbare Seite des Privatdetektives wunderbar verkörpern. Er ist aber mindestens genauso gut darin, die aufsteigende Wut und den Exzeß darzustellen. Aber auch Joaquin Phoenix als Max hat mir gut gefallen. Der Bruder von River Phoenix kombiniert Talent und Ausdrucksstärke mit Herz und Seele. In einer Nebenrolle ist mir Peter Storemare als Pornoproduzent Dino Velvet aufgefallen. Er hat zwar nur ein paar Szenen, aber in diesen erzählt er mehr über die Figur Dino Velvet als manch anderen in 90 Minuten.

Fazit: Dieser Film reißt einen mit und gleichzeitig runter. Nichts für empfindsame Gemüter

9 von 10 Fesselspielen

© Gerhard Heeke © 1994 - 2010 Dirk Jasper