Matrix

Produktionsnotizen

In Bildgeschichten und Comics sind die dramatischen Möglichkeiten alternativer Realitäten schon oft das Thema gewesen - Reisen durch Fantasy-Reiche, in denen die Gesetze der Physik, Biologie und Zeit nur dazu da sind, um gebrochen zu werden. Larry und Andy Wachowski haben in ihrer Jugend die gängigen Auffassungen von Realität immer wieder in Frage gestellt, und als schreibende Profis begannen sie ihre Fantasy-Konzepte weiterzuentwickeln.

Matrix entstand aus den unkonventionellen Büchern, die sie lasen und selbst schrieben, hier konnten sie ihre jahrelange Beschäftigung mit berühmten Legenden und der klassischen Mythologie einbringen. Dazu die Brüder: "Wir sind fest davon überzeugt und vertreten leidenschaftlich die These, dass die Mythologie unsere Kultur ganz wesentlich prägt."

Gleichzeitig beschäftigten sie sich intensiv mit der Entwicklung des Internets, das ihnen weitere Ideen zur Verfeinerung ihres Konzeptes lieferte. Autoren und Filmemacher, die mit Computern aufgewachsen sind, verwenden das Online-Universum als spannendes und fruchtbares Ausdrucksmittel, als allgegenwärtiges und doch irgendwie nicht ganz faßbares Element unseres Alltags.

Mit der Erfindung der Matrix beleuchten die Wachowskis beide Seiten dieser technologischen Revolution: "Unser Ausgangspunkt dabei war die Annahme, dass jeder Grundsatz, an den wir heutzutage glauben, und jede Einzelheit unserer physikalischen Dreidimensionalität in Wirklichkeit nur in der Scheinwelt eines elektronischen Universums existieren." Diese beängstigende Vorstellung verknüpften die Brüder mit einer ausgeklügelten Story, in der sich Action und visionäre Bilder mit einer tiefschürfenden Diskussion über die Befindlichkeit tatsächlicher bzw. eingebildeter Realität vermischen.

Die Wachowskis fahren fort: "In der Geschichte hat es immer wieder Pioniere gegeben, die nach dem tieferen Sinn des Lebens geforscht und erstaunliche Ergebnisse hervorgebracht haben. In unserer Geschichte geht es um eine kleine Gruppe von Leuten - sie stellen Fragen, deren Antworten absolut schockieren. Wir wollten ihre Entdeckungen an den Anfang der Geschichte stellen, nicht ans Ende. Denn uns interessierte vor allem, was diese Leute mit dem neuen Bewußtsein anfangen, das sich aus diesen Informationen ergibt."

Richtig bekannt wurden die Wachowski Brothers zwar erst durch das Kritikerecho und das Publikumsinteresse an ihrer rabenschwarzen Mafia-Geldraub-Lovestory Bound - Gefesselt. Aber sie hatten Matrix bereits geschrieben, als sie die Arbeit an Bound - Gefesselt anfingen.

Das fertige Skript schickten sie an Produzent Joel Silver, der sich mit Fantasy- Zukunftsvisionen bereits in Hits wie "Predator" und "Demolition Man" auseinandergesetzt hatte. Er war sofort von der Story begeistert und sicherte sich die Rechte.

Matrix ist eine äußerst facettenreiche Geschichte", sagt Silver. Sie spielt in der Zukunft, wird aber in der Gegenwart erzählt. Larry und Andy haben jahrelang an den Feinheiten des Drehbuchs gefeilt, damit das Publikum die Story verstehen und verdauen kann. Es kommt äußerst selten vor, dass Filmemacher so genau wissen, was sie wollen, und so zielstrebig vorgehen wie diese beiden."

Die Filmemacher wollten nicht nur mit ihrer Storyidee provozieren, sie wollten sie mit Bildern, Effekten und Stunts illustrieren, die das Publikum wahrlich aus den Sitzen reißt. In den Kampfszenen wollten sie die in Asien übliche Technik anwenden, bei der die Darsteller an unsichtbaren Drähten durch die Luft fliegen; in bezug auf Stil und Rasanz sollte in Hollywood so ein ganz neues Kapitel aufgeschlagen werden.

