Produktionsnotizen zu End Of Days - Nacht ohne Morgen

Szenenfoto Das kalte Schwert der Furcht in die Herzen des Kinopublikums zu senken - das war die einzigartige Gelegenheit, die der Gruselthriller End Of Days - Nacht ohne Morgen den Filmemachern bot. Die Furcht vor dem Unbekannten, vor dem Anderen, dem Dunklen, Unbegreiflichen. "Hoffentlich", sagt Produzent Armyan Bernstein, "wird dieser Film das Publikum unterhalten - während er sich gleichzeitig mit Themen wie Himmel und Hölle, Glaube und Tod beschäftigt."

Der junge Drehbuchautor Andrew Marlowe schrieb das Drehbuch, das er, nachdem er die Story zunächst bei Bernstein und Arnold Schwarzenegger gepitcht hatte, ganz auf den Hauptdarsteller zugeschnitten hatte. "Ich wollte mit Arnold arbeiten", sagt Marlowe, "und begann darüber nachzudenken, dass seinen Figuren bisher stets die größten Bösewichter gegenüberstanden. Was für einen Gegner aber haben wir ihn noch nie bekämpfen sehen? Also, dachte ich, warum nehme ich nicht den größten Gegner, den die Menschheitsgeschichte kennt?"

Nachdem das Script drehfertig geschrieben war, unterzeichnete Arnold Schwarzenegger für die Rolle des widerstrebenden Helden Jericho Cane. "Es war", sagt Schwarzenegger, "einfach ein fantastisches Drehbuch, so zeitgemäß. Ich hatte gerade Urlaub auf Hawaii gemacht, als Andrew mit dieser großartigen Idee zu mir kam: Ich sollte etwas bekämpfen, was unendlich viel gewaltiger war als alles, wogegen ich bisher auf der Leinwand gekämpft hatte." "Derzeit reden doch alle über das Millennium," erzählt der Star weiter, "und dies ist der einzige Film, der alle relevanten Themen behandelt: Wird die das Ende der Welt kommen? Wird Satan zurückkehren? Es ist eine Geschichte von wahrhaft biblischen Ausmaßen."

Die Filmemacher hatten das Glück, mit Peter Hyams den idealen Regisseur für End Of Days - Nacht ohne Morgen zu bekommen - und gleichzeitig den perfekten Kameramann. (Hyams hatte ja zuvor bereits bei etlichen seiner Filme - etwa bei 2010, DIESE ZWEI SIND NICHT ZU FASSEN, PRESIDIO und NARROW MARGIN - 12 STUNDEN ANGST - hinter der Kamera gestanden.) "Hyams hatte mich damit beeindruckt, wieviel Erfahrung er schon in den verschiedenen Genres, die dieser Film in sich vereint, gemacht hat: Horror, Action, Übernatürliches und auch Science-fiction", sagt Produzent Armyan Bernstein. "Es gibt nicht viele, die auf all diesen Gebieten gleichermaßen versiert sind wie er. Nachdem ich den Film mit ihm durchgesprochen hatte, war mir klar, dass seine einzigartige visionäre Kraft diese unheimliche Welt, die Andrew Marlowe geschaffen hatte, entstehen lassen könnte." Hyams selbst war von der Filmidee von Anfang an fasziniert: "Diese großen Themen auf eine gleichzeitig furchterregende und glaubwürdige Weise auf die große Leinwand zu bringen, das war eine echte Herausforderung für mich."

Nun, da das Team stand, vervollständigten die Produzenten die Besetzung mit dem Oscar-nominierten Gabriel Byrne, mit Robin Tunney und Kevin Pollak in den Hauptrollen neben Arnold Schwarzenegger. Produzent Bill Borden war besonders von Schwarzeneggers Darstellung des heruntergekommenen Detektivs Jericho Cane beeindruckt, eines Mannes, der gegen den Hass und die Rachsucht in seinem Herzen kämpfen und sich der Frage nach seinem Glauben schließlich auf Leben und Tod stellen mußs.

"Arnold auf der Leinwand, das ist absolut faszinierend", sagt Borden. "Und in diesem Film spielt er auch noch eine lebensechte Figur: einen Mann in Gefahr, der einem Gegner gegenübersteht, der ihm tatsächlich Schaden zufügen kann. Arnold glänzt hier nicht nur mit seiner typischen Action, sondern geht durch alle möglichen emotionalen Höhen und Tiefen." Für Schwarzenegger, dem Star von Terminator, TOTAL RECALL, True Lies, Eraser und KINDERGARTEN COP, war die Rolle des Jericho etwas völlig anderes als er es bisher in seinen Filmen kannte. "Die letzten zwei Jahre", sagt er, "habe ich nach dem richtigen Film und der richtigen Figur, die ich spielen wollte, gesucht. Hier habe ich es gefunden: End Of Days - Nacht ohne Morgen hat Tiefgang, Action und Grusel, und meine Figur hat einen Entwicklungsbogen, den ich immer schon spielen wollte."

