dass Musik eine
Überlebensstrategie sein kann, zeigte Regisseur Mark Herman
schon in "Brassed Off". Dort wurde trotzig gegen die drohende
Schließung einer Kohlenzeche in der nordenglischen Provinz
angeblasen. Fast am gleichen Ort wird nun in "Little Voice"
gesungen. Und zwar mit solcher Inbrunst und solch einem
überschäumenden Talent, dass im Abspann noch einmal
ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass die junge
Schauspielerin Jane Horrocks tatsächlich alle Lieder selbst
gesungen hat.
Allein das macht diesen Film schon sehens- oder besser hörenswert, obwohl die Story selber zuweilen doch arg angestrengt daherkommt. Im Mittelpunkt dieser mehr tragischen als wirklich komischen Komödie steht Laura genannt Little Voice (Jane Horrocks). Nach dem Tod ihres geliebten Vaters hat die junge Frau sich in eine Scheinwelt geflüchtet, sie hört unentwegt seine alten Platten, und wenn das verschüchterte Wesen überhaupt mal spricht, dann mit leiser gebrochener Stimme. Doch wenn Laura das nachsingt, was sie nun schon seit Jahren hört, brechen fürwahr alle Dämme. Dann agiert, redet und singt sie genau wie Shirley Bassey, Judy Garland oder Marilyn Monroe. Und wenn man es ganz genau nimmt, verbirgt sich hinter diesem seltsamen wie faszinierenden Phänomen vermutlich eine multiple, also gleich mehrfach gespaltene Persönlichkeit. Doch so genau nimmt es der Regisseur nicht. Zwar darf Jane Horrocks ständig fürchterlich eingeschüchtert in die Kamera gucken oder heftig geknickt auf dem Bett hocken, was auf die Dauer beim Zuschauen eher ermüdend wirkt, aber viel mehr erfährt man über sie leider nicht, und man hat sogar den Verdacht, dass ihr krankhafter Seelenzustand eigentlich nur dazu dient, dem nun folgenden Kinomärchen eine zusätzlich anrührend-melancholische Note zu verleihen. Denn märchenhaft geht's
weiter: Lauras unentwegt schwätzende Mutter (Brenda Blethyn)
verliebt sich in den heruntergekommenen Konzertmanager Ray Say
(großartig: Michael Caine), der am Ende seiner Karriere in der
Provinz Stripshows organisiert. Er hört zufällig Laura
singen und kann sie schließlich überreden,
öffentlich aufzutreten. Dann folgt endlich der wirklich
große Auftritt der Schauspielerin Jane Horrocks, und als
Zuschauer hätte man dieser grandiosen Stimme gern noch
länger zugehört.
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dass Musik eine
Überlebensstrategie sein kann, zeigte Regisseur Mark Herman
schon in "Brassed Off". Dort wurde trotzig gegen die drohende
Schließung einer Kohlenzeche in der nordenglischen Provinz
angeblasen. Fast am gleichen Ort wird nun in "Little Voice"
gesungen. Und zwar mit solcher Inbrunst und solch einem
überschäumenden Talent, dass im Abspann noch einmal
ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass die junge
Schauspielerin Jane Horrocks tatsächlich alle Lieder selbst
gesungen hat.