Produktionsnotizen zu Ein Date zu dritt

Die bizarre Liebesgeschichte Ein Date zu dritt hat Drehbuchautor Rodney Vaccaro am eigenen Leib erlebt: Als Creative Director einer großen Werbeagentur lernte Vaccaro Joan kennen, die zu der Zeit mit seinem Chef zusammenlebte. Eine Reihe von "sexuellen Irrtümern" (wie er sich ausdrückt) führte dazu, dass Vaccaro und Joan schließlich heirateten. Damit war auch die Idee zu seinem Drehbuch Ein Date zu dritt geboren.

Auch für die Produzentin Bettina Sofia Viviano war der lange Weg vom Drehbuch auf die Leinwand eine Liebesarbeit. 1990 sicherte sich Viviano eine Option auf das Drehbuch und ging mit ihm in den folgenden acht Jahren durch dick und dünn: Verträge und Fast-Verträge, die einem wie ein abenteuerliches Roadmovie vorkommen - was in Hollywood gar nicht so ungewöhnlich ist. Zwischendurch kamen Keri Selig (später Co-Produzentin) und Larry Abramson (Gesamtleitung) an Bord und sicherten sich die Produktionsfirma Outlaw als Partnerin.

Viviano erinnert sich: "Egal wie viele Leute mitmachten oder auch wieder absprangen - ich habe mich immer voll und ganz für das Drehbuch eingesetzt. Nach wie vor bin ich begeistert davon, ich habe von Anfang an fest dran geglaubt und mich in meinem Enthusiasmus nie beirren lassen. Denn ich wusste: Daraus entsteht ein verdammt guter Film." Produzent Jeffrey Silver hatte mit Bobby Newmyer, seinem Partner bei Outlaw Productions, gerade In Sachen Liebe mit Meg Ryan und Matthew Broderick fertig gestellt. Ihn beeindruckte an Ein Date zu dritt speziell der abgedrehte und gleichzeitig realistische Ansatz innerhalb eines Konzepts, das ansonsten durchaus einer traditionellen romantischen Komödie entspricht.

"Die spannende und unterhaltsame Geschichte sieht das Leben durch eine ungewöhnliche Brille", erklärt Silver. "Eine Komödie, in der die Geschlechterrollen infrage gestellt werden, interessiert mich - nicht wegen des Themas Geschlechterrollen, sondern weil wir dadurch Gelegenheit bekommen, das Leben aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen. Oscars Leben steht Kopf, und durch ihn erleben wir die Welt mit anderen Augen."

Newmyer fügt hinzu: "Der einzigartige, originelle Dreh des Skripts besteht darin, die beiden Hauptfiguren immer voneinander fern zu halten. Natürlich passiert das Schlimmste, was im Konzept des Films nur passieren kann: Oscar verliebt sich endlich doch, aber er kann sich seiner Angebeteten nicht offenbaren, weil er damit seine Karriere aufs Spiel setzt. Er lebt plötzlich in einem Kartenhaus und mußs verzweifelt aufpassen, dass es nicht zusammenfällt. Und gleichzeitig drängt es ihn, das ganze Ding einfach umzupusten." Für dieses in jeder Hinsicht außergewöhnliche Projekt suchten Silver und Newmyer nun den richtigen Regisseur: Nicht nur die richtige Prise Humor war gefragt, sondern auch Gespür für den aparten Touch der Story. Damon Santostefano hatte einige beeindruckende Referenzen vorzuweisen: seine mit dem Kabel-TV-Preis ausgezeichnete Serie "Pete & Pete" auf dem Sender Nickolodeon, seinen einfallsreichen Pilotfilm "Love Dies and Then You Do" auf MTV, die Serien "Clueless" (Clueless - Die Chaoten-Clique) und auf Comedy Central "Bob and Sully".

