Filmkritiken
Filmkritik von Ernst Corinth
kultur Spiegel 06/1999: Diese englische Komödie ist bis in die Nebenrolle glänzend besetzt (Ewan McGregor, Michael Caine) und erzählt von dem Mädchen "Little Voice" (Jane Horrocks), das nur über Filmzitate und Songs mit ihrer Außenwelt kommuniziert und die Stimmen von Judy Garland, Marilyn Monroe und Shirley Bassey täuschend echt imitieren kann. Alle Gesangsparts in dem Film sind echt und Horrocks eine echte Entdeckung. Es gilt die Standardfloskel der Cineasten: Der Film ist nicht synchronisierbar.
tz München 1999-06-24: Wie in seinem letzten Film Brassed Off widmet sich Regisseur Mark Herman dem armseligen Leben in einer nordenglischen Stadt (diesmal Scarborough) und der Magie der Musik. Aber hier gibt es kein "Gemeinsam sind wir stark"-Gefühl. Es geht um die zögerliche Selbstfindung eines vollkommenen verschüchterten Mädchens, um Loslösung und Befreiung. Brenda Blethyn als laute, sextolle Schlampe und Jane Horrocks als ihre nahezu autistische Tochter spielen die Gegenpole so erschreckend intensiv, das einem anderen als Michael Caine, der sein ganzes Gewicht in seine Rolle legt, kein Raum geblieben wäre. So entsteht fast ein Psychothriller inmitten eines durchaus amüsanten Musikfilms, mit dem sich Jane Horrocks überdies als beeindruckend sattelfeste Imitatorin und Performerin empfiehlt.
film-dienst 13/1999: Tragikomödie über die Lieblosigkeit der Menschen und die Schäbigkeit der Lebensumstände, die das kleine private Glück als das große Los propagiert. Ein mitunter recht derber Film, der vom überzeugenden Spiel seiner Hauptdarsteller lebt und dessen abwechslungsreiche Kameraarbeit auf die Charaktere der Protagonisten eingeht. Zwar überzeugt der Film nicht in allen Momenten, doch sein inszenatorisches Fingerspitzengefühl entschädigt für einige dramaturgische Plattheiten.
Der Spiegel 25/1999: Manche Filme sind nach hundert Minuten gnädig zu Ende, ohne dass sie die Frage beantwortet hätten, warum es sie überhaupt gibt (oder warum man nun etwas darüber erzählen sollte, außer um einen Text abzuliefern). Bei anderen, bei "Little Voice" etwa, stellt sich die Frage nicht, weil Seele und Sinn der Unternehmung sich auf den ersten Blick offenbaren: Diesen Film gibt es, weil es Jane Horrocks gibt, er ist nur für sie und um sie herum zusammengebastelt.
TV Movie 13/1999: Wie in seinem letzten Film Brassed Off jongliert der Regisseur Mark Herman souverän mit tragikomischen Elementen, die er zu einem bewegenden Filmmärchen vereint. Seine Sympathie gehört dabei wiederum den Verlierertypen, die er in aller Schäbigkeit, aber niemals würdelos zeigt. Allein Michael Caines Schwanengesang ist das Eintrittsgeld wert.
Rhein-Zeitung 1999-06-25: "Little Voice" ist eine traurige Geschichte über Egoismus und Gier. Gerade daraus kann er aber den hinreißenden britischen Humor entwickeln, der in der Darstellung von Brenda Blethyn und Michael Caine geradezu unübertrefflich wird. Beide wurden dafür mit einer Oscar-Nominierung belohnt.
Focus 25/1999: Von der zünftigen Blasmusik zu schwungvoll romantischen Musicalmelodien: Wie bereits in seinem vorherigen Film Brassed Off bedient sich Mark Herman auch in seinem neuen Film der Musik, um Komödie und Tragödie miteinander zu verschmelzen.
Cinema 07/1999: (...) ist einer dieser skurrilen britischen Filme über skurrile Briten. Hier überzeugen zumindest die Stars: Jane Horrocks, Ewan McGregor und Michael Caine.
TV Spielfilm 13/1999: Von wegen "little" - diese wunderbar melancholische Komödie ist ganz groß!