dass in St. Pauli
auf der Reeperbahn die Nächte lang sind, ist bekannt. Bei
Sönke Wortmann indes dauert die "St. Pauli Nacht" nur etwa 90
Minuten, und dennoch geschieht in dieser knappen Zeit soviel, dass
allein das schon ein kleines Erzählwunder ist: Da wird
geliebt, gemordet und gestorben. Schicksale knallen hart und
leidenschaftlich aufeinander. Eifersucht, Rache und die pure Lust
haben ihre Hände mit im Spiel. - Und obwohl diese
Aufzählung gleich wieder äußerst Klischee
verdächtig klingen mag, gelingt es Wortmann, die üblichen
Touristen- und Hans-Albers-Schunkelbilder zu vermeiden, die wir ja
alle beim Stichwort "Reeperbahn" im Kopf herumtragen.
Natürlich treten auch bei ihm Zuhälter und Nutten, Freier und Kleinkriminelle auf, beispielsweise der Ex-Knacki Johnny, der im Milieu offenbar noch mehrere Rechnungen offen hat. Der herzergreifend traurige Transvestit, der von New York träumt, aber dann von seinem vermeintlichen Geliebten nur an einen anderen Nachtklub weiter verscherbelt wird. Oder der am Westen gescheiterte Ossie, der sich als Postbote verdingt und nach einem verweigerten Liebesakt nackt Amok läuft. Aber all diese Figuren haben bis auf den Tatort nicht das Geringste zu tun mit Dieter Wedels sentimentalem Macho-TV-Mehrteiler ,,Der König von St. Pauli''. Oder mit anderen folkloristischen Reeperbahn-Bei-Nacht-Filmen. Denn bei Wortmann wirken diese Typen tatsächlich echt und ungeschminkt, auch dank der durchweg guten darstellerischen Leistung von Akteuren wie Benno Führmann, Armin Rohde, Oliver Stokowski, Florian Lukas und Valerie Niehaus. Und wie er es als Regisseur schafft, die einzelnen Schicksal schlaglichtartig zu beleuchten und dann diese kurzen Szenen zu einem nächtlichen Mosaik der Begierden, Frustrationen und Katastrophen zu verknüpfen, ist fürwahr beachtlich. Allerdings fällt es uns
Zuschauern gerade durch diesen schnellen Szenen- und
Perspektivenwechsel recht schwer, sich mit einzelnen Figuren zu
identifizieren oder sich emotional in die Handlung
einzufühlen. Gewiss eine Schwäche des Films, die jedoch
mehr als wettgemacht wird durch eine atmosphärische Dichte und
durch stimmungsvolle Bilder, wie sie in den letzten Jahren selten
in deutschen Produktionen zu sehen gewesen sind. Und die ganz
nebenbei ja beweisen, dass mit Sönke Wortmann nach seinem
flauen "Superweib" und seinem genauso lauen "Campus" in Zukunft
wieder zu rechnen ist. Wenn er nicht, wie angedroht, Deutschland in
Richtung Hollywood verlässt. Und das wäre fürs
deutsche Kino wirklich jammerschade.
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dass in St. Pauli
auf der Reeperbahn die Nächte lang sind, ist bekannt. Bei
Sönke Wortmann indes dauert die "St. Pauli Nacht" nur etwa 90
Minuten, und dennoch geschieht in dieser knappen Zeit soviel, dass
allein das schon ein kleines Erzählwunder ist: Da wird
geliebt, gemordet und gestorben. Schicksale knallen hart und
leidenschaftlich aufeinander. Eifersucht, Rache und die pure Lust
haben ihre Hände mit im Spiel. - Und obwohl diese
Aufzählung gleich wieder äußerst Klischee
verdächtig klingen mag, gelingt es Wortmann, die üblichen
Touristen- und Hans-Albers-Schunkelbilder zu vermeiden, die wir ja
alle beim Stichwort "Reeperbahn" im Kopf herumtragen.