Drehbuchautor Marlowe führt weiter aus: "Wir kannten Arnold bisher immer als überlebensgroßen Actionhelden, und ich wollte ihn nun auf eine etwas menschlichere Ebene holen und ihn ein bisschen verlebter und heruntergekommener zeigen."

Gabriel Byrne spielt neben Schwarzenegger den "Mann", ein zutiefst böses Wesen, das sich zum Ende des Jahrtausends aus dem Abgrund der Hölle erhoben und die Gestalt eines Geschäftsmannes angenommen hat, um die Geburt des Antichristen in die Wege zu leiten.

"Sein Vorhaben ist die Apokalypse", erklärt Byrne seine Rolle. "Das Böse ist wieder da, und auch wenn es nie völlig verschwunden war, brauchte es doch die richtigen Umstände, um es wieder zum Leben zu erwecken."

Den "Mann" zu spielen war für Byrne, der bislang u.a. in Die üblichen Verdächtigen, MILLER'S CROSSING und BETTY UND IHRE SCHWESTERN zu sehen war, eine einzigartige Gelegenheit. "Ich wollte keine Stereotypen bemühen", sagt Byrne. "Ich wollte bei dem Gedanken bleiben, dass er immer schon in Menschengestalt unter uns weilte. Er könnte der Typ sein, der neben dir in der Bar oder in einem Flugzeug sitzt. Du würdest nicht zweimal hinschauen. Er ist ein ruhiger, überlegter Geschäftsmann. Es gefällt ihm, wieder lebendig zu sein. Es gefällt ihm in dieser wahnsinnigen Welt - und dieser interessante realistische Aspekt hat mich schließlich eingefangen."

Byrne, den Star aus Die üblichen Verdächtigen mit seinem damaligen Mitspieler Kevin Pollak wiederzuvereinigen, war die Idee von Armyan Bernstein. "Kevin hat seinen ganz speziellen Stil, er hat einen Humor, einen Ton, einen Zynismus und eine Schlagfertigkeit, die ihn weit über den Part eines blossen 'Sidekicks' hinauswachsen lassen. Kevins Figur, Chicago, ist für Jericho genau die Art von Freund, die wir uns alle immer gewünscht haben. Die beiden sind wie Brüder, die sich aufeinander verlassen müssen, um zu überleben", erklärt Bernstein.

Pollak sagt über seine Rolle: "Chicago und Jericho sind alte Freunde. Sie waren Ex-Cops, die nun eine Sicherheitsfirma für eine elitäre Klientel führen. Wir reden geradeheraus und beenden gegenseitig unsere Sätze. Und über das ernste Thema des Films hinaus sorgt meine Figur auch für ein paar Lacher bei den Zuschauern."

Robin Tunney, die in Andrew Flemings Thriller Der Hexenclub erstmals bekannt wurde, spielt die junge Christine York. Seit ihrer Geburt ist sie vom Bösen gezeichnet, doch das Schicksal der Menschheit hängt von ihr ab. Ihre Unschuld mußs bewahrt und beschützt werden - auch wenn Jericho sich dazu nur zögernd durchringen kann.

"Alle tausend Jahre", erklärt Tunney ihre Rolle, "wird die Bestie auf Erden wandeln. Christines Bestimmung ist, eine unheilvolle Verbindung mit dem 'Mann' einzugehen und den Antichrist zu zeugen. Sie hatte Visionen von Tod, Zerstörung und Sex mit ihm. Nun steht sie vor dem Widerspruch zwischen der ihr zugedachten Rolle und ihrem inneren Verlangen, ihr Schicksal zu ändern und den Untergang der Welt abzuwenden. Sie zu spielen ist sehr verführerisch und sehr herausfordernd."

Neben Arnold Schwarzenegger aufzutreten, erwies sich für Tunney, die davon zunächst sehr eingeschüchtert war, als wunderbare, aufregende Erfahrung.