Damit nicht genug: Mit dem neuesten Stand der Aufnahmetechnik werden ganze Actionsequenzen optisch so präsentiert, wie sie nie zuvor auf Film gebannt wurden. Doch das war zunächst nur eine Vision. Erste Voraussetzung für ihre Umsetzung war die Besetzung der Darsteller.

Matrix wird besetzt Von Anfang an stellten sich die Wachowski-Brüder Keanu Reeves in der Rolle des Neo vor: "Schon bei den ersten Treffen stellte sich heraus, dass er am Drehbuch genau das schätzte, worauf es uns ankam.

Wir besprachen den Film mit ihm genau so, wie wir ihn untereinander diskutiert hatten. Keanu Reeves hat sich etwas Jugendlich-Jungenhaftes bewahrt, was der Rolle hundertprozentig entspricht. Gleichzeitig ist er natürlich ein reifer Erwachsener, der als Darsteller seine Figur im Laufe des Films entwickelt und am Ende sein Schicksal selbst in die Hand nimmt."

Keanu Reeves sagt dazu: "Beim ersten Lesen hat mich das Buch ziemlich umgehauen. Abgedrehte Action, ungewöhnliche Figuren und wichtige Themen sind auf großartige Weise miteinander kombiniert. Außerdem sind Larry und Andy sehr angenehme Leute, äußerst zuvorkommend und hilfsbereit. Das alles entwickelte sich in einer Weise, wie ich es bei noch keinem Film erlebt habe: die Verschmelzung von Herz, Seele, Verstand und Action.

Ich selbst spiele einen Typen namens Thomas Anderson, der später Neo genannt wird. Er hat sich seiner Umwelt völlig entfremdet, ja er steht dem Leben selbst äußerst mißtrauisch gegenüber. Er sucht verzweifelt nach etwas, was seinem Leben Sinn geben kann. Und er glaubt, dass Morpheus (den Laurence Fishburne spielt) ihm alle seine Fragen beantworten kann." Die Wachowskis sagen über Fishburne: "Laurence ist ein hervorragender Schauspieler, der diese Rolle mit seinem Charisma wunderbar ausfüllt."

Dazu Fishburne: "Was den optischen Stil des Films angeht, kommt er mir ungewöhnlich und neuartig, ja auffällig originell vor. Als Morpheus bin ich Anführer einer Gruppe von Leuten, die zwischen der realen und der elektronischen Welt pendeln können und auf der Suche nach einem bestimmten Mann sind, der ihnen helfen kann, ihre Mission zu vollenden. Auf einer übergeordneten Ebene beschäftigt sich der Film mit der Realität im Konflikt mit einer Hyperrealität - es geht darum, was real ist und was wir als real empfinden."

Die Besetzung der Frauenfigur Trinity erwies sich als deutlich komplizierter. Sie gehört zu Morpheus' Rebellengruppe - kaltblütig und unerbittlich kämpft sie für ihre Sache. Nur einer kann sie auf der emotionalen Ebene erreichen: Neo. Denn sie weiß, wie wichtig er für das Schicksal der gesamten Gruppe werden könnte.

Etliche Schauspielerinnen wurden getestet, bis Carrie-Anne Moss auftauchte. "Aber als wir sie beim Vorsprechen erlebten, wußten wir sofort, dass wir Trinity gefunden hatten", erinnern sich die Regisseure. Wir suchten ein Gesicht, das dem Publikum noch relativ unbekannt ist, denn zunächst sollte offenbleiben, ob Trinity bei den ,Bösen' oder bei den ,Guten' einzuordnen ist.

Carrie-Anne zeigt vor der Kamera eine ungeheuer intensive Ausstrahlung - das bezieht sich auch auf ihre körperliche Präsenz. Sie hatte zwar keine Erfahrung in den Kampftechniken, aber sie sah durchaus so aus, als ob sie ordentlich austeilen kann."

Carrie-Anne Moss kommentiert: Bound - Gefesselt hat mir ausnehmend gut gefallen. Und da ich wußte, dass Larry und Andy auch Matrix geschrieben hatten, war ich begeistert von der Chance, in ihrem Film mitzuwirken. Trinity bringt als Frau unbändige Kraft zum Einsatz. Ihr Weg ist ganz klar vorgezeichnet, und sie setzt alles daran, ihr Ziel zu erreichen.

