Ernst Corinth über Pünktchen und Anton

Die Botschaft hört man gern, auch wenn's schwer fällt. Dafür ist in den letzten 68 Jahren nach Erscheinen von Erich Kästners "Pünktchen und Anton" zu viel geschehen. Und so wirkt der "Friede, Freude, Eierkuchen"-Schluß in Caroline Links Neuverfilmung ein bißchen arg antiquiert: Die reiche Mutter besinnt sich also endlich auf ihr Kind, läßt ihre glänzende Karriere sausen. Alle sind glücklich. Reiche unterstützen Arme und liegen sich dann sogar konsequent in den Armen.

Ein schöner Kindertraum wird in diesem Film wahr. Und wenn wir diese frohe Botschaft einfach nur als Traum verstehen, als kindliche Utopie von heiler Welt und noch heilerer Familie, dann läßt sich sogar damit leben. Obwohl uns beispielsweise das Frauenbild, das hier von einer Regisseurin gezeichnet wird, schon ein wenig skeptisch stimmt.

Da ist zum einen Pünktchens Mutter, eine anfangs eiskalte Karrierefrau, die von Juliane Köhler als prächtige Zimtzicke gespielt wird. Und die sich in dieser Geschichte tatsächlich zur hausfräulichen Mutter emanzipiert. Zur Freude ihres netten Mannes (August Zirner), eines erfolgreichen Arztes, der zwar selbst kaum Zeit für die zehnjährige Tochter hat, aber das ist hier voll normal. Und auf der anderen Seite gibt es die arme, gute und wohl deswegen kranke Mutter Antons, die Meret Becker schön verträumt darstellt, und die sich natürlich liebevoll - so sind die Armen eben - um ihren Knaben kümmert. Und zwischen allen Erwachsenenstühlen sitzen oft die beiden Kinder, Anton (Max Felder) und Pünktchen (Elea Geissler), die wunderbar zusammenhalten, gemeinsam Abenteuer erleben und letztendlich ihre Eltern davon überzeugen können, dass es besser ist, wenn wir Menschen uns alle einfach ganz doll liebhaben.

© 1999 Ernst Corinth © 1994 - 2010 Dirk Jasper