Ernst Corinth über Wild Wild West

Wer als Kind gern mit Metall-Baukästen gespielt hat, der hat mit "Wild Wild West" jetzt endlich den Film zum Blech. Denn die Kampfmaschinen, die sich in Barry Sonnenfelds Spektakel der Oberböse hat konstruieren lassen, sind zwar gigantisch und übrigens völlig nutzlos, schauen aber aus wie von Kinderhand frisch zusammengeschraubt. Allen voran die Riesenspinne, die so wackelt, knarzt und Feuer speit, dass sich der davon bedrohte US-Präsident und seine Militärs eigentlich vor Lachen die Bäuche halten müßten.

Doch das tun die nicht. Genauso wie die Zuschauer, die in dieser Komödie wenig zu lachen haben. Und wer nach dem gezielten Trailer-Beschuß der letzten Wochen gar eine Western-Satire oder eine Art Fortsetzung von Sonnenfelds "Men in Black" erwartet hat, der wird von diesem Film sogar richtig frustriert.

Erzählt, wenn man das so nennen darf, wird vor dem Hintergrund des gerade beendeten amerikanischen Bürgerkrieges von einem ehemaligen Südstaaten-General ohne Unterleib, der das Rad der Geschichte zurückdrehen möchte. Mit einer komisch-blöden Verschwörertruppe und seltsam-dämlichen Waffen, die offensichtlich aus dem Star-Wars-Spektakel recycelt wurden, will dieser Dr. Loveless (Kenneth Branagh) den US-Präsidenten stürzen, doch das verhindern nun die Agenten James West und Artemus Gordon, also Will Smith und Kevin Kline.

Und den beiden Schauspielern verdanken wir zwar wirklich urkomische Komödien, doch hier scheinen sie aneinander vorbei zu spielen. Augenscheinlich stimmte die Chemie nicht, selbst ihre zahlreichen Dialog-Duelle besitzen keinen Witz, und Klines Auftritt in einem prallen Frauenkostüm ist sogar albern bis peinlich.

So knarzt und wackelt sich das Geschehen nur mühsam dem feurigen, aber uninspirierten Showdown entgegen, und nach dem Sieg des Guten über das Böse erklingt während des Abspanns endlich Will Smith' schöner Song ,,Wild Wild West". Doch auch der kann diese mißlungene Blech-Komödie nicht mehr retten.

Dirk Jasper FilmLexikon
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