Florian Deppe über Blair Witch Project

Szenenbild Drei junge Filmstudenten ziehen mit ihrer Kamera in den Wald um einer alten Sage von einer Hexe, die dort spuken soll, nachzugehen. Die Studenten verlaufen sich und werden jede Nacht von unerklärlichen Geräuschen und Erscheinungen heimgesucht.

Es ist doch immer so: Wenn ein Film als "das große Filmereignis, das alles vorher da gewesene übertrifft" dargestellt wird, ist man nachher meistens enttäuscht von dem Film, weil man einfach zu große Erwartungen an den Film gestellt hat.

Genauso ging es mir mit "the blair witch project". Sicher, in der letzten halben Stunde war der Film doch sehr spannend, und tatsächlich war er fieser als zum Beispiel "Scream 2" oder "Nightwatch". Aber trotzdem war es nur ein Gruselfilm, und für mich persönlich geben solche "Shocker" nie soviel her wie andere Kinofilme. Denn meiner Meinung nach ist ein erwachsener Mensch eher durch Humor, eine gelungene Liebesgeschichte oder durch geschichtlichen Anspruch zu beeindrucken als durch eine Gruselgeschichte.

Doch neben meiner enttäuschten Hoffnung, dass sich diese Einstellung durch "the blair witch project" ändern würde, hat mich persönlich auch die Art der Aufmachung des Films gestört: Die Regisseure des Films versuchen ihre Geschichte möglichst real erscheinen zu lassen, indem der ganze Film auf 16 mm gedreht ist. Das bei diesem Format aber durch zwei schwarze Streifen auf den Seiten nur die halbe Kinoleinwand genutzt wird, daran haben sie wohl nicht gedacht.

Auch wird der Zuschauer während des ganzen Films mit endlos langen Szenen genervt, in denen die Darsteller nur hysterisch durcheinanderkreischen, was wohl die psychische Angespanntheit der Charaktere darstellen soll, allerdings fragt man sich als Zuschauer doch manchmal, warum man sich 2 Minuten lang anhören mußs, wie sich drei Synchronsprecher gegenseitig anschreien, während man nur das Bild eines wild hin- und herschwenkenden Camcorders zu sehen kriegt. Ein großer Teil des Bildmaterials besteht auch einfach aus einer schwarzen Leinwand, die das im Wald aufgeschlagene Zelt bei Nacht darstellen soll, und das ist noch nicht mal als Scherz gemeint.

"The Blair Witch Project" hat in der Tat Elemente eines wirklich spannenden Gruselfilms, wenn man von einigen sehr nervigen Tag-Szenen absieht, und in einer dunklen Winternacht alleine vor dem Fernseher könnte man bei diesem Film wirklich Angst kriegen. Wer für diesen Film aber Geld an der Kinokasse ausgibt, läuft Gefahr, sein Geld zu verschwenden, denn im Kino wirkt dieser Film doch eher enttäuschend.

Dirk Jasper FilmLexikon
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