Edward übermalt stets ein Bild, das nie fertig wird und somit unverkäuflich ist. Man sollte sich schämen, ein Bild fertig zu machen. Was vollendet ist, verendet. Und schließlich liegen Signieren und Resignieren nah beieinander.
Er bezweifelt nicht nur die Möglichkeit der Vollendung, sondern die Daseinsberechtigung des Künstlers überhaupt: Wo alle kreativ sind - vom Banker bis zum Modedesigner - hat der Künstler den Schöpfer-Bonus verloren. Und wo niemand weiß, was Kunst ist, wird es lächerlich, sich Künstler zu nennen.
Poser, sein Galerist und Sponsor, weiß das schon lange. Er handelt mit Fälschungen und ist ein Zyniker mit politischen Ambitionen, der lieber schöne Lügen als hässliche Wahrheiten verbreitet - er fördert Edward und bekämpft ihn doch zugleich.
Immobilien-Makler machen den Maler mobil. Edward räumt den Elfenbeinturm und versucht - ein letzte Mal und gegen Poser - im Kunstmarkt mitzumischen, indem er sein Bild ausstellt und verkaufen will. Aber äußere Umstände bestätigen, was er innerlich längst vollzogen hat: Die Kunstwelt ist ihm fremd geworden.
Er wechselt Kleidung, Frisur, Beruf und Geliebte. Er macht Schluss mit der scheinbaren Freiheit der Kunst und fügt sich in die Wonnen eines geregelten Lebens. Der Aussteiger wird zum Einsteiger. Aber auch das ist nur Inszenierung, eine Selbstübermalung, ein Selbstversuch. Die Ideen von Freiheit und Kunst sind nicht abzuschaffen.
Filmkritiken
Dirk Jasper FilmLexikon: "Fisimatenten" ist eine ironisch lustvolle Parabel über ein Leben für die Kunst und die Kunst zu leben, über Geld, Liebe und die Freiheit der Fantasie.
Der Spiegel 2000-22: Wann ist ein Gemälde fertig? Der Hamburger Maler und Filmemacher Jochen Kuhn, 45, will die fatale Frage umgehen. Er hat ein Trickverfahren entwickelt, bei dem man allen Phasen der Entstehung eines Gemäldes zusieht. Bisher hat Kuhn nur Kurzfilme gedreht, jetzt wagt er einen Spielfilm, in dem - leider - nur noch sporadisch gestrichelt wird. (...) dass Kuhns Film selbst den Charme des Delittantisch-Unfertigen ausstrahlt, wirkt dabei nur einleuchtend.
film-dienst 2000-12: Die Blicke auf die zeitgenössische Kunstszene entbehren nicht eines gewissen Sarkasmus', der durch spielerische Eleganz immer wieder geboren wird. Die leise, fröhliche Ernsthaftigkeit erscheint als reizvoller Widerpart zur oberflächlichen Event- und Spaßkultur.