Matrix

Filmkritik von Ernst Corinth

Da schaut man gebannt zu, wie auf der Leinwand die Fetzen fliegen und junge Menschen die Wände hochgehen oder im Raum schweben, um Bösewichten die Hucke voll zu hauen. Und dann ist irgendwann Schluß mit Action, und man fragt sich beim Rausgehen keineswegs: Was ist denn nun die Matrix eigentlich?

Sondern: warum tragen Computerprogramme dunkle Sonnenbrillen? Hat Keanu Reeves, der nach einer langen Flop-Strecke mit diesem Film mal wieder einen kommerziellen Erfolg gelandet hat, wirklich so schlanke Hüften? Und warum wird er in "Matrix" ständig als "der Auserwählte" tituliert?

Letzteres wird nach kurzer Denkarbeit doch ziemlich schnell klar. Denn Liebe macht bekanntlich nicht nur blind, sondern sie überwindet auch den Tod. Zumindest im Märchen - und wenn man mal kurz das High-End-Technospektakel, das die Regisseure Larry und Andy Wachowski hier gekonnt entfachen, zur Seite schiebt, dann ist auch dieser Film "nur" ein Märchen: Eine junge Frau im schicken Lederkostüm (Carrie-Anne Moss) verliebt sich also in einen jungen Mann (Reeves).

Als das ihrem Auserwählten (!) nach einem finalen Dornröschenkuss endlich klar wird, können ihn selbst Revolverkugeln nichts mehr anhaben. Und wenn die beiden nicht gestorben sind, herzen sie sich auch heute noch, tragen dabei tolle Designersonnenbrillen und knacken zwischendurch böse Roboterspinnen.

Ja, so einfach kann Kino sein. Und wer immer noch wissen möchte, was denn die Matrix ist, dem sei verraten, dass sich dahinter eine gigantische Verschwörung verbirgt. Künstliche von Menschen geschaffene Intelligenzen haben irgendwann die Macht auf unserem Planeten übernommen und ihre Schöpfer versklavt.

Die hängen nun gleichsam am Tropf, werden als Energiequelle missbraucht und damit sie das nicht merken, wird ihnen eine künstliche Welt vorgespiegelt: die Matrix eben. Und wenn sie doch was merken, kriegen sie schnell Ärger mit Agenten frisch aus dem Computer und mit Blues-Brothers-Sonnenbrillen auf der Nase.

Aber ein kleiner Trupp von Rebellen um Morpheus (Laurence Fishburne) verweigert sich dieser virtuellen Diktatur und kämpft mutig gegen die übermächtigen Unterdrücker. Zu ihnen stößt unser auserwählter Held Neo, und der Rest ist ein kunterbuntes krachendes Comic-Abenteuer, das zwar gut eine Stunde lang so tut, als ob es ernste Fragen aufwirft, um sie dann aber im zweiten Teil nur mit einem Feuerwerk aus Spezialeffekten und Computertricks zu beantworten. So kämpft mal wieder das Gute gegen das Böse. Das Gute siegt. Und nach zwei Stunden und 15 Minuten ist Schluss.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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