Ausführlicher Inhalt zu Johanna von Orleans

Szenenfoto Als jüngste Tochter eines Bauern wird Johanna um 1412 in dem Dörfchen Domremy geboren. Der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England wütet seit Jahrzehnten, ein blutiger Tod mit zahllosen Gesichtern hält das Land im Griff. Marodierende Ritter- und Söldnerhaufen aus beiden Lagern verwüsten das Land.

Schon früh verblüfft die kleine Johanna ihren Dorfpfarrer mit häufigen Kirchenbesuchen. Für sie ist das Gotteshaus ein Ort der Ruhe, in dem sie Zwiesprache mit Gott halten kann.

Als Johanna eines Tages in ihr Dorf zurückkehrt, fällt sie beinahe in die Hände englischer Soldaten, die ein blutiges Gemetzel veranstalten. Zwar kann sie sich mit Hilfe ihrer Schwester Catherine in einen Schrank retten, doch voll Entsetzen muß sie mit ansehen, wie Catherine von den Soldaten vergewaltigt und anschließend ermordet wird. Ein Priester sucht Johanna mit den Worten zu beruhigen, dass Gott noch Großes mit ihr vorhabe, da sie doch wie durch ein Wunder dem Blutbad entronnen sei.

Jahre später: Die junge Johanna ist überzeugt, dass Gott selbst sie auserwählt habe, um dem Dauphin von Frankreich, Charles VII zur Königskrone zu verhelfen. Sie macht sich auf den Weg nach Chinon, wo der Thronerbe davon träumt, sich in dem noch von den Engländern besetzten Reims zum rechtmäßigen König des Landes krönen zu lassen. Als sie ihm ihre Hilfe anbietet, wird sie zunächst verlacht und nicht für ernst genommen. Am Holf hält man das einfache Bauernmädchen, die "Jungfrau aus Lorraine", die Frankreich retten will, einerseits für eine Spinnerin, andererseits sogar für eine Spionin im Dienst der Engländer.

Hilfe wird Johanna von unerwarteter Seite zuteil. Yolande d'Aragon, die Schwiegermutter des Dauphins, unterstützt das Mädchen. Es sei aufgrund seiner Visionen und Vorhersagen beim Volke populär. Der Dauphin will Johanna einem Test unterziehen - und überaschenderweise kann das junge Mädchen das Vertrauen des Dauphins gewinnen. Johanna verlangt ein Schwert, eine Rüstung und ein Schlachtross, ein eigenes Banner und einen Schreiber, um einen Brief an den englischen König aufsetzen zu lassen, im dem sie ihn auffordert, sich und seine Truppen über den Kanal zurück zu ziehen.

Bei den französischen Truppen ruft der Plan, eine Frau das Heer gegen den Feind führen zu lassen, Heiterkeit hervor - doch alle sind fasziniert, als Johann in schimmernder Rüstung und hoch zu Ross im Heerlager eintrifft. Die Soldaten bekommen Respekt. Zuerst widerwillig, doch zunehmend begeistert folgen sie der selbsternannten "Trommel Gottes", die sich nicht auf komplizierte Schlachtpläne, sondern vielmehr auf ihre Intuition verlassen will, in dem Kampf gegen die verhassten Engländer.

Hohnlachend hat der englische König das Ultimatum verstreichen lassen, die Belagerung von Orleans zu beenden. Doch die darauffolgende Schlacht und Johannas, wie von göttlicher Hand gelenkter Intuition sollte das englische Heer eines Besseren belehren. Wild wogt die Schlacht hin und her. Und obwohl die englischen Heere geschwächt werden, wollen sie nicht weichen. Wieder werden die Truppen in Stellung gebracht, Wurfmaschinen an den Feind gerollt. Und Johanna selbst erklimmt an der Spitze ihrer Soldaten die Befestigungsanlage - sie wird von einem Pfeil getroffen und schwer verwundet. Dennoch will sie sich weiter in die Schlacht stürzen. Doch Charles Halbbruder Graf Dunois und seine edlen Herren versprechen, auch ohne sie in den Kampf zu ziehen. An diesem Tag hat sie die Herzen der hartgesottenen Männer gewonnen. Nicht wenige unter den einfachen Soldaten würden der Jungfrau fortan bis in die Hölle folgen.

Der nächste Tag kommt und sieht Johanna wieder in voller Rüstung auf dem Pferd und am Feind. Inmitten blutigen Schlachtens meldet sich wieder die Stimme ihres Gewissens ... Der Tag wird gewonnen, die Franzosen siegen, doch glücklich kann Johanna nicht sein. Zuviele Männer sind auf beiden Seiten gefallen, zuviele Grausamkeiten verübt worden.

Die Engländer sind immer noch nicht bereit zu weichen ... erst als ihnen Johanna allein entgegen reitet und sie geradezu anfleht, sich zurückzuziehen, um weiteres Morden zu verhindern, hat der englische König ein Einsehen. Er nimmt seine Truppen zurück.

Nach der Befreiung von Orleans wird Charles VII: feierlich in Reims gekrönt. Sein Traum hat sich erfüllt. Er kann sich vom Volk feiern lassen - und fortan seine eigenen Pläne verfolgen, die sich keineswegs mit der Mission Johannas decken. Denn während der Krieg noch lange nicht beendet ist - Johanna und ihre Truppen kämpfen gegen die Engländer vor Paris, werden auf königliches Betreiben hin bereits Verhandlungen für den Frieden geführt. Die Schlacht von Paris wird zum Desaster. Yolande d'Aragon rät Charles, Johanna nicht mehr zu unterstützen. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen Johanna und Charles VII - und es zeigt sich, dass das Bauermädchen den höfischen Intrigen gegen sie nicht gewachsen seien kann. Nachdem sie alle warnenden Stimmen in den Wind geschlagen hat wird sie bei der Schlacht von Compiègne von den Soldaten des Herzogs von Burgund gefangen genommen.

Im Gefängnis durchleidet Johanna eine demütigende Zeit. Schlimmer noch, auch die Stimme ihres Gewissens meldet sich: Sie hat diesmal keinen Trost, sondern stellt vielmehr Berufung und göttlichen Auftrag in Frage. Und noch bevor Johanna von Orleans von ihren Freunden aus dem Kerker ausgelöst werden kann, wird sie von der katholischen Kirche festgenommen und der Ketzerei und Hexerei angeklagt.

Der Vorwürfe sind viele: Sie habe Männerkleidung getragen, ihr Haar geschnitten und wie ein Mann unter Männern gelebt. Überdies - sie will sich nicht der kirchlichen Gerichtsbarkeit unterwerfen. Man bietet ihr allerdings einen Ausweg. Sie könne ihre Freiheit wiedererlangen, wenn sie allem Irrglauben abschwöre und beichtet. Ein Trick, der auf fatale Weise ihr Schicksal erfüllt. Johanna willigt ein und unterschreibt alles, was die Geistlichen von ihr verlangen. Aber die versprochene Freiheit erlangt sie damit nicht.

Johanna von Orleans wird den Engländern übergeben und am 30. Mai 1431 in Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sie wird nur 19 Jahre alt.

Dirk Jasper FilmLexikon
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