Produktionsnotizen zu Und das ist erst der Anfang

Fred Schuler, Michaela Merten, Pierre Franckh Die Sehnsucht nach dem eigenen Projekt Pierre Franckh, der schon als Kind auf der Bühne gestanden hat, blickt heute auf eine mehr als vierzigjährige Erfahrung im Theater- und Filmbusiness zurück. Und wie viele seiner prominenten Schauspieler-Kollegen verspürt er seit einiger Zeit die Lust, eigene Filme zu machen und dabei bewusste Akzente zu setzen. Deshalb gründete er im April 1998 zusammen mit Michaela Merten, seiner Ehefrau, die Talking Stick Film Productions.

Der Name hat durchaus symbolische Bedeutung, denn der Talking Stick verweist auf ein uraltes Stammesritual: Den Sprechstab nahm derjenige zur Hand, der in großer Runde das Wort ergriff, und Pierre Franckh und Michaela Merten lassen bereits mit ihrem ersten Filmprojekt keinen Zweifel daran, dass sie eine sehr persönliche Botschaft an das Kinopublikum richten.

Die persönliche Botschaft Pierre Franckh hat mit "Und das ist erst der Anfang" im Frühjahr 1999 eine romantische Liebesgeschichte par excellence geschrieben. Bereits früher hat er Theaterstücke verfasst, und ein zweites fertiges Drehbuch wartet nun auf seine Verfilmung. Aber es gab einen besonderen Grund, gerade mit diesem Projekt seine Regisseurs- und Produzenten-Laufbahn zu beginnen.

Beim Schreiben des Drehbuchs konnte er sich auf persönliche Erfahrungen berufen, und ein wichtiges Motiv für diesen Film war es, dem Publikum den Glauben an die Liebe zurückzugeben: "Mein Ziel ist es, Emotionen zu wecken", sagt er, "und dem Publikum zu zeigen, dass es sie gibt, die wahre Liebe. Ich wollte, dass die Leute heiter und beschwingt aus dem Kino kommen und sich einfach trauen, das zu leben."

Intimität versus Grossstadthektik Es berührt mitzuerleben, wie Anna und Michael sich im Verlauf eines Telefongesprächs, das nur durch einen Zufall zustande gekommen ist, immer näher kommen, immer persönlichere Dinge preisgeben, bis zwischen ihnen eine elektrisierende Spannung und eine zärtliche Vertrautheit entsteht. Gerade um diese magischen Momente im Leben, die so selten und darum um so wertvoller sind, kreist die Geschichte, die Pierre Franckh in seinem ersten Film erzählt.

Die Zeit scheint stillzustehen, wenn die beiden Hauptfiguren zusammentreffen, während draussen gleichzeitig das Leben der Großstadt pulsiert. Das zärtliche Flirren, das die Atmosphäre zwischen den Liebenden bestimmt und das die Kamera in einfühlsamen Nahaufnahmen einfängt, wird im Film immer wieder ganz bewusst gegen das nervöse Flimmern der Grossstadtlichter und die Flüchtigkeit und Hektik der gewöhnlichen Alltagsbegegnungen gestellt.

dass sich diese Gegensätze von harmonischem Einklang und Dissonanz im Film zu einer gelungenen Einheit fügen, ist nicht zuletzt auch der sensiblen Bildgestaltung des Kameramanns Fred Schuler zu verdaanken. Pierre Franckh lernte ihn 1994 bei den Dreharbeiten zu Romuald Kamarkars "Der Totmacher" kennen, und nachdem er ihm das Drehbuch zu "Und das ist erst der Anfang" gegeben hatte, stand schnell fest, dass Schuler, der auf eine lange Erfahrung mit grossen US-Kinofilmen zurückblickt, für die Kamera verantwortlich zeichnen würde.

"Fred ist der ideale Kameramann für diesen Film. Er leuchtet die Szenen perfekt aus, so dass eine sehr dichte, intime Atmosphäre entsteht, und er versteht es, die Gesichter der Schauspieler zum Atmen zu bringen. Er geht ganz dicht an sie heran und rückt sie dem Zuschauer so nah, dass er glaubt, in sie hineinzukriechen."

Aufwändige Vorbereitungen Die knappe Anzahl der Drehtage machte eine besondere Sorgfalt bei der Vorbereitung notwendig. Vor Drehbeginn (der 8. Dezember 1999) entstand ein Story Board, eine zeichnerische Version des kompletten Drehbuchs, anhand derer jede Einstellung bereits entworfen und überprüft werden konnte. So gelang es dem Filmteam, innerhalb von nur 35 Tagen sämtliche Szenen an insgesamt 128 Locations zu drehen.

Der Film entstand hauptsächlich an Originalschauplätzen in und um Köln, nur für die Theaterszenen mußste das Team - wegen des Kölner Karnevals - nach Wuppertal ausweichen. Doch auch im Wuppertaler Opernhaus konnte nur ausserhalb der Aufführungszeiten gedreht werden. Deshalb stand die Bühne täglich nur für wenige Stunden und häufig erst nachts, wenn der Vorhang bereits gefallen war, zur Verfügung. Dies stellte eine besondere Herausforderung für das Team dar, denn es gab jedesmal aufwendige Aufbauten und Vorbereitungen zu bewerkstelligen, wie beispielsweise eine Kamerafahrt vom Schnürboden des Theaters auf die Bühne belegt, die einen 12 Meter langen Kran erforderte.

Die Besetzung der Hauptrollen Will man eine Liebesgeschichte erzählen, bei der der Zuschauer bis zuletzt bangen soll, ob die beiden, die füreinander bestimmt sind, auch wirklich zusammenfinden, kommt es vor allem darauf an, Schauspieler zu finden, die viel Charisma besitzen und gleichzeitig natürlich und authentisch wirken. Pierre Franckh hat sich bewusst für noch unverbrauchte Gesichter entschieden, die einen hohen Grad an Identifkation ermöglichen, und dabei im Verlauf eines langwierigen Castings zwei grosse Talente entdeckt.

Julia Richter und René Hofschneider, die beide bislang vor allem über Theater- und Fernseherfahrung verfügen, haben ihn besonders durch ihr sensibles Zusammenspiel überzeugt. Sie vermögen eindrucksvoll, eben jene Offenheit, Verletzlichkeit und Sehnsucht zum Ausdruck zu bringen, ohne die eine romantische Liebesgeschichte mit ungewissem Ausgang nicht funktionieren könnte. Und sie fügen sich nahtslos in ein Kollegenteam ein, das durch sein erfahrenes Ensemblespiel ebenso wie durch glänzende Typ-Charakterisierung zur lebensprallen, unterhaltsamen und humorvollen Wirkung der Geschichte beiträgt.

Dirk Jasper FilmLexikon
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