Ernst Corinth über Pleasantville

Die Idee ist originell. Und die Geschichte kommt wie ein modernes Märchen daher. Zwei Teenies von heute geraten in Gary Ross' Film mittels einer verzauberten Fernbedienung in eine kultige TV-Serie der fünfziger Jahre. In eine noch schwarzweiße, gleichwohl aberwitzig heile Welt, ohne Gewalt, ohne Streit und Hader und ohne Sex. Jeder in "Pleasantville" wirkt so zufrieden, dass es fast schmerzt. Die Frauen sind noch ganz sorgende Mütter. Die Männer angehimmelte Väter. Und die Kinder brav bis zum Abwinken. Doch Jennifer (Reese Witherspoon), die mit ihrem Bruder Dave (Tobey Maguire) nur widerwillig in dieses märchenhafte Abenteuer gerät, findet dies alles zu recht schrecklich langweilig. Und stellt nun ganz Pleasantville langsam aber gewaltig auf den Kopf. Als sie einem hübschen naiven Jüngling zeigt, was sie unter Sex versteht, wird ihr neckisches Treiben schnell zum Vorbild für andere Jugendliche. Und siehe da: die schwarzweiße Welt bekommt plötzlich immer mehr bunte Tupfer.

Auch Erwachsene lassen sich schließlich anstecken, wehren sich gegen die TV-Serien-Routine und die langweilige Schein-Idylle, und selbst der Widerstand einiger im wahrsten Sinne des Wortes grauer Typen kann diese farbig-lebensfrohe Bewegung nicht mehr stoppen. So weit, so bunt. Doch leider wird diese Geschichte von Regisseur Ross so zuckersüß erzählt, dass es schon fast wieder penetrant ist und man bald gar nicht mehr hinhören mag, wenn wieder einmal auf der Leinwand mehr Toleranz, mehr Gefühl und Liebe pathetisch eingefordert werden. Dabei hat dieser Film durchaus schöne und witzige Momente, besonders wenn die heile TV-Welt satirisch ad absurdum geführt wird. Und beispielsweise eine Jugendliche von heute einer Fernsehmutti aus den fünfziger Jahren sexuellen Aufklärungsunterricht erteilt.

Aber das sind leider Ausnahmen, die nicht verhindern können, dass man beim Zuschauen irgendwann mürrisch anfängt, unlogische Fehler in der Geschichte genau zu registrieren. Und wenn das ausgerechnet in einem Märchen geschieht, dann stimmt mit dem ganzen Film etwas nicht.

Dirk Jasper FilmLexikon
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