Langer Inhalt zu Käpt'n Blaubär

Szenenfoto Donner grollt. Blitze zucken. Mitten im Meer, genauer gesagt auf dem 43. Grad westlicher Breite und dem 25. Grad nördlicher Länge, erhebt sich mächtig das finstere Schloß Grauenfels. Ein stattlicher, muskulöser Bär mit blauem Fell und Kapitänsmütze steigt entschlossen die Steintreppe zu der großen Holztür hinauf. Die Tür öffnet sich, und Käpt'n Blaubärs Blick fällt auf seinen Erzfeind, der ihn in wallender Robe auf der ausladenden Steintreppe erwartet: Professor Dr. Feinfinger, seines Zeichens verrückter Wissenschaftler, genialer Superschurke und Blaubärs erbitterter Fernschach-Gegner.

Und auch heute hat sich Feinfinger eine Gemeinheit ausgedacht: Hein Blöd, Blaubärs treuer, nicht allzu heller Leichtmatrose, baumelt in einem Käfig über einem Piranhabecken. Und den Schlüssel bewacht der Vieläugige Grauenfels-dämon. Schon will Feinfinger triumphieren, da überwältigt der Käpt'n den Dämon und entreißt ihm den Schlüssel. Doch zu seinem Entsetzen löst er damit einen heimtückischen Käfig-ins-Piranhabecken-Absenk-Mechanismus aus - der Käfig sinkt den schnappenden Piranhazähnen entgegen, Hein Blöd droht zu Fischfutter zu werden, und Feinfinger fängt manisch an zu lachen ...

Fortsetzung folgt. Eine weitere Folge der populären TV-Serie "Käpt'n Blaubärs unglaublichste Abenteuer" geht zu Ende. Der Käpt'n - anders als sein Fernsehpendant etwas moppelig und liebenswert gemütlich - schaltet seinen uralten Fernseher aus und blickt mal wieder zurück auf seine wildbewegte Jugend. Seine Enkel jedoch, die drei Bärchen, ahnen schon, dass ihr Opi die Drehbücher der Serie mit seinen Lügengeschichten "angereichert" hat. Blaubär ist enttäuscht von dem Unglauben der Bärchen und verfällt in elegische Stimmung. Schließlich hat er alle Geheimnisse der Sieben Meere erforscht und sogar die Paarung der Seeschlangen ums Steinhuder Meer beobachtet. Glücklicherweise rettet Hein Blöd die Situation: Bevor der Käpt'n endgültig in eine Depression fällt, läutet er zum Abendessen.

Nach ein paar leichten Häppchen sind die Bärchen bettfertig, und es ist Zeit für die abendliche Gutenachtgeschichte. Käpt'n Blaubär nuckelt an seiner Pfeife und erzählt seinen Enkeln, wie er und Feinfinger zu Erzrivalen wurden ...

Als Kinder waren Blaubär und Feinfinger die besten Freunde. Aber als die Schulzeit kam, trennten sich ihre Wege: Blaubär schlug den klassischen Bildungsweg ein, Feinfinger jedoch bevorzugte eine Superschurken-Schule, wo er coole Dinge lernte wie verrückt zu lachen, pyrotechnische Geräte zu konstruieren und Welteroberungspläne zu schmieden. Als er jedoch zu seinem Abitur mit einer Wellenmaschine ganze Kontinente überfluten wollte, war das Maß voll. Blaubär sabotierte die Maschine, Feinfinger blamierte sich bei der Abi-Feier bis auf die Knochen, und das Verhältnis zwischen den beiden ehemaligen Freunden kühlte merklich ab.

Auch mit dieser Geschichte kann Blaubär die drei Bärchen nur bedingt beeindrucken. Enttäuscht entert der alte Käpt'n die Koje. Während er in einen tiefen Schlaf sinkt und von seinem Erzfeind Feinfinger alpträumt, der ihn mit Hilfe eines Personen-Faxgeräts heimsucht, steigt das Meer, und die Wellen umspülen den Kiel seines trockengelegten Schiffes ...

