Ausführlicher Inhalt zu Verrückt in Alabama

Szenenfoto USA 1965 - irgendwo im tiefen Süden. Die wilden 60er Jahre mit all ihrer Aufbruch- und Umbruchstimmung haben die Südstaaten noch nicht erreicht. Hier gehen die Uhren anders. Rassismus und Vorurteile bestimmen das Lebensgefühl. Hier ist die Welt noch in Ordnung, oder?

Hier in Alabama lebt auch der 12jährige Peter Joseph, von allen kurz Peejo genannt, mit seinem 14jährigen Bruder Wiley bei der Großmutter. Die Eltern der Jungs sind bei einem Unfall um Leben gekommen. Turbulenzen ereilen das beschauliche Leben in Gestalt der Tante Lucille.

Die 34jährige Lucille Vinson war es einfach leid. Ihr Leben hat nie die Wendungen nehmen können, die sich die "Southern Belle" immer wieder in leidenschaftlichen Träumen ausgemalt hat. Und so ermordet sie (mit Ansage) kurzerhand mittels Rattengift ihren gräßlichen Gatten Chester, der ihr jede Möglichkeit der Entfaltung mit harter Hand verbot. Luftdicht wird sein (auch nach dem Tode unablässig vor sich hin plappernder) Kopf in eine Tupperdose verpackt und ab geht's. Am besten nach Hollywood. Um die fünf Kinder soll sich indessen Lucilles Mutter, Peejos Oma, kümmern.

Während Lucille samt Plapperkopf und kruden Ideen im Hirn auf eine wilde Reise Richtung New Orleans geht, nimmt ihr Bruder, der Bestattungsunternehmer Dove Bullis Peejo und Wiley zu sich, um die Großmutter zu entlasten. Sein alter Kumpan, der Sheriff John Doggett, hingegen kann sich angesichts der kopflosen Leiche des gemeuchelten Chester nichts Schöneres vorstellen, als Lucille für immer hinter Gitter zu bringen.

Währenddessen zieht Lucille wie ein Wirbelwind eine Chaos-Spur durchs ganze Land. Einem dreisten Barkeeper zeigt sie, was eine Harke ist, und raubt ihm die Kasse, weil sie sich beleidigt fühlt. In einer Kellnerin findet sie eine verständnisvolle Freundin, die nur zu gut versteht, dass man sich manchmal auf die harte Tour von seinen Männern trennen muß. Einem Cop, der sie in den Knast verfrachtet, bricht sie das Herz und entkommt nach Las Vegas, wo sie prompt im Roulette gewinnt und sich einen Quickie mit dem Liftboy gönnt. Schließlich und diverse Affären und bizarre Erlebnisse später schafft es Lucille doch noch nach Hollywood zum Produzenten Harry Hall und ins Beverly Hilton Hotel. Harry ist hingerissen, die abgehalfterte Schauspielerin Joan Blake weit weniger. Und während Chesters Kopf all diese Quantensprünge brabbelnd und plappernd begleitet, gelingt Lucille der ersehnte Coup: Sie wird vom großen TV-Boß gleich für mehrere Folgen der Serie "Beverly Hillbillies" verpflichtet. Lucille ist ganz oben. Die Welt ist rosarot. Doch das Cover des "Life"-Magazins holt sie wieder auf den Boden der harten Tatsachen zurück: Da blickt ihr der arme Peejo entgegen, der in der Heimat in Rassenkrawalle verwickelt war.

Selbst im hintersten Alabama ist die Bürgerrechtsbewegung aktiv, und Peejo hatte einem schwarzen Jungen helfen wollen, Sheriff Doggett zu entkommen. Vergeblich. Der Junge fand den Tod. Als Lucille daraufhin Peejo anruft, ist der völlig überrascht, bislang wußte er nichts von dem Bericht. Doch in dem kleinen Südstaatenstädtchen ist das Cover und die Story inzwischen wie eine Bombe eingeschlagen. Die Lage spitzt sich zu. Die Regierung will den Rassisten das Handwerk legen, und Onkel Dove gerät mächtig mit dem Sheriff aneinander. Lucille hingegen macht inzwischen Karriere.

Alles wäre vielleicht gutgegangen, hätte nicht der blöde Köter der Zicke Blake die Hutschachtel mit Chesters Kopf gefunden. Die neuerliche Flucht endet mitten auf der Golden Gate Bridge, als sich Lucille endlich von Chesters Schädel trennen will, aber den Cops, die sie für eine Selbstmörderin halten, in die Hände fällt. Und so kommt sie in Ketten zurück nach Alabama. Sehr zur Freude von Sheriff Doggett. Ein Prozess wird anberaumt. Die Verhandlung, geleitet vom bärbeißigen Richter Mead gerät zum Tribunal für Chester und all die widerlichen Zustände in Alabama-Hinterwald. Der Ausgang wird schließlich zur Sensation.

Dirk Jasper FilmLexikon
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