Ausführlicher Inhalt zu Reine Nervensache

Jubiläum 1957: In dem kleinen Nest Appalachin im Staat New York versammeln sich die Mafiabosse zu einem historischen Treffen. Doch das FBI erfährt davon, und die Paten suchen Hals über Kopf das Weite. Die Legende will es, dass der junge Gangster Vitti mitten auf einem Maisfeld einen Traktor klaut und damit bis nach New York zurückfährt.

Vierzig Jahre später: Die Zeit ist gekommen, dass Vittis Sohn Paul (Robert De Niro) das Erbe des Vaters antritt, der schon lange tot ist. Pauls Mentor und Ersatzvater Manetta hat ihn als Ziehkind der Mafia bestens auf seine Führerrolle vorbereitet. Aber die Zeiten haben sich gewandelt. Manetta rät Paul dringend, ein neues Gipfeltreffen einzuberufen - nicht um den Kuchen aufzuteilen, sondern um das Überleben der Familien zu sichern, die zunehmend in Konkurrenz zu russischen und chinesischen Syndikaten stehen.

Als Paul und Manetta nach ihrem Gespräch das Restaurant verlassen, will Paul sich noch einen Zahnstocher mitnehmen. In diesem Augenblick wird die Eingangsfront von den MP-Garben schießwütiger Killer zersiebt: rivalisierende Gangster haben es auf Paul abgesehen. Er überlebt, aber für Manetta kommt jede Hilfe zu spät.

Nach diesem Vorfall ist Paul wie verwandelt. Plötzliche Angstattacken lähmen seine Entscheidungsfähigkeit, er bekommt Atembeklemmungen. Ein Informant ist schnell gefunden, der ausspucken soll, wer hinter dem Attentat steckt. Der Arme schwört, dass er nichts weiß, und er sieht dem sicheren Tod ins Auge. Denn Paul schwingt schon ein dickes Bleirohr über seinem Kopf, um ihn ins Jenseits zu befördern. Aber Paul bringt es nicht über sich, den Mann umzubringen. Halbherzig beschließt er, dem Spitzel zu glauben. Er läßt ihn am Leben.

Ben Sobol (Billy Crystal) arbeitet als Psychiater in New York, ist geschieden, hat einen kleinen Sohn, Michael (Kyle Sahiby), und ist verlobt mit der Reporterin Laura MacNamara (Lisa Kudrow). Ein sympathischer Typ: er kümmert sich rührend um den Kleinen und leidet unter seinem eigenen Vater, der selbst als Therapeut auf der Upper East Side das dicke Geld scheffelt, gern seinen Namen in der Zeitung liest und überall als arroganter Großkotz auftritt. Bens egozentrische Eltern dienen ihm ausschließlich als Negativ-Vorbild - den Medienrummel lehnt er ab, auch wenn er es dadurch in seiner Praxis nur mit langweiligen Neurotikern und stumpfsinnigen Miesepetern zu tun bekommt, die ihn als Analytiker überhaupt nicht fordern.

"Leben Sie endlich Ihr eigenes Leben!" möchte er der Patientin entgegenschreien, die ewig ihrem abgesprungenen Lebensgefährten nachweint. "Manche Dinge enden nun mal. Vergessen Sie diese Flachpfeife!" Aber das bleibt Bens Traum. Tatsächlich sagt er: "Sehr interessant, was Sie da sagen. Denken Sie darüber nach. Auch ich werde darüber nachdenken. Dann reden wir darüber - nächste Woche zur selben Zeit."

Abends schiebt sich Ben mit Michael stop-and-go durch den Stau, als er in einer unachtsamen Sekunde auf den Wagen vor ihm auffährt. Und zwar nicht auf irgendeinen Wagen: am Steuer sitzt Jelly (Joseph Viterelli), Paul Vittis Bodyguard. Naturgemäß haben Vittis Leute für Versicherungsmeldungen wenig übrig. Aber Ben drückt Jelly seine Visitenkarte in die Hand - falls Jelly den Schaden schließlich doch ersetzt haben möchte.

Paul Vitti läßt sich im Krankenhaus durchchecken, denn er ist überzeugt, dass Herzattacken ihm das Leben zur Hölle machen. Doch der Arzt erkennt sofort, dass Pauls Anfälle psychische Ursachen haben müssen. Paul paßt das gar nicht - als Dank für die Diagnose bekommt der Arzt eine kräftige Abreibung.

