Ernst Corinth über Bang Boom Bang

Da dreht endlich mal einer einen deutschen Film mit richtig wunderbar skurrilen Typen, mit oberfaulen Losern und dämlichen Kleinkriminellen, die alle vom ganz großen Coup träumen und natürlich am Ende schrecklich-komisch scheitern. Und schon wird als Vergleich zwanghaft Quentin Tarantino ins Spiel gebracht. Dabei erinnert Peter Thorwarths Krimikomödie "Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding" vielmehr an die guten alten "Theo"-Filme und an Adolf Winkelmanns vor Jahren leider im Kino geflopptes, dennoch höchst amüsantes Ruhrgebiets Fußballdrama "Nordkurve".

Tatort ist Unna. Dort hängt Keek (Oliver Korittke) rum, und würde bestimmt heute noch mit seinem alten Ford die paar Meter zum nächsten Videoshop fahren, wenn nicht urplötzlich sein Kumpel Kalle (Ralf Richter) aus dem Knast ausgebrochen wäre. Keek sollte nämlich auf dessen Geld aufpassen, hat das meiste aber längst verzockt und steckt jetzt mächtig in der Bredouille, weil er für Kalle von der gebunkerten Kohle bei Autoschiebern einen tollen Mercedes kaufen soll.

Doch einen Typen wie Keek aus Unna in Westfalen haut so leicht nichts um. Kein Wunder, schließlich verbringt er den Tag sowieso meistens liegend vor der laufenden TV-Glotze. In diesem Fall heißt seine Rettung allerdings Schlucke (Martin Semmelrogge), ein bemitleidenswerter Angestellter des schmierigen Spediteurs Kampmann (Diether Krebs). Und wie Semmelrogge, Krebs und all die anderen ihre Rollen spielen, ist so unglaublich echt und gleichzeitig so übertrieben schräg, dass man kaum glauben mag, dass dort auf der Leinwand wirklich deutsche Schauspieler in einer deutschen Komödie agieren.

Während Keek nun mit Freund Andy (Markus Knüfken) und Schlucke als Tippgeber versuchen, den Spediteur zu berauben, verfolgt der böse Kalle wütend den Videohändler, weil dieser mit seiner Freundin einen Pornofilm gedreht hat. Und dann sind da noch die brutalen Autoschieber, denen Keek beim Kauf des besagten Mercedes Falschgeld untergejubelt hat.

So geht's herrlich wüst durcheinander und mörderisch zur Sache. Kleine komische Episoden werden dabei vom Regisseur Peter Thorwarth geschickt in das chaotische Geschehen eingebaut, Stargäste wie Til Schweiger und Ingolf Lück sorgen für kurze witzige Zwischenspiele. Und am Schluss ist man als Zuschauer ganz sicher, dass wirklich Unna die deutsche Metropole der Kriminalität ist. Vorausgesetzt natürlich es wohnen dort tatsächlich Leute wie Keek, Kalle und Konsorten, die mit diesem Film beweisen, dass es doch noch richtig gute deutsche Komödien gibt.

Dirk Jasper FilmLexikon
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