"Damons Ansatz ist originell - er arbeitet wie ein Kinoregisseur", erklärt Silver. "Er vermeidet ausgetretene Pfade, manchmal ist er respektlos und komisch bis zur Bösartigkeit. Als Filmemacher regiert er mit sicherer Hand, mit ausgezeichnetem Gespür für Timing. Uns war also von vornherein klar: Was Damon auf die Beine stellt, wirkt unverbraucht, witzig und echt originell." Schon bei der ersten Lektüre des Drehbuchs fing Santostefano Feuer: "Es ist tierisch komisch, aber man kann es auf verschiedenen Ebenen lesen - Slapstick-Elemente stehen neben Sozialkritik, dazu gibt es sehr zu Herzen gehende Momente zwischen den Helden, die erst lernen müssen, wie man sich verliebt. Die Autoren schlagen einen cleveren komödiantischen Ton an: Trotz der ausweglosen Situationen bleiben die Figuren emotional immer glaubwürdig."

Nachdem Santostefano an Bord war, konzentrierten die Filmemacher sich auf die Besetzung der Rollen: Die Darsteller sollten in jeder Phase menschlich überzeugen und realistisch wirken, gleichzeitig aber auch jeden Gag des Skripts bis zum Anschlag ausspielen. Für die zentrale Figur des Oscar, des unglücklich verliebten Architekten, der sich heillos in seine Lebenslüge verstrickt, wünschten sich die Filmemacher Matthew Perry. "Schon als das Projekt noch in unserem Hinterkopf herumspukte, als wir uns erstmals ernsthafter mit dem Skript befassten, machten wir Matthews Manager Avancen", lacht Newmyer. "Das war bereits ein ganzes Jahr vor seiner eigentlichen Besetzung. In unseren Augen war und ist er der Einzige, der diese Rolle spielen kann." "Es gibt außer Matthew keinen Schauspieler, der so ironisch und gleichzeitig absolut verletzlich wirkt", erklärt Santostefano. "Dazu zeigt er in dramatischen Szenen eine erstaunliche Bandbreite."

Matthew Perry spielt seine bekannteste Rolle als Chandler Bing in der TV-Serie Friends. Er erkannte sofort, dass er mit Ein Date zu dritt schauspielerisch zu neuen Horizonten vorstoßen würde. "Ich warte lieber, bis ein gutes Drehbuch auftaucht. Wenn die Rolle keinen Spaß bei der Arbeit verspricht, kommt sie nicht infrage. Den Ausschlag bei diesem Film gab letztlich die außergewöhnliche Dynamik meiner Rolle. Die intime Nähe zu Frauen hat Oscar immer schon zu schaffen gemacht. Aber plötzlich mußs er so tun, als ob er schwul wäre - und endlich kann er eine Frau wirklich kennen lernen, bis er sich schließlich ehrlich verliebt."

Die Filmemacher boten Neve Campbell die Rolle der attraktiven und temperamentvollen Amy an - sie steht im Zentrum des Liebesdreiecks von Ein Date zu dritt. "Neves Sex-Appeal ist unübersehbar", erklärt Silver. "Und ihre Starqualitäten haben sicher nichts mit ihrer Jugend zu tun. Sie hat das gewisse Etwas: auf Anhieb sympathisch, also ganz wie Amy. Als Amy verliebt sie sich in einen Mann, den sie für schwul hält, während sie mit einem anderen, verheirateten Mann eine Affäre hat. Ihr größtes Problem ist, mit beiden Beinen auf der Erde zu bleiben. Wie sie das bewerkstelligt, ist einfach traumhaft."

Santostefano schloss sich der einstimmigen Wahl an: "Neve verleiht Amys Charakter unerwartete, erfrischende Tiefe. Gleichzeitig kann sie echt komisch sein. Ihr exzentrischer Humor deckt sich hundertprozentig mit der Rolle."