"Arnold hat eine großartige Arbeitseinstellung", erzählt sie über ihren Co-Star. "Er ist so witzig und so entspannt, dass sich das sofort auf alle auf dem Set übertragen hat. Er hat mir geholfen, wo es nur ging. Tatsächlich ist er der einzige Schauspieler, mit dem ich bisher gearbeitet habe, der dir nach der Sichtung der Tagesmuster Komplimente macht und dir das Gefühl gibt, alles richtig zu machen."

Oscarpreisträger Rod Steiger rundet die Besetzung schließlich ab als Pater Murphy, der Priester, der Jericho Cane davon überzeugen mußs, dass seine Ängste tatsächlich nicht unbegründet sind.

"Ich wollte diese Rolle sehr menschlich spielen", sagt Steiger. "Pater Murphy ist auch nur ein Mensch, der eben in einer Priesterrobe steckt. Und plötzlich stellt er fest, dass er einer der unglaublichsten Mächte der Welt gegenübersteht. Und wie sollte er in dieser Auseinandersetzung ein Experte sein?"

dass End Of Days - Nacht ohne Morgen realistisch aussah, war von grundlegender Bedeutung für die Filmemacher. Nachdem es um nichts Geringeres als die Schlacht zwischen Gut und Böse geht, wollte Hyams den Zuschauer einen Schrecken bis ins Mark einjagen. "Wenn man Menschen in so einer Situation sieht, und man glaubt nicht, dass das echt ist, dann macht einem das auch überhaupt keine Angst", erklärt der Regisseur.

Die Umgebung, in der sich solche Angst ausbreiten konnte, mußste die Produktion mitten im sonnigen Los Angeles bauen: ein dunkles, schmutziges New York. Zum Glück gibt es in downtown L.A. ein Viertel, das in den 20er und 30er Jahren erbaut wurde und - mit Hilfe einer neuer Filmtechnologie - perfekt als Times Square in der Sylvesternacht 1999 herhalten konnte. "Das kann man sonst nirgendwo auf der Welt so nachbauen", sagt Hyams.

Produktionsdesigner Richard Holland und Kostümdesignerin Bobbie Mannix arbeiteten eng mit dem Regisseur zusammen, um die düstere Atmosphäre des Films im Zusammenspiel mit Ausstattung und Garderobe, mit Farbe und Textur entstehen zu lassen. Die dabei entstandene Stimmung ruft beim Zuschauer dann auch tatsächlich eine entsprechende emotionale Reaktion hervor.

"Das Schöne ist", sagt Holland, "dass es eine solche Vielzahl von Sets gibt, dass ich eine fabelhafte Bandbreite zur Verfügung hatte, aus der ich das Aussehen des Films für die Leinwand zusammenstellen konnte."

Bei einem der vielen, zum Teil extrem aufwendigen Sets hatte Holland etwa, wie er erzählt, "eine alte Con-Ed-Station zum unterirdischen 'Dunklen Tempel' umgebaut. Der mußte völlig verwahrlost, verlassen, verrostet und unheimlich aussehen." Das Set wurde dann noch mit riesigen Maschinen und Heizungsrohren ausgestattet, während Dampf und Rauch auf die 500 Statisten herabquoll, die dort mit ihren Kerzen in der Hand standen.

Für Mannix wiederum bestand die Aufgabe darin, die Kostüme der Schauspieler mit einem dunklen, zwielichtigen Hintergrund harmonieren zu lassen. "Die Kleider sind alle in schwarz, grau oder braun gehalten, entsprechend mit Peter und Richards Farbtönen, die vor allem aus Grau, Gold und Bernstein bestehen", sagt Mannix.

"Zuallererst muß so ein Film furchterregend und beeindruckend aussehen", erklärt Hyams. "Aber er muß auch glaubwürdig sein, dramatisch und bewegend, alle visuellen Elemente müssen sich zu der Geschichte zusammenschließen. Hier geht es um unseren schlimmsten Alptraum. Um einen Helden, der in eine Situation gerät, die er nicht wollte, und der im Lauf der Handlung zu seinem Glauben zurückfindet."

Und Schwarzenegger sagt: End Of Days - Nacht ohne Morgen kombiniert auf eine Art und Weise übernatürliche Elemente, Action und Horror, wie ich es noch nie vorher gemacht habe. Meine Figur steht anfangs vor dem absoluten Nichts, er will sich sogar das Leben nehmen - und wird dann aber zu einem Mann, der zu sich selbst gefunden hat. Man mußs sich vergegenwärtigen, dass jeder verletzlich ist, wenn er dem Teufel gegenüber steht. Das ist ein ganz schön furchterregender Trip."

© 1994 - 2009 Dirk Jasper