"Besorg mir einen Kopf-Doktor", befiehlt Paul Jelly anschließend. Und Jelly zieht Bens Visitenkarte aus der Tasche. Gesagt, getan. Die beiden fegen wie ein Sturmwind durch Bens Praxis. Trotz Bens Protesten bezahlen sie seinen Patienten Carl, damit er die Sitzung abbricht und verschwindet. Erst als Ben den stadtbekannten Gangster Paul Vitti erkennt, bekommt er Angst und zeigt sich kooperativer.

Umständlich beginnt Paul zu erzählen, dass "ein Freund" psychische Probleme hat. Ben erkennt sofort, was Sache ist, und sagt es Paul auf den Kopf zu. Paul ist schwer beeindruckt und findet den Analytiker auf Anhieb äußerst sympathisch: "Du hast eine große Gabe!" wiederholt er immer wieder. Allein durch die Tatsache, dass er seine Probleme ausgesprochen hat, hat er den Eindruck, als ob ihm eine schwere Bürde abgenommen wäre - er fühlt sich wieder fit.

Ben hat für eine längere Therapie auch keine Zeit: seine Hochzeit mit Laura in Miami steht unmittelbar bevor, eine Woche Urlaub soll folgen.

Paul ist es zufrieden. Aber das Blatt wendet sich, als er im Bett mit seiner Mätresse Sheila sexuell versagt. Offensichtlich ist er noch nicht "geheilt". Er folgt Ben nach Miami, und Jelly muß Ben nachts aus dem Hotelbett zerren, damit Paul ihn konsultieren kann. Das Gipfeltreffen der Paten ist bereits in zwei Wochen, bis dahin muß Paul wieder obenauf sein. Doch Ben macht ihm keinerlei Hoffnungen, denn eine erfolgreiche Analyse dauert jedenfalls erheblich länger. Paul bricht zusammen und weint hemmungslos.

Laura regt sich berechtigterweise über die aufdringlichen Gangster auf. Auch ihr Vater weiß, dass Paul Vitti ein Mafioso ist, und er bedroht Ben seinerseits, Laura keinesfalls in seine dunklen Affären hineinzuziehen. Nichts liegt Ben ferner. Doch Paul läßt nicht locker. Erst als Jelly Ben ins Haifischbecken des tropischen Aquariums wirft, ist Ben zu weiteren Therapiesitzungen bereit.

Paul und Ben wandern am Strand entlang und diskutieren Pauls Vergangenheit. Ben erkundigt sich nach Pauls Vater. Paul hat als Kind miterlebt, wie sein Vater starb. Er behauptet, dass er froh darüber war - sie hatten ein gespanntes Verhältnis. Ben empfindet das als ganz normal und muß jetzt lang und breit erklären, was Freud unter dem Ödipuskomplex versteht.

"Willst du damit sagen, dass ich insgeheim immer meine Mutter bumsen wollte?" fragt Paul angeekelt. "Igitt! Kennst du meine Mutter?"

Pauls Konkurrent in New York ist Primo Sindone (Chazz Palminteri). Auf sein Konto geht bereits das Attentat, dem Manetta zum Opfer fiel. In seinem Auftrag taucht auch in Miami ein Killer auf, um Paul auszuschalten. Er erschießt einen von Pauls Bodyguards und dringt bis in Pauls Hotelzimmer vor. Jelly überwältigt ihn. Aber wieder bringt Paul es nicht über sich, den Killer umzulegen. Also wirft Jelly ihn aus dem Fenster des Hotelhochhauses. Das Leben des Killers endet im kalten Büffet der Hochzeitsgesellschaft, als sich Ben und Laura gerade das Jawort geben wollen.

"Du hast mein Leben ruiniert!" jammert Laura. Die Hochzeit ist jedenfalls bis auf weiteres aufgeschoben.

Paul ruft Primo Sindone an, um ihm die Meinung zu sagen. Ben souffliert ihm, also spricht Paul von "blockierten Wünschen" und anderen Freuschen Fehlleistungen. Sindone versteht nur Bahnhof und legt auf. Das macht Paul so wütend, dass er zumindest wieder auf Sofakissen schießen kann. Sofort fühlt er sich besser.

Ben und Laura kehren nach New York zurück und stellen fest, dass der dankbare Paul vor Bens Haus einen überdimensionalen Brunnen mit Riesenfontäne installieren ließ - seine Art Hochzeitsgeschenk.