Neve Campbell hat mit der hoch gelobten langjährigen TV-Serie Party Of Five einen starken Eindruck gemacht, der sich im Kino mit den ultra-hippen Thrillern Scream - Schrei!, Scream 2 und Wild Things voll bestätigt. Sie war ganz versessen darauf, auf der Leinwand einmal locker sein zu dürfen - mit Betonung auf Spaß. "Die Amy unterscheidet sich völlig von meinen aktuellen Rollen - alle waren eher heftig. Nicht dass ich was dagegen hätte, aber ich möchte auch mal Frauen spielen, die was Lustiges erleben. Die Komödie unterscheidet sich total von den dramatischen Filmen, mit denen ich sonst identifiziert werde. Also habe ich natürlich die Gelegenheit beim Schopf gepackt, um meinen Horizont zu erweitern und mein grimmiges Image abzulegen: Ich darf witzig sein, ich darf lachen und mich verlieben. In diesem Film gibt es keine Toten, niemand wird terrorisiert. Und zum ersten Mal in meiner Karriere spiele ich keine Waise."

Nachdem Perry und Campbell als Oscar und Amy unterschrieben hatten, wurde über die Besetzung des mächtigen Industriellen Charles Newman diskutiert. Newmyer erinnert sich: "Besetzungstechnisch war Charles unter den vier Hauptrollen die schwierigste. Der Mann hat als Großindustrieller in Chicago zig Millionen verdient. Realistisch gesehen kann dieser Mann solch einen Erfolg erst im Alter von etwa Ende 30, Anfang 40 verbuchen. Außer Dylan McDermott gibt es niemanden, der so schneidig, so unwiderstehlich anziehend wirkt, dass man ihm die Beziehung zu Amy sofort abnimmt. Gleichzeitig verbreitet er eine Atmosphäre von Power, Selbstsicherheit und Gelassenheit, die ihn als einen exemplarischen Machtmenschen von heute erscheinen lässt."

Silver unterbricht ihn mit einem Lachen: "Das íPeople Magazineå hat Dylan McDermott als ,flüssigen Sexå beschrieben. Der Mann ist aalglatt: Als Tycoon an den Schalthebeln der Macht wirkt er absolut überzeugend, und trotzdem bleibt er echt witzig und charmant. Dylan vereint in sich ein jugendliches Image mit dem Savoirfaire eines James Bond."

Das "vierte Rad am Wagen" im Liebesdreieck des Films, Oscars Geschäftspartner Peter Steinberg, erscheint als Kombination aus Ulknudel, Gegenpol zu Oscar (Perry) - denn Peter macht kein Geheimnis daraus, dass er schwul ist - und mahnender Stimme der Vernunft. Oliver Platt kann sich derzeit vor Angeboten in Hollywood kaum retten. Aber er sah sich von der nicht einfachen Aufgabe herausgefordert, dieser Figur Leben einzuhauchen. "Oliver bewegt sich auf einem schmalen Grat", kommentiert Silver. "Er spielt eine komische Rolle, ohne je in die Karikatur abzurutschen. Er wirkt überdreht, bleibt aber immer mit beiden Beinen auf der Erde. Oliver hat die erstaunliche Fähigkeit, in seinen Rollen immer einen echten Menschen durchscheinen zu lassen." Santostefano kann dem nur zustimmen: "Oliver überrascht uns immer wieder. Ständig kam er mit neuen Ideen für seinen Part als Architekt und Workaholic. Er spielt die Rolle intelligent, komisch und mit großer Geste."

Üben, Üben, Üben Als die Darsteller feststanden, leistete sich das Ein Date zu dritt-Team eine unüblich lange und außergewöhnlich kreative Vorbereitungsphase mit Proben und Experimenten. Regisseur Santostefano lud alle Stars ausdrücklich ein, ihre Rollen aktiv mitzugestalten. "Der Arbeitsprozess im Team liegt mir besonders", erklärt Santostefano. "Und ich lasse die Darsteller gern ihre Dialoge improvisieren. Diesen Prozess wollte ich so schnell wie möglich in Gang setzen, damit wir möglichst bald ein wasserdichtes Skript vorliegen hatten. Glücklicherweise durfte ich mit Schauspielern arbeiten, die sich sehr engagiert in die Gestaltung ihrer Rollen einbringen. Meiner Meinung nach hilft ihnen meine Improvisationsmethode, ihre Rollen zu finden und wahrhaft mit ihnen eins zu werden. Aber natürlich geht es auch darum, eine intime Atmosphäre aufzubauen: Die Chemie mußs stimmen."

