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Filmkritik von Kristina Nicole Götze
Zwei Jahre nachdem wir uns bei "Titanic" die Augen ausheulten, gab es bei den Teenies und Journalisten der diesjährigen BERLINALE nur eine Frage: Kommt er oder kommt er nicht ? Und er kam. Leonardo DiCaprio himself stellte seinen neuen Film "The Beach" vor.Schon in den ersten fünf Minuten würgen die geladenen Stars und Prominenten unter dem Premierenpublikum, als Rucksacktourist Richard (Leonardo DiCaprio) sich darauf einläßt, Schlagenblut zu trinken. Manch zart beseitetes Gemüt, das DiCaprio als Titanic-Reisenden im Gedächtnis hatte, wurde hier auf brutale Weise vom Luxusschiff nach Thailand geholt. In einer versifften Pension trifft Richard das Pärchen Francoise (Virginie Ledoyen) und Etienne (Guillaume Canet). Die beiden fordert er auch auf, mit ihm zu einem Strand zu reisen, von dem ihm sein Zimmernachbar Daffy erzählte und ihm eine Karte des Insel-Paradieses zukommen ließ. Bevor er sich die Pulsadern aufschnitt. Die drei machen sich auf den Weg und finden sich nach einigen Reisestrapazen auf der Insel in einem Cannabis-Feld wieder. Nur knapp entgehen sie den Gewehren der Marihuanabauern und schließen sich einer Kommune junger Menschen an, die sich hier ihr eigenes Paradies geschaffen haben. Doch nun fangen die Probleme erst an: Richard verliebt sich in Francoise, sie läßt sich auf eine Affäre mit ihm ein, und sie werden ein Paar. Doch Kommunenanführerin Sal (Tilda Swinton) hat ebenfalls ein Auge auf Richard geworfen. Das Motto der Kommune ist etwa: "Hast Du Probleme, behalt sie für Dich. Machst Du Probleme, wirst Du exterminiert." So auch der einzige Überlebende eines Hai-Angriffs. Schließlich wird Richard von Sal verbannt, weil er die Karte zum Insel-Paradies weitergegeben hat. Und letztendlich stürmen die Marihuanabauern die Kommune, weil sich Sal nicht an die Abmachung hielt, dass außer ihnen keine anderen mehr auf die Insel kommen. Als Konsequenz sollen alle die Insel verlassen. Sal gibt Richard die Schuld an der Situation und verteidigt ihr Paradies mit allen Mitteln ... Für's Auge ist der Film in jeder Hinsicht ein Genuß: egal, ob man türkisfarbenes Meer liebt, idyllische Strände, kleine Inselgruppen oder Leonardo DiCaprio - jeder kommt auf seine Kosten. Die erste Hälfte des Filmes ist klar strukturiert, man kann sich zurücklehnen und genießen. Als DiCaprio während seiner Verbannung allerdings wie ein Computermännchen im Nintendo-Spiel duch den Urwald rennt, drängt sich einem die Frage auf, ob Boyle seinen Erfolgsfilm "Trainspotting" schon ganz verarbeitet hat. Das dritte Viertel des Filmes ist mehr als schwammig, als Richard mit Albträumen von Daffy geplagt wird. Einen ebenfalls bitteren Nachgeschmack hinterläßt die Erkenntnis, dass das Ende des Films leider gar nicht mit dem Roman von Alex Garland übereinstimmt. Hier wurde gekürzt, geändert, umgeschrieben. Um das bislang reine Image des Titanic-Stars nicht zu beschmutzen? Leonardo, der Teeny-Schwarm der BRAVO-Generation schlechthin, in einem Metzel- und Meuchel-Film, der am Ende abgetrennte Gliedmaßen, zertrümmerte Schädel und Leichenschändung zeigt - undenkbar.
Zumal ihm die Szene aus "The Basketball Diaries", wo er als Jim Carroll hemmungslos mit einem MG im Klassenzimmer herumballerte, schon viele negative Schlagzeilen bescherte. Stattdessen gibt es in "The Beach" - frei nach Screenplay-Autor John Hodge - ein bei weitem unspektakuläreres Ende als bei Garland. Wenigstens blieb uns der Hai-Angriff nicht vorenthalten. Tilda Swinton zeigt sich in "The Beach" von ihrer besten Seite. Und sie hat viele. Auf die Frage bei der anschließenden Pressekonferenz, wie weit sie für ihr Paradies gehen würde, überlegt sie lange und gibt die einzige mögliche Antwort: "Ich weiß es nicht." Wie weit würden Sie gehen ...?
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