Im Haus wartet bereits das FBI auf Ben. Ben und Paul sind am Strand von Miami beobachtet und fotografiert worden. Jetzt will das FBI Informationen über das Gipfeltreffen. Ben zeigt sich erst kooperativ, als die Agenten ihm ein manipuliertes Telefongespräch vorspielen, aus dem Ben entnehmen muß, dass Paul ihn umbringen lassen will.

Im Traum erlebt Ben die berühmte Szene aus "Der Pate", in der Don Corleone auf offener Straße niedergeschossen wird und sein schwächlicher Sohn Fredo sich weinend neben ihn setzt. In seinem Traum ist es allerdings Ben selbst, der von Häscherkugeln durchlöchert wird, während Paul neben ihm in Tränen ausbricht.

Paul nimmt Ben zur Beerdigung eines Verräters mit und rät ihm eindringlich, keinesfalls mit dem FBI zusammenzuarbeiten, denn inzwischen weiß Paul, dass Ben Besuch von den FBI-Agenten hatte. Ben erzählt ihm den Traum. "Liegt doch auf der Hand: Es geht um deinen Vater! Du weinst um ihn", sagt er.

"Ich soll Fredo sein? Wohl kaum!" antwortet Paul. "Du hast doch den Traum geträumt, also geht es um deinen Vater!" Womit er gar nicht so unrecht hat. Aber ein Therapeut kann aus Prinzip nicht zugeben, dass er selbst Probleme hat.

Paul, sein Cousin Carlo und Jelly treffen sich mit Ben in Pauls Lieblingsrestaurant. Ben trägt eine Wanze, über die das FBI das Gespräch mithört. Paul vermutet das und führt mit Carlo einen Nonsens-Dialog, um die Agenten zu verwirren.

Plötzlich erfährt Ben in dieser Unterhaltung, dass Pauls Vater in ebendiesem Restaurant von Killern erschossen wurde - er ist nicht an einem Herzanfall gestorben, wie Paul behauptet hat. Für Ben ergibt das einen ganz neuen analytischen Ansatz, den typischen Schuldkomplex. Auf der Toilette reißt er sich heimlich die Wanze von der Brust.

Paul findet zwar keine Wanze an Bens Körper, aber trotzdem bringen er und Jelly Ben zu einem einsamen Schrottplatz am Fluß, um mit dem "Verräter" abzurechnen.

Eine letzte Frage darf Ben noch stellen: "Was habt ihr an dem Tag im Restaurant bestellt, als dein Vater starb?" Bruchstückweise erinnert sich Paul an das verdrängte traumatische Erlebnis: Er war noch ein Kind, er sah die Killer kommen, war aber unfähig, seinen Vater zu warnen. "Es tut mir so leid, Vater!" schreit er heraus und bricht unter Tränen zusammen.

In diesem Moment fliegen ihnen Kugeln um die Ohren, denn Sindones Killer haben sie auch hier aufgespürt. Jetzt findet erstmals auch Ben den Mut, das Feuer zu erwidern.

Paul Vitti fühlt sich wie neu geboren. Aber das ist ein Trugschluß. Als er im Fernsehen eine Versicherungswerbung mit einem innigen Vater-Sohn-Verhältnis sieht, ist es mit seiner Tatkraft wieder vorbei.

Und während Ben und Laura ihre zweite Hochzeitszeremonie feiern, werden sie wieder rüde unterbrochen: Jelly taucht auf, kürzt die Trauung auf ein Minimum ab und nimmt Ben mit: Ben muß beim Gipfeltreffen für Paul einspringen, weil der "unpäßlich" ist.

Auf dem Treffen wird Ben als Pauls Consigliore vorgestellt. Die versammelte Unterwelt jagt ihm zunächst einen derartigen Schrecken ein, dass er keinen Ton herausbringt. Doch dann läuft er zu einsamer Größe auf: er improvisiert. Er bietet sein gesamtes Freudsches Vokabular auf, um mit vielen Worten nichts zu sagen und die Mafiosi zu verwirren.

Zu Hause liegt Paul handlungsunfähig auf seinem Bett. Erst als ihm klar wird, wie sein kleiner Sohn sich Sorgen um ihn macht, überwindet Paul seine Blockade und findet neuen Mut.

Als Paul beim Mafia-Meeting eintrifft, kommt er keinen Moment zu spät: Ben hat Primo Sindone bis zur Weißglut gereizt. Paul bremst die Streithähne. Und er macht den versammelten Paten ein Angebot, das sie nicht ablehnen können ?

Dirk Jasper FilmLexikon
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