Newmyer und Silver haben schon etliche Filmhits produziert, und sie fanden die lange und intensive Probenphase bei Ein Date zu dritt höchst gewöhnungsbedürftig. "Auf jeden Fall ist das Ergebnis von ,Tango, in erster Linie auf die Probenarbeit zurückzuführen - ganz anders als bei all den anderen Filmen, die wir produziert haben", resümiert Newmyer. "Während der Proben gab es ständig Vorschläge der Darsteller und des Regisseurs - daraufhin wurden zahlreiche Änderungen ins endgültige Drehbuch eingearbeitet."

Am ersten Probentag erschien Matthew Perry mit umfangreichen Notizen zu Oscar. "Schon als ich das Rollenangebot bekam, analysierte ich Oscar und machte eine Liste von Vorschlägen, die ich mit Damon diskutieren wollte", erklärt Perry. "Daraus entstand Oscars Vorgeschichte. Man kann das Damon gar nicht hoch genug anrechnen: Er hat sich als Regisseur nicht nur mit allen meinen Vorschlägen ernsthaft auseinander gesetzt, sondern mich auch immer wieder aufgefordert, die Rolle weiter auszuloten, zu intensivieren, zu experimentieren. Das ging auch während der Dreharbeiten ständig so weiter - eine tolle Erfahrung. Zusammen haben wir Oscars Lebensgeschichte von seinen Kindertagen an entwickelt."

Während der Proben formte Neve Campbell Amys Charakter: "Ich wollte ihr spezielle Eigenarten verleihen, sie sollte ein bisschen verrückt sein, jedenfalls nicht einfach nur die ,Normale, unter all den komischen Typen im Film. Von mir stammen ihre Angewohnheiten, die sehr komisch wirken, ihr aber auch Charakter verleihen. Es war sehr kompliziert, diese Balance zu halten: Amy hat das starke Bedürfnis, unabhängig zu bleiben, aber sie sehnt sich auch nach Liebe und Geborgenheit."

Perry sagt: "Als ich mich ganz am Anfang mit Neve zusammensetzte, entwickelte sie jede Menge umwerfender Ideen, die genau ins Schwarze trafen. Wer sie bisher nicht für witzig gehalten hat, wird sehr überrascht sein. Sie ist sogar sehr komisch und hat ein tolles Gespür für Timing. Sie gehört zu den wenigen Kollegen, die sowohl in dramatischen als auch in komischen Rollen überzeugen." Als Dylan McDermott bei den Proben erschien, offenbarte er ein Geheimnis. McDermott ist neben seiner Hauptrolle in der starken Serie "The Practice" eher für dramatische Hau-drauf-Rollen als für Komödien bekannt. "Dylan wirkt eher wie ein Schönling, Fachbereich Drama", sagt Perry. "Wer konnte ahnen, dass er derart witzig ist? Als er loslegte, hielten wir uns die Bäuche vor Lachen."

McDermott war froh, dass die Sommerpause eine lustige Abwechslung von der drehbuchgerechten Hektik seiner wöchentlichen TV-Serie versprach - er wollte das Beste daraus machen und stürzte sich mit großem Engagement auf die Rolle: "Ich versuche jeder Rolle meinen persönlichen Stempel aufzudrücken. Glücklicherweise ließ mir Damon jede Menge Freiheit, spielerisch zu experimentieren. Erstmals darf ich meinen persönlichen Humor in eine Rolle einbringen. Also versuche ich, Charles so unverwechselbar, abgedreht und komisch wie nur möglich zu gestalten. Ich habe aus dem Mann einen echten Freak gemacht, der zwanghaft davon besessen ist, alles zu kontrollieren. Jeden Vertrag erweitert er durch Zusätze und Ergänzungen, und wenn er irgendetwas anfasst, mußs er sich sofort die Hände waschen. Auch in der prekärsten Situation hält ihn nichts davon ab, zum Reinigungstuch zu greifen."

