Ausführlicher Inhalt zu Erin Brockovich

Szenenfoto Kein Geld, kein Job, kein Kerl ... drei Kinder an der Backe, zweimal geschieden und auch sonst eine unerfreuliche Vergangenheit voll schlechter Erfahrungen: Erin Brockovich, bildhübsch und ehemalige "Miss Wichita", kann nicht sagen, dass sie das Glück gepachtet habe. Gelernt hat sie auch nichts. Sie ist die, die immer zu grell geschminkt, zu laut ist und natürlich zu kurze Röcke mit schwindelerregenden Ausschnitten kombiniert. Doch Erin Brockovichs Engagement ist ungebrochen. Immer wieder bewirbt sie sich aufs neue, steckt die Abfuhren weg und macht weiter. Sie liebt ihre Kinder und sie will nicht aufgeben. Da scheint ihr mit einmal das Glück zu winken: Sie wird von einem Auto angefahren und macht sich Hoffnungen, endlich mal auf dem Klageweg zu einer satten Entschädigungssumme zu kommen.

Aber das Pech klebt an ihr, und ihr vorlautes Mundwerk bringt sie zusätzlich in die Bredouille. Ihr Anwalt, der ein alt gewordener Partner in einer kleinen Kanzlei ist, kann wenig für sie tun. Der Elfmeter wird verschossen! Für Ed Masry ist die aufmüpfige Erin ein Wesen, wie er es noch nie erlebt hat. Und er hat keinen Bedarf an Fortsetzung. Ihr Fall und sie selbst werden bald aus seinem Leben verschwinden, und er kann sich wieder dem Golfspielen widmen.

Ein glatter Fehlschluß! Denn Erin, die diesmal wirklich nicht mehr weiter weiß, geht den Anwalt mit einer Forderung um einen Job an und hat Glück. Ed Masry selbst fragt sich schon Minuten später, wie es dazu kommen konnte. So zieht Erin mit ihren High-Heels und gürtelbreiten Röckchen selbstbewußt in die Kanzlei ein und hat sich binnen kürzester Zeit den Haß aller weiblichen Angestellten zugezogen. Doch Erin, die sich richtig reinhängt, Zeit und Energie investiert, um Job und Kinder unter einen Hut zu bekommen, stolpert mit einemmal über Unterlagen medizinischer Art, die scheinbar falsch bei den Akten zu einem Immobiliengeschäft abgelegt sind. Neugierig wie sie ist, fragt Erin Ed, ob sie ein paar Recherchen in dem Fall anstellen dürfe. Der Anwalt, gerade ein wenig absorbiert durch sein Telefonsex-Gespräch, gibt die Erlaubnis, damit sie möglichst rasch aus seiner Nähe verschwindet.

Und Erin zieht los. Ihr Glück, dass sie mit ihrem neuen Nachbarn, dem arbeitslosen Biker George, eine Seele von Mensch getroffen hat, der bereit ist, sich um die Kinder zu kümmern. Mit der Präzision eines abgebrühten Profis macht sich Erin Brockovich an die Ermittlungen. Und was sie innerhalb kurzer Zeit herausfindet, weckt Wut und Empörung in ihr.

In der kleinen kalifornischen Stadt Hinkley, direkt in der Wüste gelegen, hat die Firma PG&E seit Jahren giftige Chromsubstanzen in das Grundwasser geleitet und die Bevölkerung im großen Stil vergiftet. Krebserkrankungen häuften sich, und natürlich versuchte die Firma, bei der auch nahezu alle Menschen des Städtchens beschäftigt sind, all das zu vertuschen. Der Fall der sympathischen Donna Jensen, die seit Jahren immer neue Erkrankungen erleidet, ist beispielhaft für den ganzen Skandal. Über sie lernt Erin andere Bewohner Hinkleys kennen. Überall das gleiche Bild: Unermessliches Leid, schreckliche Krankheiten - und alle Betroffenen haben ähnliche Immobiliendeals mit dem milliardenschweren Konzern, der die Menschen auf billige Weise mit Almosen ruhig stellen wollte.

Typisch Erin, dass sie mit Akribie ihre selbstgestellte Aufgabe erfüllt und über eine Woche nicht im Büro erscheint. Als sie wieder auftaucht, schlägt die Stunde der Kolleginnen. Mit gehässiger Häme und triumphierend teilen sie ihr mit, dass sie entlassen ist. Wutschnaubend über soviel Undank wirft Erin Ed ihre Unterlagen an den Kopf, als er die Entlassung bestätigt. Doch der Zustand wird nicht lange dauern.

Schon bald darauf steht Ed vor ihrer Tür. Er hat die Unterlagen gelesen und ist elektrisiert. Dieser Konzern PG&E hat sich in Hinkley im großen Stil über jedes Recht und Gesetz hinweggesetzt. Während man den Bewohnern erzählte, dass die im Wasser nachgewiesenen Chemikalien zu ihrer Gesundheit beitrügen, haben die Manager heimlich still und leise die Grundstücke aufgekauft. Gleichzeitig sind immer mehr Menschen ernsthaft erkrankt. Dieser Fall ist eine Goldgrube - und gleichzeitig eine Herausforderung voller Tücken und Fallstricke. Eine kleine Kanzlei kann sich nicht einfach mit einem Megakonzern und dessen beinharter Rechtsabteilung anlegen. Erin läßt aber nicht locker. Sie überzeugt Ed. Und sie geht die Bewohner Hinkleys an. Zuerst sind die Einwohner nicht unbedingt der Meinung, dass sie juristische Schritte einleiten sollen, aber so nach und nach können sie für den Kampf im eigenen Sinne gewonnen werden.

Erin, die sich mit Feuereifer in die Sache gestürzt hat, verändert sich im Laufe der Arbeit. Sie wird selbstbewußter, sicherer - und sie wird ein Workaholic, der seine Kinder vernachlässigt. Immer häufiger gerät sie mit George aneinander, der längst ihr Geliebter und Lebenspartner geworden ist - und der diese Rolle inzwischen keineswegs mehr erbaulich findet. Doch Erin ist in einen Mehrfrontenkrieg verwickelt, der ihr ganzes Leben bestimmt: Es gibt Konkurrenzkämpfe in der Kanzlei, weil Ed Masry einen neuen Partner mit einer hochnäsigen Anwaltstussi in den Fall einbezogen hat. Der Konzern wehrt sich mit Drohungen, gleichzeitig sind 600 Geschädigte zu überzeugen - und dann macht auch noch George Schwierigkeiten. Aber Erin wäre nicht Erin, würde sie sich einschüchtern lassen!

Dirk Jasper FilmLexikon
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