Am nächsten Morgen will Hein Blöd die Frühstücksbrötchen holen. Schwungvoll wie immer hüpft er über die Reling - und platscht ins Wasser. Blaubär traut seinen Augen nicht: Sein gemütliches Hausboot dümpelt auf hoher See. Aber der Seebär hat keine Zeit, sich lange zu wundern: Immobilienhaie, die gefährlichsten Raubfische der Welt, greifen an! Mit einem gewagten Manöver kann Blaubär seinen Leichtmatrosen retten. Doch der Angriff der Immobilienhaie war nur ein Vorbote größeren Unheils - das Schiff befindet sich in den Hoheitsgewässern von Professor Dr. Feinfinger, dem verrückten Superschurken. Auf Schloß Grauenfels wird der Blaubär-Alarm ausgelöst.

Ein Spionfisch entdeckt das Schiff des Käpt'n, und sofort beginnt Feinfinger hektisch, seine Vielzweck-Weltüberwachungs-Hammond-Orgel zu aktivieren. Und sein Zepter, Feinfingers Stimme der Vernunft, bringt es auf den Punkt: Dies ist die perfekte Gelegenheit, seine etwas eingerosteten Superschurkenglieder mal wieder etwas in die Gänge zu bringen. Schließlich kann sich Feinfinger nicht mal mehr daran erinnern, wann er die Welt das letzte Mal in Angst und Schrekken versetzt hat. Ein kurzer Anruf, und Feinfingers Helfershelfer, die wilden, blutrünstigen Krokodil-Piraten, schiffen sich ein, um Blaubärs Kutter zu kapern.

Auf dessen Deck herrscht derweil totale Ratlosigkeit. Auch Käpt'n Blaubär ist etwas eingerostet - der alte Seebär ist nicht sicher, ob Steuerbord die rechte oder linke Seite eines Schiffs ist. Und Hein Blöd kann sich auch nur daran erinnern, dass er 1968 zum letzten Mal mit seinem Käpt'n auf See war. Ausgerechnet in diesem Moment der Verwirrung taucht das Piratenschiff am Horizont auf. Hein Blöd und die Bärchen geraten in Panik, aber Blaubär bewahrt die Nerven. Schließlich hat er noch eine Familienpackung Piratencreme in der Bordapotheke, mit deren Hilfe man sich in einen blutrünstigen Piraten verwandeln kann.

Der Trick funktioniert. Blaubär, Hein und die Bärchen tragen die Creme auf und verwandeln sich in grimmige Seeräuber und täuschen die wilden, blutrünstigen Krokodil-Piraten. Enttäuscht kehren die echten Freibeuter wieder um.Feinfinger tobt. Die Krokodil-Piraten sind auch nicht mehr so zuverlässig wie früher. Der Superschurke beschließt, die konzertierte Anti-Blaubär-Aktion selbst in die Hand zu nehmen: Mit seinem Personen-Faxgerät faxt er sich in das Schiff des Käpt'n. Der jedoch glaubt, er träumt mal wieder schwer und läßt sich von den Drohungen seines Erzfeindes nicht beeindrucken. Doch ein Feinfinger zieht nicht so einfach wieder ab: Er entführt die drei Bärchen!

Käpt'n Blaubär ist wild entschlossen, seine Enkel zu retten. Und er weiß ganz genau, wo er suchen muß: auf dem 43. Grad westlicher Breite und dem 25. Grad nördlicher Länge. Auf dem finsteren Schloß Grauenfels. Doch noch haben er und Hein Blöd ein kleines Problem: Sie müssen sich in einem Crashkurs noch einmal das seemännische Handwerk beibringen.

