Ernst Corinth über
Die Braut, die sich nicht
traut
Die Braut, die sich
nicht traut Um Himmels willen ist der Film verlogen, aber
schön ist er doch. Und immer noch schön anzuschauen ist
das Traumpaar aus "Pretty Woman": Julia Roberts und Richard Gere.
Gut neun Jahre hat es gedauert bis die beiden in einer vom gleichen
Regisseur Garry Marshall ähnlich gestrickten Geschichte wieder
aufeinanderstoßen. Der charmant ergraute Gere ist nun in ,,Die
Braut, die sich nicht traut" der knallharte New Yorker Kolumnist
Ike, der zufällig von Maggie (Julia Roberts), einer jungen
Frau in der Provinz, hört, die schon mehrfach als Braut vor
dem Altar im letzten Augenblick die Flucht ergriffen hat. Und der
nun in seiner Kolumne diese Ehe-Flüchtige heiter, aber gemein
zur Schnecke macht. Dabei jedoch völlig vergißt, die
Fakten genau zu recherchieren.
Das rächt sich. Denn so
etwas lässt sich selbst in der tiefsten Provinz heutzutage
keine amerikanische Frau mehr gefallen. Kurzerhand beschwert sich
Maggie bei der Chefin von Ike - und die wirft ihn kurzerhand raus:
Hart, aber herzlich. Aber auch Ike weiß sich zu helfen. Er
fährt in das kleine Kaff, das so süß und friedlich
ausschaut, dass sich dort bestimmt Wolf und Schaf einen Schlafplatz
teilen. Und in diesem Postkarten-Idyll will er dem Geheimnis von
Maggie, die gerade den vierten Anlauf zur Eheschließung nimmt,
journalistisch auf die Spur kommen.
Und jeder ahnt sofort, wie die
Geschichte weitergeht. Das tut sie dann auch bis zum schönen
Happyend. Denn nichts hat der Regisseur dem Zufall überlassen,
die Story ist von Anfang an durchschaubar und zudem erschreckend
seicht. Überraschungen bleiben also völlig aus. Und das
dabei unentwegt angestimmte Loblied auf die gute alte Zeit leiert
zuweilen arg mühsam vor sich hin. Doch immer wenn die
Hauptdarsteller auf der Leinwand ihr Spielchen treiben, sich
bezaubernde Blicke zuwerfen oder nette Wortgefechte liefern, dann
vergißt man sofort die Verlogenheit dieses Films - und hat
einfach seinen Spaß an Julia Roberts und Richard
Gere.
| © 1999 © 1994 -
2010 Dirk Jasper |
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