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Irgendwann erwischt es (fast) jeden Mann. Plötzlich, so Mitte 40, schlägt die große Sinnkrise zu. Im Job scheint¹s irgendwie nicht weiterzugehen. Familiär steckt der private Karren auch fest im Sumpf. Und selbst die Bäckersfrau sagt eines schrecklichen Tages nicht mehr: Junger Mann, was wünschen sie? Kurzum: Das Alter hat zum ersten Mal zugeschlagen, bewusst und unerbittlich. Und der eigene mentale Zustand lässt sich am besten mit scheintot umschreiben.Genau das erlebt in dem Oscar verdächtigen Kinodebüt des bekannten englischen Theaterregisseurs Sam Mendes (den übrigens Steven Spielberg für Hollywood entdeckte) Lester Burnham: Ein prachtvoll frustrierter Vorstadt-Bewohner, der in "American Beauty" von seiner Frau (Annette Bening) ignoriert, von seiner Tochter (Thora Birch) gehasst wird und in seinem Büro überflüssig ist. Lester, dessen Sexualleben sich auf morgendliches Onanieren unter der Dusche beschränkt, ist es allerdings durchaus bewusst, dass er ein Loser ist - und in diesem Film kommentiert er dies auch, zwischen Ironie, Zynismus und Verzweiflung schwankend. Aber in aller höchster Not schaut zuweilen ja mal ein süßer Engel vorbei. Diese Rolle übernimmt hier Angela (Mena Suvari), die Freundin von Lesters Tochter. Als er die hübsche Blonde als Cheerleader-Mädel sieht, ist er wie vom Blitz getroffen. Und die Sehnsucht nach diesem Engel weckt längst verschüttete Energien. Schlagartig probt er den Aufstand gegen Gott, die Welt und seine (doch etwas übertrieben einseitig gezeichnete!) Gattin. Jagt die wiederentdeckte alte Macho-Sau durch das Vorort-Idyll, wirft wütend beim früher ach so steifen Familien-Essen den Teller samt Spargel an die Wand. Kündigt seinen Job, erpresst dabei noch schnell eine hohe Abfindung und saust mit dem davon gekauften roten Pontiac Firebird über den Highway. Genau das ist wohl der klammheimliche Wunsch vieler (nicht nur) amerikanischer Männer jenseits der 40, die verzweifelt in Bodybuilding-Studios ihre schlaffen Körper auf jugendlich trimmen, von süßen Lolitas träumen und endlich gern mal mit der Faust auf den Tisch hauen würden. Wie lächerlich und meist ausweglos diese Versuche sind, das zeigt Mendes' Film überaus exakt, ohne dabei die Rebellion der frustrierten Macker zu denunzieren. dass Hollywood nun die Krise des Mannes als Thema entdeckt hat, zuletzt ja im düsteren "Fight Club", davor im bösen "Happiness" und 1992 schon in Michael Douglas' Amoklauf "Falling Down", beweist eigentlich nur wie offensichtlich das Problem in den USA längst ist. Und da es inzwischen sogar einen Mangel an echten Action-Stars gibt, weil die entweder zu alt geworden sind oder keiner mehr die Mär vom einsamen Rächer so recht glauben oder sehen mag, werden nun eben Durchschnittstypen wie Lester Burnham als Anti-Helden an der Kinokasse erfolgreich verkauft. Und wenn nicht der großartige Mime Kevin Spacey diese Rolle übernommen hätte, dann wäre dieser Typ wohl nur ein unerträgliches Ekelpaket. Doch Spacey gelingt es nicht nur die plötzliche Veränderung seiner Figur glaubhaft zu verkörpern, sondern als wild gewordener Kleinbürger behält er stets den nötigen Rest von Selbstdistanz. Und so ist bei aller Albernheit dieser Lester im Grunde ein wirklich netter Kerl, der ja auch die volle Sympathie seines Regisseurs besitzt.
Von der ersten bis zur letzten Minute steht nämlich nur seine Befindlichkeit, seine Krise und seine Versuche sie zu bewältigen, im Mittelpunkt. Die Figuren um in herum sind nur Staffage oder meist bös gezeichnete Karikaturen des amerikanischen Kleinbürgertums. Das kann man diesem Film gewiss vorwerfen, der zudem (genau wie viele Kritiker in ihren Besprechungs-Hymnen) etwas arg vorschnell die Krise des Mannes mit der der Gesellschaft verwechselt. Aber wie Regisseur Sam Mendes dabei raffiniert die Balance hält zwischen Komödie und Tragödie macht seinen traurig witzigen Männerfilm dann doch so sehenswert.
Nachtrag: Um das Lester-Burnham-Fieber auch bei uns so richtig anzuheizen, startet der Film in der ersten Woche nur mit wenigen Kopien. Danach wird die Anzahl der Spielorte und der Kopien jedoch sukzessiv erhöht. Eine Strategie, die schon in den USA erfolgreich praktiziert worden ist.
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