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Ein mutiger und eigenwilliger Film zu einem Thema, das auch heute mehr als heikel und immer höchstaktuell zu nennen ist. Der junge Münchner Filmproduzent Michael König (14 Tage lebenslänglich) und der Regisseur Roland Suso Richter (Eine Handvoll Gras, 14 Tage lebenslänglich, "Das Phantom - Die Jagd auf Dagobert", "Kolp", "Die Bubi Scholz Story") erzählen in ihrem neuen Thriller - eine Mischung aus Polit-Actioner und Gerichtsfilm - eine fiktive Geschichte des authentischen Todesengels von Auschwitz: Dr. Josef Mengele.Mengele, 1911 als Sohn eines wohlhabenden Industriellen im bayerischen Günzburg geboren, Mitglied des Stahlhelm, der SA und später des SS, hatte in Frankfurt Medizin studiert und war dabei u.a. von Otmar von Verschuer, der am Institut für Rassenhygiene lehrte, beeinflußt worden. Genetik war sein Hauptfach. Im Krieg war Mengele als Angehöriger der SS an der Front, wurde in der Ukraine verwundet und erhielt das Eiserne Kreuz. Nach seiner Freistellung ging er 1943 nach Auschwitz. Wahrscheinlich ist, dass er hier die Gelegenheit sah, seine wissenschaftliche Arbeit mit Hilfe von Menschenversuchen fortsetzen zu können. Mengele, der für den Tod von 300.000 Menschen verantwortlich ist, nutzte für seine Experimente Säuglinge, junge Zwillinge und Zwergwüchsige. Seine Patienten erlitten im Dienste seiner Forschung schreckliche Qualen. Nach dem Krieg hielt sich Mengele noch bis 1949 unerkannt in Deutschland auf, bevor er nach Argentinien flüchten konnte. Er lebte unter dem Namen Wolfgang Gerhard und starb am 7. Februar 1979 bei einem Badeunfall in Brasilien. Mengele mußte sich zeitlebens niemals vor einem Gericht für seine Taten verantworten. Sein Fall wurde 1985 zu den Akten gelegt, nachdem man in Brasilien die Leiche Gerhards exhumiert hatte und nachweisen konnte, dass dieser mit dem KZ-Arzt Mengele identisch war. Kein Geringerer als der mit Preisen hochdekorierte Götz George ("Solo für Klarinette", "Schtonk!", "Die Bubi Scholz Story", "Rossini, oder die möderische Frage, wer mit wem schlief" u.v.a.), der hier auch als Koproduzent verantwortlich zeichnet, ging das Wagnis ein, die Rolle der Bestie in Menschengestalt zu übernehmen. Für George, der für seine höchst eindrucksvolle Darstellung des Serienkillers in Romuald Karmakars "Der Totmacher" 1995 in Venedig ausgezeichnet wurde, liefert auch wieder eine brillante, erinnerungswürdige Meisterleistung. Als leichenblasser Nosferatu ist er die Inkarnation des Schreckens. Selten hat man diesen großen Schauspieler so frei von Manierismen, so eindrucksvoll und pointiert aufspielen sehen. Folgerichtig wurde Götz George 1999 in der Kategorie Bester Schauspieler für den European Film Award nominiert. Die Regisseurin und Autorin Doris Dörrie erkannte in Georges Porträts des Menschen Mengele die Bestie, die in uns allen existiert! Georges Nominierung war keineswegs die einzige Ehrung für einen Film, der einen breiten Meinungsstreit entzündete: Roland Suso Richter wurde für eine präzise Regie beim San Sebastian Internationalen Film Festival 1999 für die Golden Seashell nominiert. Nicht minder überzeugend als sein großer Kollege agiert Kai Wiesinger (14 Tage lebenslänglich, Comedian Harmonists, Stadtgespräch, Kleine Haie) in der Rolle des Anwalts Peter Rohm. Er macht den Konflikt deutlich, in dem sich Rohm befindet. Einerseits ist er ein aufrichtiger Linker und historisch bewußter Mensch und wünscht sich natürlich, dass dieser sogenannte Todesengel von Auschwitz einer harten Strafe zugeführt wird. Doch auf der anderen Seite meint er als Jurist, jedem Menschen stehe ein gerechtes Verfahren zu. Also willigt er ein, die Verteidigung Mengeles zu übernehmen. Der Preis, den Rohm für seine Entscheidung zu zahlen hat, ist hoch. Der Prozeß zerbricht die Ehe mit seiner Frau, mit der er gemeinsam an einem Buch über Mengele arbeitete. Er sieht sich mit der dunklen Vergangenheit der eigenen Mutter konfrontiert - und schließlich müssen gar rechtsfaschistische Schläger den Anwalt und seine Familie schützen. Karoline Eichhorn ("Der König von St. Pauli", "Todesspiel", "Der Sandmann") spielt Rebekka, die Frau des Anwalts Rohm, Doris Schade ("Jenseits der Stille", "Rosa Luxemburg", "Heller Wahn", "Die Sehnsucht der Veronika Voss", "Die bleierne Zeit") seine Mutter Hilde, die schließlich eingestehen muß, selbst als Krankenschwester in einer Nervenheilanstalt Todesspritzen gesetzt zu haben.
Dem 1961 in Marburg geborenen Roland Suso Richter ist ein mutiger, packender Film gelungen, einer, der zwangsläufig polarisieren muß, mit starken emotionalen Momenten, ein Film, den man nicht so schnell vergessen kann. Souverän inszeniert und ausgezeichnet besetzt.
Eckhard Vollmar schrieb dazu in der Fachzeitschrift Blickpunkt Film: Vielleicht mag es vermessen sein, von einem Film, der mit Auschwitz aufwartet, relevante Impulse zu erwarten. Das man aus Mengele in jedem Fall packendes Kino machen kann, haben die Filmemmacher gezeigt!
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