In gewisser Weise ist sie eine echte Kriegerin. Gleichzeitig empfindet sie Liebe und Mitgefühl, wir erleben, wie sie sich in Neo/Keanu verliebt. Da ergibt sich also ein starker Kontrast zu ihrer kämpferischen Natur. Und sie trägt ein paar echt scharfe Outfits!"

Die optimale Besetzung für den Agenten Smith fanden Larry und Andy in Australien. Hugo Weaving hatte sie mit seinen Darstellungen in "The Adventures of Priscilla, Queen of the Desert" (Priscilla - Königin der Wüste) und "Proof" (Proof - Der Beweis) beeindruckt - sie wollten ihn unbedingt kennenlernen. "Hugo kam also zum Vorsprechen nach L.A. Er spielte phantastisch und erklärte sich auch bereit, das Kampftraining zu absolvieren, das eine solche Rolle erfordert. Er hat sich mit Haut und Haaren in die Rolle gestürzt."

"Dieser Film und meine Rolle unterscheiden sich total von dem, was ich bisher gespielt habe", sagt Weaving. Aber ich hatte ein starkes Interesse daran, mit Larry und Andy zu arbeiten - als Autoren und als Regisseure bringen sie großes Talent mit. Der Agent Smith ist eine schwierige Rolle und stellte mich vor eine echte Herausforderung. Smith vertritt das Gesetz und funktioniert wie eine scheinbar unbesiegbare Maschine.

Aber auch gewisse menschliche Schwächen sind ihm nicht fremd: Wut, Stolz und Arroganz. Dann beginnt er nachzudenken, entwickelt bestimmte Theorien und verändert sich auf eine Art, dass die Zuschauer nicht mehr wissen, ob sie über ihn lachen oder vor ihm Angst haben sollen - auch ein Grund, warum mir die Rolle großen Spaß macht.

Joe Pantoliano hat bereits in Bound - Gefesselt eine Hauptrolle für die Wachow-skis gespielt. In Matrix stellt er Cypher dar, der zu Morpheus' Abtrünnigen gehört. Auch diesmal kann er wieder seinen Galgenhumor anbringen, der sich zu seinem Markenzeichen entwickelt hat. Vor allem aber wollte er wieder mit den Brüdern zusammenarbeiten.

"Sie wissen genau, was sie wollen", erklärt er. Sie behalten immer den Film als Ganzes im Auge. Wenn dann ihre Anweisungen kommen: "Geh dahin, sag diese Zeile, komm hier rüber, dann setzen sie fortwährend das große Puzzle in ihren Köpfen zusammen. Das ist phänomenal, und die Arbeit mit ihnen bringt riesig Spaß."

Pionierarbeit mit Handkanten und Drahtseilakten Matrix wird von ungewöhnlichen Visionen getragen. Gleichzeitig besteht kein Zweifel, dass der Film ein furioser Actionthriller ist. Viele Kampfszenen werden dramaturgisch eingesetzt, um Neos Entwicklung und die Macht seiner Gegner zu demonstrieren. Der Stil dieser physischen Konfrontationen hat direkt mit der Beschaffenheit der Matrix zu tun.

Die Wachowskis erklären: "Weil wir ja eine digitale Realität präsentieren, können wir die Grenzen des menschlich Möglichen durchaus überschreiten. Im Film gehen wir davon aus, dass die Helden sich Informationen in Höchstgeschwindigkeit direkt ins Gehirn downloaden. Also sind sie zum Beispiel in der Lage, auf der Stelle Kung-Fu-Meister zu werden, die es mit einem Jackie Chan aufnehmen können."

Diese Drehbuchvorgabe ermöglichte dem Brüderteam, ihr Faible für die Kampfchoreographie der Hongkong-Actionfilme auszuleben. "Wir haben lange davon geträumt, die Drahtseilstunts und die Kampftechniken aus Hongkong in unsere westlichen Storykonzepte einzubauen. Und nie war die Gelegenheit günstiger."

Barrie M. Osborne, zuständig für die Gesamtleitung, beschreibt den Unterschied zwischen der Kampfchoreographie in westlichen Filmen und im Eastern: "Bei amerikanischen Stunts arbeitet man meist mit Rammen oder Preßluft, um einen Menschen in hoher Geschwindigkeit durch die Luft zu katapultieren. Wenn man aber die Stuntleute an Drähten aufhängt, kann man die Bewegungen viel besser kontrollieren, sie wirken sehr stilisiert. Das ähnelt dem Marionettentheater, aber mit richtigen Menschen. Vor allem erfordert es ungeheures Können und Feingefühl."