Santostefano stellt fest: "Dylan hat selbst einen ganz bösen, trockenen Humor, und er bringt eine ganze Menge davon in die Charles-Rolle ein. Schwer zu beschreiben, wie witzig Dylan wirklich ist. Aber mit seinem Humor trifft er diese überlebensgroße Figur exakt auf den Punkt, er macht Charles glaubwürdig, sympathisch und in jeder Phase interessant."

Glashäuser

Als Künstlerin Amy arbeitet Neve Campbell mit Glas, das heißt, sie mußs vor der Kamera tatsächlich mit echtem geschmolzenem Glas hantieren. Das sollte auf der Leinwand überzeugend rüberkommen; sie mußste deswegen die technischen Fertigkeiten wenigstens so weit beherrschen, dass sie auch sicher mit Ofen und Materialien umgehen konnte, die auf über 1000° C erhitzt werden. Also absolvierte sie eine ganze Reihe von Intensivkursen und eignete sich alle Aspekte des Glasblasens und Glasgießens an.

Sie erwies sich dabei sofort als Naturtalent und beeindruckte ihre Lehrer derart, dass sie eingeladen wurde, am Glasbläser-Kurs des renommierten Sheridan College in Canada teilzunehmen. Einer ihrer Lehrer stellte stolz fest: "Falls Neve jemals von der Schauspielerei genug hat, dann hat sie eine große Zukunft in der bildenden Kunst."

"Glasblasen ist eine unglaubliche Kunst", sagt Neve Campbell. "Man wird besonders gefordert, weil es dabei höchst gefährlich werden kann. Ich fand es extrem schwierig, während dieser Szenen völlig cool zu erscheinen - es mußste ja so aussehen, als ob ich das jeden Tag mache. Aber mal abgesehen von der Gefahr: Die Werkzeuge sind sehr schwer, man braucht für die Arbeit rein physisch eine Menge Muskeln. Glücklicherweise habe ich jahrelang als Tänzerin trainiert. Durch das Training konnte ich genug Kraft und Durchhaltevermögen aufbringen, selbst wenn es effektiv nur wenige Werkstücke sind, an denen ich im Film arbeite."

Eine spezielle Kunstfertigkeit mußsten sich Matthew Perry und Oliver Platt für Ein Date zu dritt zwar nicht aneignen, aber immerhin sollten sie als Architekten überzeugen. Platt kam bereits mit sehr präzisen Architektur-Kenntnissen zu den Dreharbeiten: "Echt komisch, aber fast alle meine Verwandten scheinen Architekten zu sein. Mein Urgroßvater und mein Großvater waren zu ihrer Zeit sehr bekannte Architekten. Etliche meiner Cousins und Onkel arbeiten ebenfalls in der Branche. Aber wahrscheinlich habe ich am meisten über Architektur gelernt, seitdem ich mein eigenes Haus ständig renovieren lasse. So wie meine Familie immer größer wird, bauen wir immer wieder um." Mit Platts genetisch bedingten Vorteilen kann Perry nicht mithalten - er stürzte sich ganz einfach in eine handfeste Recherche seiner Rolle. "Die Serie Friends ist ja nun mal ein Monsterhit, der mich übers Jahr ganz schön auf Trab hält. Ich hatte also nicht die Zeit, Architektur zu studieren", sagt Perry. "Aber unser Regisseur war so nett, mir ein gewaltiges Paket mit Zeitschriften und Büchern zum Thema zu schicken. Das alles war auch äußerst interessant, aber dennoch glaube ich nicht, dass ich mich in absehbarer Zeit darum reißen werde, Häuser zu entwerfen."

