"Eyes wide shut" ist der letzte Film von Stanley Kubrik. Seine
Filme haben stets Aufsehen verursacht. Dies lag zum einen an der
Qualität der Filme, zum anderen, dass er immer seltener Filme
machte und die Dreharbeiten immer längere Zeit in Anspruch
annahmen. Seit "Full Metal Jacket" sind zwölf Jahre vergangen
und die Dreharbeiten zu "Eyes wide shut" haben sich über zwei
Jahre hingezogen. Aber diesmal ist etwas anderes der Grund für
die Aufregung: Die angeblich heißesten Sexszenen zwischen Tom
Cruise und (seiner Ehefrau) Nicole Kidman, die man je in der
Öffentlichkeit gesehen hat. Die Diskussionen wurden
hochgeschürt. Man bekam den Eindruck vermittelt "Eyes wide
shut" sei reine Pornographie. Diesen Zahn möchte ich jedem
Zuschauer ziehen. Im Abendprogramm der deutschen Privatsender geht
es härter zu, als in diesem "Sex-Thriller". Sicherlich gibt es
nackte Körper zu sehen. Freilich gibt es Sexszenen. Aber
nichts was die Aufregung verdient. Was mich schon eher verwundert
hat, ist die Tatsache, dass Mr. Kubrik den außerehelichen Sex,
und sei es nur in Gedanken, derart verteufelt. Aber immer der Reihe
nach. Um was geht es in diesem Film?
Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Harford. Er (Tom Cruise) ist ein erfolgreicher Arzt, sie (Nicole Kidman) eine nicht ganz so erfolgreiche Galeristin. Die Ehe der beiden ist glücklich. Sie haben ein gemeinsames Kind und die Liebe zwischen den beiden ist immer noch so frisch, wie am ersten Tag. Sie werden von einem Patienten Wiliams zu einer Party eingeladen. Auf der Party verbringt sie die meiste Zeit mit einem charmanten, älteren Herrn, der ihr den Hof macht. Während Wiliam zunächst von zwei jungen Frauen und dann von dem Gastgeber Viktor Ziegler in einer pikanten Angelegenheit in Beschlag genommen wird. Mr. Ziegler hat ein Problem mit einem weiblichen Gast, dem ein Drogencocktail fast zum Verhängnis geworden wäre. Am nächsten Abend reden Wiliam und Alice über die Party. Unter dem Einfluss des Joints, den sich beide geteilt haben, eskaliert die Unterhaltung. Alice gesteht ihm, dass sie vor Jahren bei einem gemeinsamen Urlaub einen Mann gesehen habe, für den sie alles stehen und liegen gelassen hätte, wenn er sie nur darum gebeten hätte. Dieser "Ehebruch" in der Phantasie (!!!), bringt Wiliam vollkommen aus dem seelischen Gleichgewicht. Immer wieder stellt er sich vor, wie es die beiden getrieben haben könnten! Er irrt durch die Stadt. Trifft sich mit einer Hure; schläft aber nicht mit ihr. Er trifft seinen alten Schulfreund Nick wieder, der sich als Pianospieler durchs Leben schlägt. Dieser erzählt ihm von einer phantastischen Orgie, die regelmäßig im geheimen auf einem außerhalb gelegenen Landsitz stattfindet. Menschen würden es dort, mit Masken und Kostümen verkleidet, vollkommen zügellos zur Sache gehen lassen. Wiliam beschließt sich dort einzuschleichen, nichts ahnend auf was er sich dort einlassen wird und wie es sein weiteres Leben ändern wird ... "Eyes wide shut" hat ein sehr zwiespältiges Gefühl in mir hinterlassen. Auf der einen Seite bin ich von der Detailfreude, von den gut gewählten Einstellungen und Szenen fasziniert. Manches wird sich sicherlich auch erst nach mehrfachem Sehen erschließen. Außerdem passt die Filmmusik einfach fantastisch dazu. Auf der anderen Seite bin ich von der Langatmigkeit und Belanglosigkeit enttäuscht. Vor allem die immer wieder zu Tage tretende Verteufelung sexueller Beziehungen oder Vorstellung sexueller Beziehungen außerhalb der Ehe ist zutiefst amerikanisch und irritierend. Dabei stört mich weniger die Tatsache selbst, da ich den zugrundeliegenden Standpunkt durchaus teilen kann und auch ich "derartige" Beziehungen nicht gutheiße, sondern das wie. Wie Kubrik dies dem Zuschauer vermittelt ist störend und unpassend. Der Film legt auch erst zu einem sehr späten Zeitpunkt richtig los. Fesselnd wird es erst, als Wiliam sich auf diese Orgie versucht einzuschleichen. Erst dann wird der Film spannend (und beunruhigend). Daher hätte ich mir auch als Filmende etwas anderes als dieses beliebige Happy End gewünscht. Vielmehr hätte mich nur in einer Andeutung(!) interessiert, was aus Nick, dem Pianospieler, geworden ist ... Hingegen einwandfrei und Spitzenklasse sind die schauspielerischen Leistungen. Nicht nur das Ehepaar Cruise/Kidman ist toll. Wobei mir vor allem Nicole Kidman gefallen hat. Sie verkörpert die ganze Palette der Gefühle einer Beziehung und bringt sie pointiert auf den jeweiligen Punkt. Aber auch sämtliche Nebenrollen sind exzellent und glaubwürdig besetzt worden. Sei es Sydney Pollack als Victor Ziegler, sei es Todd Field als Nick Nightingale oder Rade Sherbedgia als Milich usw. Auch Kameraführung und Schnitt erstklassig, so dass sich meine Bedenken vor allem auf die Story, die langatmige, teilweise belanglose Erzählweise und die dahinterstehende Moralisierung bezieht. 7 von 10
Kostümpartys
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"Eyes wide shut" ist der letzte Film von Stanley Kubrik. Seine
Filme haben stets Aufsehen verursacht. Dies lag zum einen an der
Qualität der Filme, zum anderen, dass er immer seltener Filme
machte und die Dreharbeiten immer längere Zeit in Anspruch
annahmen. Seit "Full Metal Jacket" sind zwölf Jahre vergangen
und die Dreharbeiten zu "Eyes wide shut" haben sich über zwei
Jahre hingezogen. Aber diesmal ist etwas anderes der Grund für
die Aufregung: Die angeblich heißesten Sexszenen zwischen Tom
Cruise und (seiner Ehefrau) Nicole Kidman, die man je in der
Öffentlichkeit gesehen hat. Die Diskussionen wurden
hochgeschürt. Man bekam den Eindruck vermittelt "Eyes wide
shut" sei reine Pornographie. Diesen Zahn möchte ich jedem
Zuschauer ziehen. Im Abendprogramm der deutschen Privatsender geht
es härter zu, als in diesem "Sex-Thriller". Sicherlich gibt es
nackte Körper zu sehen. Freilich gibt es Sexszenen. Aber
nichts was die Aufregung verdient. Was mich schon eher verwundert
hat, ist die Tatsache, dass Mr. Kubrik den außerehelichen Sex,
und sei es nur in Gedanken, derart verteufelt. Aber immer der Reihe
nach. Um was geht es in diesem Film?