Seit langem bewundern die Brüder die Filme von Yuen Wo Ping, der zu Hongkongs führenden Spezialisten im Bereich Kung Fu und Drahtseiltricktechnik gehört. Als die beiden Joel Silver auf Yuen ansprachen, outete auch er sich als Fan von Yuens stilisierter Trommelfeuer-Choreographie, und natürlich unterstützte er den Plan, Yuens Können in Matrix einzubringen.

Barrie M. Osborne spürte Yuen in China auf, und die Filmemacher baten ihn, sein Können einzubringen. Yuen sagte zu und stellte nur eine Bedingung: Er wollte die Garantie, dass die Darsteller lange und intensiv Kung Fu und den Umgang mit den Drahtseilen trainierten. Dazu Yuen: "Das Training ist sehr anstrengend, das absolviert man nicht einfach so zwischen Tür und Angel.

Zunächst mußten wir den Darstellern beibringen, mit den Drahtseilen umzugehen, an ihnen zu balancieren. Erst dann ließen wir sie durch die Luft schwingen. Der schwierigste Teil des Verfahrens besteht in der Landung, bei der man nicht das Gleichgewicht verlieren darf. Denn es muß unbedingt so aussehen, als ob die Schauspieler die Sprünge ohne jede Hilfestellung vollführen. Anschließend mußten sie die Kung-Fu-Kampftechnik lernen."

"Wir haben den Schauspielern eine Menge abverlangt", sagen die Regisseure. "Wie erklärt man ihnen, dass sie vier Monate lang trainieren und Kung-Fu-Lektionen nehmen müssen, während sie die Zeit eigentlich für einen weiteren Film nutzen könnten? Das beeindruckt uns so an Keanu Reeves. Er hat begriffen, warum das nötig war, warum es ohne diesen Einsatz nicht ging. Ja, tatsächlich waren wir von der gesamten Besetzung überrascht: Alle Darsteller haben sich dem rigorosen Trainingsprogramm mit großem Engagement unterworfen. Wir sind unheimlich stolz auf sie!"

Zunächst trainierten die Schauspieler unter Yuen Wo Ping und seinem Team drei Monate lang in Los Angeles. Dann flogen sie ins australische Sydney, wo der Film entstehen sollte; dort wartete ein weiterer Trainingsmonat auf sie, bevor die eigentlichen Dreharbeiten begannen.

"Ich fühlte mich geehrt, mit Yuen Wo Ping arbeiten zu dürfen", gibt Keanu Reeves gerne zu. Ich schätze seine Filme schon seit langem, und eine bessere Gelegenheit wird sich für mich nie ergeben, seine Technik und seinen Kampfstil zu studieren. Anfangs hat er sehr eng mit uns zusammengearbeitet, um herauszufinden, wo unsere Stärken liegen. Daraufhin richtete er das Trainingsprogramm genau auf diese Stärken aus."

Yuen Wo Ping gibt zu: "Wenn man davon ausgeht, dass keiner der Darsteller irgendwelche Vorkenntnisse in Kung Fu mitbrachte, erweist sich das Resultat als erheblich besser, als ich je zu hoffen gewagt hätte. Das liegt einzig und allein an dem großen Engagement aller Beteiligten."

Und Laurence Fishburne fügt hinzu: "In puncto Choreographie kann niemand Yuen Wo Ping das Wasser reichen. Die Spannung und der dramatische Effekt sind einfach ungeheuer. Ich glaube, dass wir die ersten westlichen Schauspieler sind, die mit dieser Technik gearbeitet haben, und ich bin unendlich dankbar für diese Gelegenheit. Außerdem bin ich körperlich fitter als je zuvor - ein tolles Gefühl!"

Action einfangen: wie man fliegende Geschosse filmt Die Superzeitlupe kommt zwar sehr häufig in den stilisierten Actionsequenzen des Films zum Einsatz. Aber ganz bestimmte Augenblicke im Drehbuch verlangten darüber hinaus nach einer echten Spezialbehandlung. In diesen Zeitlupenaufnahmen sollte sich die Kamera sehr schnell bewegen, während sie annähernd 12.000 Einzelbilder pro Sekunde aufnahm. Die Wachowskis nannten das "fliegende Kugeln filmen".

