Ernst Corinth über Asterix & Obelix gegen Cäsar

Beim Teutates, da fällt einem ja die Kinodecke auf den Kopf. Nein, nicht wegen des hohen Einsatzes von Material, mit dem diese deutsch-französische Produktion jetzt die Hollywood-Römer in Angst und Schrecken versetzen möchte. So wird vorab stolz vermeldet, dass mehr als 400 Tiere mitspielen. 60 Schauspieler und 1495 Statisten an 21 Drehtagen mit 22000 Mahlzeiten verköstigt werden mußten. Wahnsinnig viel Leinen, Pappe und Holz benötigt wurde, um das kleine gallische Dorf samt römischer Legion auferstehen zu lassen. Und dass der ganze Spaß insgesamt mehr als 80 Millionen Mark gekostet hat.

Bloß spaßig ist dieser teuerste europäische Film aller Zeiten leider nicht. Und sogar die mit Blick auf Hollywood patriotisch gestimmte französische Presse konnte "Asterix und Obelix" bestenfalls ein gnädiges Lächeln abgewinnen. Aber auch dazu gehört schon sehr viel Vaterlandsliebe. Und die scheint unseren Nachbarn offenbar eigen zu sein. Anders läßt sich der französische Rekord von drei Millionen Zuschauern in den ersten zehn Tagen nach dem Frankreich-Start, Anfang Februar, kaum erklären.

Denn was Claude Zidi mit einer ganzen Kohorte an europäischen Stars inszeniert hat, ist - beim Teutates! - wirklich so grottenschlecht, dass einem die Kinodecke gleich mehrfach auf den Kopf knallt. Das fängt bei den Dialogen an, die nichts von dem Witz der Comic-Vorlage mehr ahnen lassen und die ihren absoluten Tiefpunkt erreichen, als Marianne Sägebrecht in der Rolle der Gutemine kurz mal den Mund aufmacht und dabei so indisponiert etwas von sich gibt, dass man sie oder den Dialogschreiber am liebsten zum Rudern auf die Galeere schicken möchte.

Dort gehört auch Gottfried John hin, der seinen Cäsar so übertrieben tuntig spielt, dass er damit locker jeden Charleys-Tanten-Wettbewerb gewinnen würde. Etwas besser ist dagegen Roberto Benigni als böser Intrigant Tullius Destructivus, der in dieser aus diversen Heften zusammengeklaubten Geschichte Cäsar aufs Kreuz legen möchte, um selbst Kaiser von Rom zu werden. Doch das verhindern natürlich Asterix und Obelix, also Christian Clavier und Gerard Depardieu.

Beiden merkt man zwar an, dass sie mit ihren Rollen viel Spaß gehabt haben. Bloß geht auch ihr komödiantisches Talent in diesem mißratenen Streifen unter wie die dusseligen Piraten in den Comics. Und da selbst die wenigen Szenen, in denen die R?mer gleich reihenweise durch die Luft fliegen, noch nicht einmal richtig komisch sind, kann man zum Schluß nur jedem raten, statt einer Eintrittskarte doch lieber ein Asterix-Heftchen zu kaufen. Das ist erstens billiger, zweitens witziger. Und drittens fällt einem beim Lesen die Decke nicht auf den Kopf.

Dirk Jasper FilmLexikon
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