Laut Drehbuch sehen sich Oscar und Peter gezwungen, ein großes maßstabgetreues Modell ihres Entwurfs für Charles Newmans neues Projekt zu erstellen. Das Stichwort im Skript reichte, und die beiden Schauspieler machten sich daran, in der Praxis auszuprobieren, was sie gelernt hatten. Am ersten Drehtag in Toronto beschlagnahmten Perry und Platt eine große leere Studiohalle und werkelten dort viele Stunden mit einem Luxus-Baukasten für Kinder herum. "Wir haben einen Giraffen-Hypnotiseur gebaut", erklärt Perry. "Eigentlich sollte es ein großer Kran werden, aber das Ergebnis ist sogar noch besser! Das Gerät besteht aus einem komplizierten Flaschenzugsystem, mit dem die Giraffe angelockt wird. Dann legt man einen Hebel um, ein Pendel schwingt hin und her und versetzt das Tier in Trance. Jedenfalls war es höchste Zeit, dass jemand so ein Ding konstruiert."

Der Film wird gebaut

Weil sich Ein Date zu dritt im Milieu von Künstlern und Architekten abspielt, konnten die versierten Macher hinter den Kulissen aus dem Vollen schöpfen: Produktionsdesigner David Nichols kreierte für jede der Hauptfiguren ein Ambiente, das er als "real, aber grandios" beschreibt.

Zum außergewöhnlichen Look des Films gehören vor allem einige nicht alltägliche Schauplätze, zum Beispiel ein voll funktionsfähiges Glasbläserstudio und zwei umfangreiche Architekturmodelle, die dem Ausstattungsteam ihr ganzes Können abverlangten. Amys Glasstudio war in allen Funktionen voll einsatzfähig, man richtete es in einer hundert Jahre alten stillgelegten Schnapsbrennerei im Zentrum von Toronto ein. Der Großteil der Dreharbeiten fand nämlich in Toronto statt, nur das 2. Drehteam lieferte einige Aufnahmen aus Chicago. Um die Öfen und das Glory Hole (ein spezielles offenes Glutloch, über dem das Glas immer wieder erhitzt wird, während man es bearbeitet) dort installieren zu können, mußste das historische Gebäude wegen der strikten Feuerschutzbestimmungen komplett umgebaut werden. Die Öfen werden bei der Arbeit ständig auf einer Temperatur von 1370° C gehalten. Voraussetzung dafür ist, dass sie fast eine ganze Woche vorgeheizt werden müssen, um diese Temperatur zu erreichen. Während des gesamten Einsatzes der Öfen kontrollierte eine Feuerwache das Gebäude rund um die Uhr.

Die beiden Modelle der Entwürfe für das Kulturzentrum entstanden in großem Maßstab - sie bilden den Mittelpunkt des Wettbewerbs, den Oscar und Peter gegen Decker und Strauss austragen müssen. 16 Modellbauexperten und Tischler arbeiteten einen Monat lang an den beiden Modellen. Zusammen beanspruchen diese fast 60 Quadratmeter Stellfläche bei einer Höhe von über 2 m. Größten Wert legten die Künstler auf akribische Details: Die Türen lassen sich richtig öffnen, Ornamente wie die fein ausgearbeiteten Simse auf den Dächern wurden in winzige Formen gegossen. Sogar computergesteuerte Laser kamen zum Einsatz, mit ihrer Hilfe schnitt man die filigranen Eisenverzierungen für die Modellfenster zu. Nachdem die Modelle fertig waren, fiel ein Elektrikerteam über sie her und installierte eine computergesteuerte Beleuchtungsshow in beiden Bauwerken. Wie aufwendig die Beleuchtung tatsächlich war, merkt man daran, dass in jedem der Modelle mehr einzelne Glühbirnen installiert waren, als bei der Ausleuchtung der Studiodekorationen zum Einsatz kamen. Diese geballte Lichtanlage heizte die Modelle derart auf, dass man ein spezielles Kühlsystem einsetzen mußste.