Diese Prozedur, "Flow Mo" (fließende Bewegung) genannt, ermöglicht den Filmemachern, die Bewegung der Objekte vor der Kamera und ihre Geschwindigkeit mit fast grenzenloser Flexibilität zu bestimmen und unter Kontrolle zu behalten.

Ein Beispiel: Ein Kämpfer springt hoch, um seinen Gegner zu treten; dabei wird er immer schneller, bis er den höchsten Punkt seines Sprungs erreicht, bleibt dann scheinbar in der Luft stehen, vollführt den Tritt mit dem Bein in Blitzesschnelle und sinkt dann ganz gemächlich wieder auf den Boden zurück. Joel Silver beschreibt dieses Verfahren als "Einzelbild-Zeichentrick, nur mit richtigen Menschen".

Die Wachowskis setzten sich mit John Gaeta zusammen, der die Abteilung der visuellen Effekte in der nordkalifornischen Trickfirma Manex leitet. Gemeinsam besprachen sie die Machbarkeit dessen, was den Brüdern vorschwebte.

"Die Wachowskis sind mit der Comic-Kultur aufgewachsen", sagt Gaeta. "Sie kennen also auch den japanischen Zeichentrickstil namens Anime sehr genau. In Matrix haben wir diesen Stil mit echten Schauspielern nachvollzogen. Anime verwendet die Technik ,physischer Aufsplittung', das heißt, Actionbewegungen werden in ihre Einzelteile zerlegt, damit man sie ganz akribisch kontrollieren kann. Auf diese Weise holt man aus dynamischen Bewegungen den denkbar höchsten dramatischen Effekt heraus."

Zunächst choreographierte Gaeta zusammen mit den Filmemachern die Bewegung, die im Computer bearbeitet werden sollte, und filmte sie mit konventionellen Kameras. Die Bilder wurden in den Rechner gescannt. Mit Hilfe eines lasergesteuerten Markierungssystems wurde eine "Landkarte" erstellt, auf der die Bewegung der Kamera verzeichnet war, die dann die eigentliche Szene filmen sollte.

Eine Reihe hochkomplizierter Fotokameras wurde an dem auf der Karte eingezeichneten Kamerapfad postiert. Jede von ihnen sollte nur ein Standbild aufnehmen. Diese Fotos wurden in den Computer gescannt; aus ihnen entstand eine Sequenz von Standfotos, wie sie auch beim Zeichentrick verwendet wird. Der Computer lieferte dann "Zwischenraum"-Bilder, ebenso wie die Animatoren Zwischenbilder zeichnen müssen, um die Bewegungen geschmeidiger zu machen. Und die komplette Bilderserie ließ sich anschließend vor dem Auge des Betrachters schnell oder langsam, ganz nach dem Geschmack der Filmemacher, abspielen ohne dass sie an Klarheit und Schärfe verlor.

Logischerweise erfordert dieses aufwendige Verfahren viel Zeit und höchste Präzision, aber es stellt bewegliche Objekte und Menschen auf völlig neuartige Weise dar. "Das sieht so aus wie in den japanischen Filmen ,Ghost in the Shell' oder ,Akira' - aber wir verwenden Realfilm, um Anime-Effekte zu kreieren, nicht Zeichentrick. Wir haben alle bekannten Verfahren für visuelle Effekte eingesetzt und jedes noch einen Schritt weiterentwickelt", erläutert Gaeta.

Die Welt Matrix Ihre Bewohner

Die Action der Darsteller in Matrix stößt an sich schon zu neuen Horizonten vor, aber unabhängig davon eröffnet sich im Film eine ganz neue Welt, die aus einer Reihe von Fantasy-Wesen und -Landschaften besteht.

Ein Umstand, der den Wachowskis sehr wichtig ist: "Wenn wir an einen Film herangehen, legen wir auf die Optik den größten Wert. Film ist ein Medium der darstellenden Kunst - es geht um Bilder."

Bei vielen ihrer Entwürfe ließen sie sich von Bildromanen und der Kunst berühmter Comic-Zeichner inspirieren. Begeistert waren sie, als einer ihrer Lieblings-Comic-Zeichner zum Filmteam stieß: Geof Darrow. "Er übernahm die Entwürfe für die Wächter, die Schoten, in denen die Menschen gezüchtet werden, und die Türme", erzählen die Brüder.

