Hintergrund zu Fantasia 2000

Piano Konzert No. 2, Allegro, opus 102
Dimitri Schostakowitsch
Regie: Hendel Butoy
Design: Michael Humphries
Es spielt am Klavier: Yefim Bronfman

Ein Märchen in Musik

"Meine Frau Patty und ich mögen dieses Konzert sehr", sagt Roy Disney. "Wir haben es unseren Kindern recht oft vorgespielt, als die noch klein waren. Es gibt da einen sehr rhythmischen Satz, wo eine Blechtrommel zu hören ist. Es klingt wie ein kleiner Marsch. Unsere dritte Tochter Abigail mochte diese Passage ganz besonders gern. Ich dachte mir, dass dieses Musikstück bei Kindern ganz besonders gut ankommen würde."Ein zufälliger Geistesblitz führte zur Verbindung der Musik von Dimitri Schostakowitsch mit einem berühmten Märchen von Hans Christian Andersen.

Regisseur Hendel Butoy erinnert sich gut, dass er der Musik lauschte und dabei eine neue Buchveröffentlichung von Andersens Märchen "Der standhafte Zinnsoldat" mit Illustrationen eines Disney-Künstlers aus den 40er Jahren betrachtete. "Irgendwie schien es so, als sei die Musik für genau die Szenen in diesem Buch geschrieben worden." Butoy erzählte Roy Disney und Tom Schumacher davon. Im Zeichentrick-Archiv des Studios suchte man sich daraufhin die ursprünglichen Skizzen zusammen. Die Bilder wurden auf Film fotografiert und zur Musik vorgeführt. Butoy: "Es gibt solche Glückstreffer im Leben, wo man vom ersten Moment an ein gutes Gefühl bei einer Sache hat. Hier war es das Zusammenspiel von Musik und Bildern. Es funktionierte einfach fabelhaft."

Beim Design entschieden sich Butoy und Michael Humphries für eine altmodische Farb- und Stimmungsgebung. Die drei Hauptfiguren sollten per Computer-Grafik animiert werden, aber der Look zielte in eine traditionelle Richtung. Sergej Kuschnerow entwarf die Figuren am Zeichenbrett, Steve Goldberg überwachte die Computer-Animation und schrieb den Künstlern dafür ein paar neue Anwendungen ins Pro-gramm. Es war uns sehr wichtig, dass die Animation zwar dreidimensional erscheint, aber nicht wie eine Computer-Grafik aussieht", erklärt Butoy dazu. "Eine der ganz großen Errungenschaften von Steve Goldberg und seinem Team war ein Programm für Schwingungen. Das mußs man sich so vorstellen: Der Zeichner gestaltet den Tanz der Ballerina und der Computer sorgt dafür, dass Haar und Kleid den Bewegungen des Körpers folgen." Farben spiegeln Gefühle wider. Entsprechend benutzte Michael Humphries Farben, um die Charaktere zu entwickeln und Stimmungen zu schaffen. "Wenn eine Figur bedrohlich wird, nahmen wir eine hellere, intensivere Farbe. Die weicheren, romantischen Farben kamen in den ruhigen Momenten zum Einsatz. Für die Szene mit dem wütenden Springteufel, der nach der Ballerina greift, setzten wir kräftige Rot- und Orangetöne mit harten, dramatischen Schatten. Wenn der Zinnsoldat hingegen aus dem Fenster steigt, wechseln wir zu deutlich kühleren Farben wie tiefem Grün und Purpur, um die neue Stimmung zu unterstreichen."

Im Blick auf die Computer-Grafik gibt Goldberg anfängliche Bedenken zu: "Wir waren uns tatsächlich nicht sicher, ob es gelingen würde, die Ballerina als Porzellanpuppe so zu bewegen, als ob sie eine wirkliche Tänzerin ist. Das Grafik-Team studierte deshalb Aufnahmen von Ballerinen. Außerdem war es wichtig, den Künstlern eine möglichst breite Palette von Emotionen zu ermöglichen. Der Springteufel etwa mußste zu einem breiten Grinsen ebenso in der Lage sein wie zu einer diabolischen Grimasse. Aber die eigentliche Herausforderung war es, die Figuren aus dem Computer mit den anderen, handgezeichneten Elementen in Einklang zu bringen. Es war das erste Mal, dass wir das versucht haben, und es hat sich alles gut zusammengefügt."

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