Kamera läuft

Als die Kameras endlich liefen, fühlten sich die Darsteller aufgrund der wochenlangen Proben ganz in ihrem Element - die Dreharbeiten waren von einem bemerkenswerten Teamgeist geprägt. Worum sich Regisseur Santostefano schon bei der Vorbereitung intensiv bemüht hatte, erwies sich während der Dreharbeiten weiterhin als goldrichtig: Zusammenarbeit wird bei ihm groß geschrieben. Der künstlerische Freiraum erlaubte dem Darstellerteam, weiter an ihren Rollen zu feilen und während der gesamten Produktionsphase zu improvisieren. "Es lief einfach großartig", erinnert sich Santostefano. "Alles ergab sich spielerisch aus der Arbeit. Mir hat das riesig Spaß gemacht, und alle konnten ihre Kreativität voll einbringen. Dadurch wirkt jede Szene spontan und lebendig."

In der Geschichte geht es allerdings durchaus nicht immer nur lustig zu. "Beim Ausgestalten der komischen Szenen hat mir Damon die Zügel echt locker gelassen", meint Perry. "Aber natürlich gibt es auch sehr ernsthafte Szenen im Film - und nicht zu knapp. Dabei wurde mir anfangs etwas mulmig, weil ich mit Neve vor der Kamera stand, und sie ist ja in ihrer Serie die sprichwörtliche ,Miss Drama,. Aber statt mich einzuschüchtern, hat sie mich in diesen Szenen sehr unterstützt. Ihr ist es zu verdanken, dass ich mich beim Dreh echt wohl fühlte."

Auf die ersten dramatischen Szenen ihres Partners angesprochen, antwortet Neve Campbell: "Matthew ist ein Profi mit geradezu erstaunlichem Talent. Er arbeitet unglaublich konzentriert; er macht zwar seine Witzchen am Set, aber dennoch nimmt er die Sache äußerst ernst. Und den Kollegen gegenüber erweist er sich immer als zuvorkommend und hilfsbereit. Aber am besten gefiel mir, dass er mich ständig zum Lachen brachte." Perry grinst, als er erzählt: "Neves größter Pluspunkt ist ihr tolles Lachen. Damit dominiert sie den Saal. Im Grunde habe ich während der gesamten Dreharbeiten ständig alles versucht, nur um ihr Lachen zu hören. Denn das hat bei den Proben und während des Drehs am meisten Spaß gebracht: wenn ich sie zum Losprusten brachte. Wenn mir das gelang, dann war ich selbst auch witziger." Und einen extra Bonus bekam Matthew Perry auch: "In Friends darf ich Courtney Cox küssen, und hier in Ein Date zu dritt verliebe ich mich laut Drehbuch in Neve Campbell. Was Besseres kann mir doch gar nicht passieren."

Neben dem Spaß schätzte Neve Campbell vor allem den ungewohnten Rhythmus ihrer Rolle: "Was das Tollste an diesem Film war? Ich durfte neue Erfahrungen machen, für mich selbst die Messlatte höher hängen, großartige Kollegen kennen lernen und eine Menge lachen." Am letzten Drehtag resümiert Santostefano: "Physisch war es ein Schlauch, aber gleichzeitig eine sehr anregende Erfahrung. Ich fühle mich toll, so kaputt ich auch bin. Es war ein durchgängig spannendes Vergnügen zu beobachten, wie die Schauspieler zusammenarbeiteten und sich gegenseitig die Bälle zuwarfen. Im Zentrum von Ein Date zu dritt wirken Matthew und Neve derart komisch und charmant, dass ich es gar nicht erwarten konnte, morgens aufzustehen und wieder loszulegen. Ich weiß - das klingt platt. Aber Sie müssen¹s mir einfach glauben."

Dirk Jasper FilmLexikon
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