Peter Halm über Meschugge

Szenenbild INHALT: Eine jüdische Schokoladenfabrik geht in Flammen auf, angezündet von Neonazis. Lena Katz (Maria Schrader) kehrt aus New York zurück nach Deutschland, um ihren verletzten Großvater zu besuchen. Durch das weltweite Medienecho erfährt auch die Mutter von David Fish (Dani Levy) in New York von dem Brand und meint, auf einem Foto ihren verschollenen Vater erkannt zu haben. Der Anwalt Kaminski (David Strathairn) soll den Dingen auf den Grund gehen. Noch bevor er so richtig loslegen kann, wird David Fishs Mutter tödlich verletzt. Die Spur führt nach Deutschland zur Familie von Lea Katz ...

KRITIK: Liebesdrama, deutsche Vergangenheitsbewältigung und Thriller in einem. Diesen Dreisprung hat Regisseur Dani Levy ("Stille Nacht") mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Maria Schrader (derzeit auch in "Aimée & Jaguar" im Kino zu sehen) gewagt - und gewonnen!

Die vernetzte Geschichte wird sehr ambitioniert und zugleich mit vollem Einsatz aller cineastischer Stilmittel erzählt. Levy läßt mit breitem Cinemascope keinen Zweifel daran, dass hier ein Kinofilm gedreht wurde und kein Fernsehspiel. Ab und an ist der Film zwar etwas unentschlossen, in welche Richtung (Liebe, Spannung, Drama) er nun weitergehen soll, doch kratzt Levy elegant jede Kurve. Mit raschem Schnitt- und Schauplatzwechsel zwischen Deutschland und den USA hält er das Interesse des Zuschauers stets wach.

Für die Anteilnahme an den Figuren sorgen David Strathairn ("L. A. Confidential", "Am wilden Fluß") als undurchsichtiger Anwalt, dessen wahre Ziele lange Zeit verborgen bleiben, und nicht zuletzt Maria Schrader, die das Erleben des Zusammenbruchs ihrer scheinbar heilen Welt glaubhaft darstellt. Einzig Dani Levy selber scheint mit der Dreifachbelastung (Regie, Autor, Darsteller) etwas überlastet gewesen zu sein und wirkt zuweilen etwas abseits seiner Rolle. Auch ist das Nachsynchronisieren der meist in englisch gehaltenen Dialoge nicht immer gelungen.

Dennoch bleibt "Meschugge" insgesamt ein spannend und unterhaltsam erzählter Film, der das Thema Vergangenheitsbewältigung durchaus variantenreich aufgreift.

Fazit: "Meschugge" ist ein weiteres gelungenes Beispiel dafür, welch' ein breites Spektrum der deutsche Film derzeit zu bieten hat. Nach "23" und "Aimée & Jaguar" macht die jüngste X-Filme-Produktion ("Lola rennt") Hoffnung, dass das deutsche Filmjahr 1999 ein überdurchschnittlich guter Jahrgang wird.

MEINE WERTUNG: 7 von 10 möglichen Punkten

Dirk Jasper FilmLexikon
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