Ausführlicher Inhalt zu Nichts als die Wahrheit

Szenenfoto Der Anwalt Peter Rohm ist smart, ein wenig naßforsch, erfolgreich. Er stammt aus Günzburg, der Heimat des berüchtigten NS-Arztes Dr. Josef Mengele. Seit Jahren recherchiert Rohm gemeinsam mit seiner Frau, der Journalistin Rebekka Rohm, über den Todesengel von Auschwitz. Sie planen ein Buch über diesen gewissenlosen Schreckensmann, den Arzt in SS-Uniform. Doch auch nach Jahren der Vorarbeiten ist vom eigentlichen Manuskript keine Zeile geschrieben. Es scheint, das Rohm keine Antworten auf die Fragen findet, die ihn seit Jahren quälen: Warum schickt ein Mensch Hundertausende ins Gas? Warum verstümmelte er Kinder? Was treibt einen Menschen zu entsetzlichen Taten, die Leben zahlloser anderer auf schreckliche Weise vernichten? Hinter der Fülle der gesammelten Informationen und Fakten verschwindet die Person Mengeles. Die Bestie wird zum Phantom. Und überdies: Rohms Mengele-Obsession wächst sich zu einer sehr realen Bedrohung für seine Ehe aus.

Doch plötzlich geraten Dinge in Bewegung. An seinem Geburtstag findet der Anwalt unter seinen Geschenken eine SS-Uniform. Ein Freund in Prag kann anhand der Nummer über die Herkunft Auskunft geben. Diese Uniform gehörte Dr. Josef Mengele. Sofort ist alles andere vergessen. Wird sie ihm helfen, seinem großen Traum ein wenig näher zu kommen? Diese Frage findet ihre ganz eigene Antwort. Denn noch in derselben Nacht wird Rohm von dem Verleger Müller, der sein Vermögen durch die Verbreitung von NS-Schrifttum erwarb, in eine Falle gelockt und nach Argentinien verschleppt. Rohm erwacht in einem fremden Haus, in einem fremden Land. Und er wird mit der Person seiner Ermittlungen, Recherchen und Nachforschungen hautnah konfrontiert: Mengele, der ihn mit den Worten: Ich bin Hiob und Sie sind mein Erlöser! begrüßt.

Unter dem Namen Baumgarten hat sich der alte Mann jahrzehntelang vor dem Zugriff der Justiz versteckt. Nun, am Ende seines Lebens will sich der 87jährige stellen. Und er wünscht, dass Rohm ihn vor Gericht verteidige. Rohm lehnt ab. Er wird nach Deutschland zurückgeflogen und schon am Flughafen von Presse und Vertretern der Behörden erwartet. Die erste Gelegenheit für den ebenfalls mitgeflogenen Mengele zu einem großen Auftritt. Ich bin Dr. Josef Mengele und dieser Mann wird mich verteidigen!, ruft er den Journalisten zu. Eine Aussage, die Rohm schlichtweg zurückweist. Er ist von der Situation eindeutig überfordert. Niemand nimmt ihm die Geschichte mit der Entführung ab.

Megele stellt sich den Behörden. Und erneuert beharrlich seine Forderung. In dem anstehenden Prozeß will er von keinem anderen als jenem Mann verteidigt werden, der über acht Jahre wie besessen Nachforschungen über seine Person betrieb.

Peter Rohm ist entsetzt, außer sich, kämpft mit sich und seinen widerstreitenden Gefühlen. Doch was bleibt ihm? Sehr schnell nimmt Oberstaatsanwalt Meyer Kontakt mit ihm auf, nimmt ihm kein Wort ab und fordert ihn auf, sein divenhaftes Benehmen abzulegen und endlich mitzuspielen. Das hier könnte der Alptraum des ganzen Landes werden, also tun sie mir einen Gefallen und spielen sie mit! So sehr sich Rohm auch windet, er hat wenig Chancen. Er willigt schließlich ein.

Der Prozeß beginnt, begleitet von Aufmärschen und Straßenschlachten der Neo-Nazis, die sich mit Wut und Vehemenz gegen das große Polizeiaufgebot stellen. Rohm ist ein Mensch mit moralischen Prinzipien. Die Frage, warum er seine Taten begangen hat, hat ihm Mengele schnell beantwortet: Weil es meine Pflicht war. Keine Antwort, mit der sich Rohm zufrieden geben kann. Er übernimmt den Fall auch, weil er nicht zulassen will, dass ein Mensch wie Mengele das Rechtssystem ad absurdum führen kann. Abgestoßen von der Person Mengele ist Rohm auch gleichzeitig faszieniert. Doch die Belastungen, die auf Rohm im Laufe dieses weltweit mit großem Interesse verfolgten Prozesses zukommen, sind immens. Gezwungen bei seinen Befragungen der Zeugen und Plädoyers vor Gericht den Argumenten seines Klienten zu folgen, wird er selbst zur Unperson für die Öffentlichkeit.

Mengele, vor Gericht in seinem Glaskasten wie eine Spinne in ihrem Netz, bestreitet seine Taten keineswegs. Ja, er hat über 300.000 Menschen in die Gaskammer geschickt. Ja, er hat dies alles getan. Doch er sei kein Nazi gewesen, er habe sich nur mit ihnen arrangiert. Und er will seine Experimente nur als medizinische Forschung verstanden wissen. Auch will er nur getötet haben, um seinen Opfern das lange Leiden im Lager zu ersparen. Sterbehilfe aus humanitären Gründen? Anwalt Rohm gelingt der Beweis, das Mengeles Haltung geprägt war von einer Haltung, die in der Medizin der 20er und 30er Jahre durchaus üblich war. Sollte also ein Freispruch die logische Konsequenz sein. Soll ein Verbrecher, eine abscheuliche Bestie wie Dr. Josef Mengele straffrei ausgehen können?

Und überdies hat Mengele noch eine Trumpfkarte in der Hinterhand: Rohms Mutter hat auch ihre dunklen Flecken in der Biographie und war durchaus in Dinge verwickelt, über die sie ihre Familie jahrzehntelang nicht aufgeklärt hatte. Peter Rohm steht vor einer höchst existenziellen Entscheidung: "Bin ich ein guter Anwalt, bin ich ein schlechter Mensch." Professionelle Pflicht oder Menschlichkeit, diese Wahl will getroffen werden ...

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