Hintergrund zu Fantasia 2000

Pini Di Roma
Ottorino Respighi
Regie: Hendel Butoy
Design: Dean Gordon, William Perkins

Eine Geschichte wie ein Wal

Entgegen dem Titel des zugrunde liegenden Musikstücks hat "Pini di Roma" in der bildichen Umsetzung für Fantasia 2000 keinerlei Bezug zu Pinien oder der Stadt Rom. Vielmehr öffnet sich der Blick in atemberaubenden dreidimensionalen Computer-Tricks auf eine Herde von Buckelwalen, die auf wundersame Art davonfliegt, als eine Supernova über dem Polarmeer stattfindet. Vor diesem majestätischen Hintergrund findet ein persönliches Drama statt: Ein Jungtier wird von seiner Familie getrennt und mußs auf abenteuerlichem Wege zurückfinden.

Hendel Butoy, der die Sequenz inszenierte, spricht über seine Eindrücke zu "Pini di Roma": "Es beginnt mit einem Knall, wie bei einer Explosion, und mir kam sofort das Bild, ich müsste einfach davonfliegen. Als wir dann versuchten, eine Geschichte um dieses Motiv des Fliegens zu entwickeln, fing eine unserer Zeichnerinnen mit Skizzen an, in denen sie Dinge nachempfand, wie Kinder sie in Wolken zu erkennen glauben. Auf einer dieser Skizzen war die Wolke eines Wals, was mich sofort elektrisierte, denn sowas hatte ich noch nie zuvor gesehen. Hier setzten wir an für die Umsetzung der Idee vom Fliegen zu dieser Musik."

Über Wale sagt Butoy, dass ihnen eine gewisse Eleganz anhaftet, die leichter als Luft zu sein scheint. "Sie wirken wie große Glühbirnen, die ins Meer ausgesetzt wurden, wo sie nun mühelos umhergleiten. Es war daher ein sehr berückendes Bild, Wale in eine Sphäre zu versetzen, wo man sie ganz sicher noch nie gesehen hat. Die Struktur der Musik entspricht dem sehr gut. Sie ist zu Beginn voller Leben und Vergnügen, wird dann etwas langsamer und zur Mitte hin immer melancholischer. Am Ende gibt es dann einen Triumphmarsch. Wir mußsten nun eine Geschichte finden, die die Wale mit der Musik in Einklang bringt." Butoy ist sicher bewusst, dass "Pini di Roma" bei anderen Zuhörern auch gänzlich andere Assoziationen auslöst. "Aber wir hatten das Privileg, uns etwas ausdenken zu dürfen und die künstlerische Vision Wirklichkeit werden zu lassen."

Walexperten standen dem Produktionsteam mit ihrem Fachwissen über Anatomie und Art der Fortbewegung der Tiere beratend zur Seite. Die Animation der Wale erfolgte mit neuen Computer-Anwendungen, während die eindrucksvollen Unterwasser-Effekte weitgehend von Hand gefertigt wurden. Susan Thayer und M.J. Turner waren die leitenden CGI-Kräfte (CGI = computer generated image) bei der Gestaltung der Wal-Charaktere. David Bossert, der die visuellen Effekte für Fantasia 2000 überwachte, erläutert dazu: "Die Herausforderung bestand in der Kombination von traditionellen Zeichentrick-Effekten und den realistisch wirkenden computergenerierten Walen. Dafür wurden einige alte Techniken aus dem FANTASIA-Film von 1940 aufgegriffen, die wir dank neuer Computer-Technik wieder neu zum Einsatz bringen konnten." Designer Dean Gordon zielte auf eine sehr umfangreiche und stark gesättigte Farbpalette: "Wir wollten ja keinen Fotorealismus. Selbst in Wassertiefen, wo es eigentlich sehr dunkel ist, hatten wir die Freiheit, das Licht so zu setzen, wie wir es wollten. Das Stichwort gab uns jeweils die Musik. Sie beginnt sehr hell und funkelnd, also haben wir das mit unseren Farben ganz genauso gemacht. Entsprechend war es in den getrageneren Passagen; da fuhren wir die Sättigung zurück und senkten die Farbwerte ins Dunkle, Neutrale. Das ist wie Poesie in Bildern. Es gibt einen roten Faden und das Publikum kann die Dinge nach eigenem Ermessen interpretieren."

"Pini di Roma" war eines der ersten Stücke, die für Fantasia 2000 ausgewählt wurden. Für Maestro James Levine basiert die Musik auf der "ganz und gar eigenen und sehr präzisen Vorstellung des Komponisten. Und nun hat die gleiche Musik beim Regisseur und den Zeichnern etwas ganz anderes entstehen lassen. Für mich liegt darin die Essenz von Fantasia 2000. Musik kann bei jedem Zuhörer einen unterschiedlichen Sinngehalt hervorrufen."

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