Während sich unsere Helden in die Materie von Rahsegeln, kalfatern und dem kleinen Palstek einarbeiten, tut Feinfinger alles, um die Bärchen zu seinen willenlosen Sklaven zu machen. Er verfolgt einen teuflischen Plan: Er will sie ebenfalls zu Superschurken ausbilden und dann zusammen mit ihnen die Welt unterjochen.

Doch er hat nicht mit der Entschlossenheit ihres Opis gerechnet: Er lernt wie besessen und beantwortet am Ende seines Crashkurses sogar die Masterfrage richtig: Wo ist Steuerbord? Solchermaßen gerüstet stechen er und Hein Blöd zur Rettung seiner Enkel in See.

Doch die See ist nicht gerade kooperativ. Das Schiff steckt in einer Flaute, und da ist auch der beste Seemann machtlos. Ausgerechnet in der unmittelbaren Nähe eines aktiven Vulkans dümpeln Blaubär und Hein vor sich hin. Immer unter den wachsamen Augen von Feinfinger, der schon wieder einen diabolischen Plan aus dem Ärmel seines Superschurken-Kostüms schüttelt: Er ruft die gefürchteten Wellenzwerge auf den Plan, die in seinem Auftrag mit einem weiterentwickelten Prototyp seiner Wellenmaschine eine gigantische Sturmflut produzieren sollen. Diese Riesenwelle soll Blaubärs Schiff in die Tiefe reißen.

Der Plan geht auf. Die monströse Welle erfaßt das Schiff und reißt es mit sich. Allerdings nicht auf den Grund des Meeres: Blaubärs Kutter segelt sanft in das Innere des Vulkans. Als ein dröhnender Furz erschallt, weiß der vielgereiste Käpt'n sofort, wo er sich befindet: in den Eingeweiden der Erde. Feinfinger triumphiert. Durch seinen Spionfisch konnte er den Untergang seines Erzfeindes live und in Farbe miterleben.

Doch der Käpt'n gibt nicht auf. Zusammen mit Hein Blöd tastet er sich durch das Dunkel des ordinär furzenden Vulkans. Bis sie den Bewohnern dieser unterirdischen Welt begegnen - maulwurfartige Wesen, die sich nur in der Furzsprache verständigen können.

Glücklicherweise hat Hein Blöd seinerzeit in der Schule auf Englisch verzichtet, weil er sicher war, dass die Furzsprache einmal zum allgemeinen Idiom der Welt werden würde. Aber leider sind seine Fremdsprachenkenntnisse deutlich eingerostet: Nach einer kurzen Konversation sind Hein und Blaubär an den Mast ihres eigenen Schiffes gefesselt und sollen dem Vulkan als Opfer dargebracht werden. In diesem Moment jedoch bricht der Vulkan mit einem lang anhaltenden Furzgeräusch aus, und Blaubär und Hein Blödkönnen sich aus der prekären Situation befreien (wie, das glaubt ihnen kein Mensch ...).

Feinfinger spielt seinen letzten Trumpf aus: Gespenstische Seeschatten kriechen über die Reling von Blaubärs Schiff. Doch auch diese Gegner haben gegen den unbändigen Willen von Käpt'n Blaubär keine Chance ...

Entschlossen, aber leicht schnaufend, steigt Käpt'n Blaubär die lange Steintreppe zur großen Holztür von Schloß Grauenfels hinauf. Die Tür öffnet sich, und sein Blick fällt auf seinen Erzfeind, der ihn in wallender Robe auf der ausladenden Steintreppe erwartet: Professor Dr. Feinfinger. Wird es Blaubär gelingen, die Bärchen zu befreien und Feinfinger ein für allemal das Handwerk zu legen? Wird Hein Blöd einfach nur auf Deck warten oder seinem Käpt'n in dessen schwerster Stunde beistehen? In einem atemberaubenden Showdown auf Schloß Grauenfels überschlagen sich die Ereignisse ...

© 1994 - 2010 Dirk Jasper