Gerhard Heeke über Reine Nervensache

Szenenfoto "Reine Nervensache" sind die Probleme, die der Mafiaboss Paul Vitti (Robert De Niro), seit dem mißglücktem Anschlag auf sein Leben befallen. Paul kann keine Leute mehr umbringen, bekommt regelmäßig Panikattacken und auch im Bett klappts nicht mehr. Er beschließt: Ein Kopfdoktor muß her! Nur welcher? Wenn sich sein Besuch beim Psychiater rumspricht, ist er in der Unterwelt unten durch. Da trifft es sich gut, dass gerade am Abend zuvor der Psychiater Ben Sobol, alias Billy Crystal, Vittis Leibwächter Jelly (Joseph Viterelli) hinten auf den Wagen gefahren ist und zwecks Schadensregulierung seine Visitenkarten hinterlassen hat. So stürmen Paul Vitti und sein Leibwächter Bens Praxis, unterbrechen die aktuelle Sitzung und verlangen, dass Ben sich die Probleme von "Pauls Freund" anhört. Ben, etwas eingeschüchtert durch die Anwesenheit des stadtbekannten Gangsters, erkennt direkt, dass es sich um Pauls eigene Probleme handelt und riskiert es, ihm dies geradeheraus zu sagen. Dies gefällt Paul und er findet Sobol direkt sympathisch. Leider sympathisch um es aus Bens Sicht zu sagen. Denn der Mafiaboss hängt nun wie eine Klette an ihm. Dabei steht Bens Hochzeit mit Laura (Lisa Kudrow) bevor. Und Kontakte zur Unterwelt kommen beim Schwiegerpapa nicht gut an. Aber Ben hat kein Glück. Vitti taucht zur Hochzeitsfeier auf und auch das FBI meldet Sonderwünsche bei ihm an ...

"Reine Nervensache" ist eine kleine, feine Komödie. Billy Crystal spielt den Psychiater mit leisem Humor. Schenkelklopfer sind eh nicht Billy Crystals Sache. Aber gerade diese ruhige Art, bei der er manchesmal nur mit Andeutungen arbeitet ist oft zum brüllen komisch. Die Rolle des Psychiaters, mit den eigenen Problemen, ist Mr. Crystal auf dem Leib geschneidert. Noch passender ist die Besetzung Paul Vittis mit Robert De Niro. De Niro ist auf der Leinwand als Mafiagangster groß und berühmt geworden. Ich erinnere da nur an "Der Pate II", "Goodfellas" oder "Once upon a time in America (Es war einmal in Amerika)" und "The Untouchables (Die Unbestechlichen)". In "Reine Nervensache" nimmt er sich und sein Image mal selbst auf den Arm. Es ist herrlich zu sehen, wie auf der einen Seite das "Mafiaimage" stimmt und er trotzdem wie ein Schoßhund heult und darüber lamentiert, dass er keinen mehr umbringen kann.

Von den anderen Darstellern hat mir Joseph Viterelli als Leibwächter Jelly am besten gefallen. Ihm ist es zu verdanken, dass das "Mafiaimage" so stimmig ist. Aber nicht zuletzt hat er auch eine komischer Ader. So wie er seinen Boss mit seiner Weichei-Identitär unterstützt ... :).

Die Story ist spritzig, hat kaum Längen und stimmige, komische Dialoge. Zumindest in der Originalversion gibt er einige merkenswerte Einzeiler. Alles in allem ein rundes Paket.

Fazit: Feine Komödie mit guten Schauspielern und guter Story

7 von 10 Betonmischern

Dirk Jasper FilmLexikon
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