"Wir schätzen Geofs Kunst über alle Maßen und freuen uns riesig, dass er an diesem Film mitarbeitet. Er stammt aus Iowa, wohnt aber derzeit in Paris, und wir wußten nicht so recht, ob er überhaupt mitmachen würde. Aber er fragte nur bescheiden: ,Ausgerechnet mit mir wollt ihr arbeiten?' Und sein Input ist absolut phantastisch. Er hat dem Film tolle Impulse gegeben."

Wo Matrix entstand Als die Filmemacher begannen, über Schauplätze für Matrix nachzudenken, boten sich die Vorzüge von Australien sofort an. Andrew Mason ist dort geboren, er übernahm die Gesamtleitung bei dem Projekt: "Australien hat eine blühende Infrastruktur für Filmproduktionen vorzuweisen, die Fachkompetenz in allen Bereichen ist vom Feinsten."

Mason hatte kurz zuvor Alex Proyas' Dark City produziert. Er stand dem Filmteam mit Rat und Tat zur Seite, stellte ein erstklassiges technisches Team zusammen und besorgte die Drehgenehmigungen für optisch interessante Schauplätze.

Matrix entstand komplett in Sydney, im Filmstudio und zwei Monate lang in den Straßen, Lagerhäusern und auf den Dächern der Metropole. Joel Silver spricht enthusiastisch über diese Erfahrung: "Die Experten dort wissen, was sie tun, die Preise sind bezahlbar, und vor allem der dort herrschende Teamgeist spricht für Sydney. Außerdem gefiel uns die abwechslungsreiche Architektur in der City und Umgebung; für unseren Zweck erwies sich die Stadt als ideal."

Insgesamt 30 futuristische Sets mußten extra für den Film entworfen und gebaut werden - verantwortlich dafür war Produktionsdesigner Owen Paterson. Auf den zwei größten Sets errichtete er das Innere der "Nebukadnezar", des raumschiffähnlichen Gefährts, in dem Morpheus und seine Gefährten leben, und das Regierungsgebäude, das in einen ganzen Block von Bürohäusern in Sydney eingefügt wurde. Zu diesem Set gehört ein riesiger Rundhorizont als Hintergrund, der so ausgeleuchtet wird, dass er absolut realistisch wirkt.

Dazu Paterson: "In einer wichtigen Szene kommt es im Polizeihochhaus zu einer heftigen Schießerei. Natürlich konnten wir das nicht an Originalschauplätzen filmen, also errichteten wir im Studio eine gewaltige Stahlkonstruktion, die aussieht wie ein moderner Wolkenkratzer. Durch die Fenster mußte natürlich die Stadt zu sehen sein, und dafür haben wir den Rundhorizont gebaut."

Barrie M. Osborne (Gesamtleitung) erklärt: "Ein Rundhorizont sieht aus wie ein Dia, das auf eine gewaltige Leinwand projiziert wird. Natürlich ist das Dia mit einer Spezialkamera aufgenommen worden. Unser Rundhorizont war 13 m hoch und 43 m lang!" Und Produzent Joel Silver fügt hinzu: "Zweifellos ist das der riesigste Rundhorizont, den ich je gesehen habe.

Er ermöglichte uns Dreharbeiten im Studioset, als ob wir uns tatsächlich an einem Originalschauplatz befanden. Wir haben das Hintergrundbild etwas manipuliert: Per Computer wurden die Hafenbrücke und das Sydney Opera House sozusagen ausradiert, denn der Film spielt in keiner bestimmten Stadt, Sydney sollte nicht zu erkennen sein."

"Für mich schlägt der Film ein neues Kapitel in der Filmgeschichte auf", sagt Silver. Der optische Stil und die Effekte in den Actionsequenzen sind so noch nie dagewesen. Hinzu kommen der Kampfstil und Aufnahmetechniken, die noch vor sechs Monaten unmöglich gewesen wären.

Nicht zu vergessen einige der waghalsigsten Stunts überhaupt. Die Wachowskis sind echte Visionäre. Ich bilde mir ein, dass Matrix das Actiongenre neu definiert - der Film ist echt atemberaubend."

Szenenfoto
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