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Für Recht oder Gerechtigkeit interessieren sich weder Jan Schlichtmann noch Jerome Facher, obwohl beide Anwälte sind. Sie streiten sich in einem Zivilprozeß über die Frage, ob ein US-Konzern für die Vergiftung des Trinkwassers in einer kleinen Gemeinde und damit für den Leukämie-Tod von 12 Kindern verantwortlich ist. Ein authentischer Fall, den Jonathan Harr vor Jahren in einem erfolgreichen Buch nachgezeichnet hat und den nun Steven Zaillian, der für das Drehbuch von "Schindlers Liste" einen Oscar gewann, in seinem Film neu aufrollt.Dabei geht es ihm allerdings nicht so sehr um die wahren Hintergründe oder gar um Schuldzuweisungen, die eigentlichen Opfer spielen im Film kaum eine Rolle, sondern um eine Beschreibung der amerikanischen Justiz und von Prozessen, bei denen am Ende der gewinnt, der wie bei einem Pokerspiel die besten Karten hat oder am besten bluffen kann. Das kann in diesem konkreten Fall Anwalt Facher, den Robert Duvall wunderbar hintersinnig verkörpert: Ein Perfektionist, der sich geschickt hinter einer exzentrischen Maske verbirgt, der eiskalt, aber dennoch nicht unsympathisch jeden Fehler des Gegners beobachtet, ihn sofort gnadenlos ausnutzt, der bei alledem mit hohen Einsätzen jongliert und am Schluß fast gewinnt. Aber nur fast, denn auf gar wundersame Weise gab's im realen Leben (und jetzt eben auch im Kino) für die "guten Opfer" ein Happy-End. Auch Fachers Kontrahent Schlichtmann ist das Recht nur Mittel zum Zweck. Mit ein paar Kollegen hat er sich in Boston auf Schadensersatzansprüche spezialisiert, und die interessieren ihn nur, wenn sie lukrativ sind. So lehnt er den Fall anfangs ab und engagiert sich erst, als er erfährt, dass hinter der Grundwasservergiftung große Konzerne stecken. John Travolta spielt diese Figur arrogant, eitel und entsprechend oberflächlich, verzichtet dabei auf irgendwelche schauspielerischen Mätzchen - und ihm gelingt es sogar (fast bis zum Schluß) offen zu halten, ob er sich nun tatsächlich vom Saulus zum Paulus entwickelt hat.
Kurzum: Steven Zaillians "Zivilprozeß" ist nicht nur einer der üblichen Justizthriller Marke "John Grisham", sondern der durchweg spannende Versuch, hinter die Kulissen des US-Rechtssystems zu schauen.
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