Ernst Corinth über
Auf den ersten Blick
dass das Leben die
schönsten Geschichte schreibt, ist bekannt: Da lebt also in
der tiefsten US-Provinz ein blinder Masseur namens Virgil (Val
Kilmer). Eines Tages lernt er die hübsche New Yorker
Architektin Amy (Mira Sorvino, hübsch) kennen. Und beide
verlieben sich unsterblich ineinander. Als sie erfährt, dass
es eine neue Methode gibt, Blinde wieder sehend zu machen,
überredet sie ihn zur Operation. Aber nach dem erfolgreichen
Eingriff bekommt Virgil sofort eine Krise: Denn Sehen ist nicht
gleich Sehen. Das heißt: er kann die auf ihn einstürzende
Bilderflut nicht verarbeiten und muß nun erst einmal
mühsam lernen, die ungewohnten optischen Eindrücke mental
richtig einzuordnen. Was natürlich ganz schön schwierig
ist und die Beziehung zu Amy heftig belastet.
Aber - keine Bange - nun folgt in
"Auf den ersten Blick" zwar ein kurzes tragisches Zwischenspiel,
doch am Schluß gibt's für beide ein märchenhaftes
Happy-End. Und diese schöne Geschichte, erfährt der
Zuschauer im Abspann, basiert auf einer wahren Begebenheit, die der
Nervenarzt und Autor Oliver Sacks in einem seiner Bücher
beschrieben hat. Doch was der Hollywood-Regisseur Irwin Winkler
jetzt daraus gemacht hat, ist leider alles andere als
schön.
Statt der Intelligenz der
Zuschauer zu vertrauen und sich auf den wirklich interessanten
Aspekt, also auf Virgils "Sehkrise", zu konzentrieren, wird die
Story mit so viel Zuckerguß übergossen, dass man nach dem
zweistündigen Filmgenuß reif ist für eine
ausführliche Fernet-Branca-Therapie. Zudem wird noch eine
völlig überflüssige Randgeschichte um Virgils Vater
eingebaut, die bestenfalls für Hobbypsychologen interessant
sein dürfte. Doch das Schlimmste an diesem
verkitscht-mißratenen Melodrama ist Mark Ishams Musik, die
sich Richard Claydermann nicht zuckersüßer hätte
ausdenken können, und die einem hier vom Anfang bis zum Ende
so auf den Hörnerv schlägt, dass selbst der schon
erwähnte Magenbitter nicht mehr hilft.
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2010 Dirk Jasper |
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