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Der Karneval der Tiere Finale Camille Saint-Saens Regie: Eric Goldberg Flamingos mit Jo-Jos Flamingos sind nicht gerade bekannt für ihre Geschicklichkeit im Umgang mit Jo-Jos, aber die Musik von Camille Saint-Saëns ließ ein genau solches Szenario vor dem inneren Auge von Regisseur Eric Goldberg entstehen. Ursprünglich war es eine Geschichte um Straußenvögel gewesen, die Jo-Jo spielten; ein Konzept das bereits Jahre zuvor von Joe Grant aufgeworfen worden war. Grant hatte bereits beim ersten FANTASIA-Film die Aufsicht innegehabt und ist auch heute noch, im Alter von 91 Jahren, einer der einfallsreichsten und ergiebigsten Ideenlieferanten des Studios. Nach zahlreichen Überlegungen wurden die Straußen durch Flamingos ersetzt. Eric Goldberg und seine Frau Susan entschieden sich für eine Gestaltung mit Wasserfarben. Die gesamte Animation für die zweiminütige Sequenz bestritt Goldberg im Alleingang. Nach der Co-Regie für POCAHONTAS verspürte Goldberg große Lust, an den Zeichentisch zurückzukehren. Für HERCULES hatte er soeben die Arbeit an der Figur des Phil übernommen, als ihm "Der Karneval der Tiere" angeboten wurde. "Der gesamte Arbeitsgang für 'Karneval' dauerte neun Monate", resümmiert Goldberg. "Ich begann mit einer Proberolle und legte zunächst das Timing für die Übereinstimmung mit der Musik fest. Wie auch später bei "Rhapsody in Blue" war Kent Holaday eine große Hilfe, die musikalische Struktur zu verstehen. Auf einem Exposé notierte er mir die Takte, so dass ich einen guten Überblick hatte, welche Note auf welches Bild zutreffen würde. Außerdem konnte ich so präzise bestimmen, wo es zu Wiederholungen kam. Darauf aufbauend begann ich dann Ideen für die bildliche Umsetzung zu sammeln." Eric Goldberg hat Camille Saint-Saëns' quirlige Komposition schließlich so ausgelegt: Ein Trupp Flamingos - fortan liebevoll als "die sechs Rotznasen" bezeichnet - rümpft die Schnäbel angesichts eines Individualisten in ihrer Mitte. Dieser Nonkonformist, von den Filmemachern Punkin genannt, spielt gern mit Jo-Jos. Obwohl er weiß, dass er den anderen damit auf die Nerven geht, spielt Punkin Jo-Jo wo und wann immer er nur kann. Die Folge ist ein aberwitziges, chaotisches Wasserballett. "Wir beobachteten Flamingos im Zoo, was ungemein inspirierend war", erinnert sich Goldberg. "Die Vögel scheinen wirklich unter Gruppenzwang zu stehen. Ein ganzer Schwarm kann wie auf Kommando aus dem Schlaf erwachen, die Köpfe strecken und dann in eine Richtung losstaksen. Mich erinnerte das an Leute, die jeden Tag das Gleiche machen und aus dem Trott nicht mehr herauskommen. Und mittendrin ist nun jemand, der ganz anders drauf ist, einfach nur seinen Spaß haben will. Die anderen können das natürlich überhaupt nicht nachvollziehen und versuchen ihn ständig zurück ins Glied zu pfeifen. Mit diesem Spannungsverhältnis ist einfach ständig was los auf der Leinwand." Wesentliche Inspirationsquelle für Goldberg war natürlich die Musik. "Die ist voller Überschwang und legt ein höllisches Tempo vor. Die Wiederholungen sind das Leitmotiv der sechs Rotznasen, weil sie deren Charakter so schön illustrieren. Von dort aus reißen wir uns dann los und stellen unseren Helden vor, wie er mit seinem Jo-Jo spielt. Auf die Weise konnten wir die Geschichte ganz allein von der Musik erzählen lassen." Für nähere Eindrücke der Kunst des Jo-Jos brauchte Goldberg nur bei Regiekollege Mike Gabriel von POCAHONTAS vorbeizuschauen: "Er kann wirklich gut mit dem Ding umgehen. Also haben wir einfach mal ein paar Filmaufnahmen von ihm gemacht. Danach bedurfte es nur noch geringfügiger Eingriffe, um seine rechte Hand in den Fuß eines Flamingos zu verzaubern. Ein Fuß erschien uns interessanter als ein Flügel, weil es das Ganze noch abgedrehter aussehen ließ, als es ohnehin schon der Fall war." Für Look und Zeichenstil verließ sich Goldberg einmal mehr auf die Mitarbeit seiner Frau Susan. Gemeinsam ersannen sie ein Szenario in Aquarell und ganz ohne Begrenzungslinien, um die Vögel nahtlos in die Hintergründe einpassen zu können. Dieser Schritt erforderte zahlreiche Testläufe und Neuanwendungen bei der Komposition von Bildelementen. Um der Sequenz zudem einen Eindruck permanenten Bewegungsflusses einzuimpfen, entwickelten sie für die Work Station ein Programm zur Überblendung von gezeichneten Hintergründen. Zuletzt machten sich sechs Aquarellisten an die Arbeit, die Figuren und Hintergründe per Hand fertigzustellen."Wir wollten die breite tropische Palette, wie man sie auf Hawaii-Hemden findet", erklärt Susan McKinsey Goldberg dazu. "Es sollte richtig nach Handarbeit aussehen. Jedes Filmbild besteht aus sieben bis acht aquarellierten Ebenen. Basismaterial war ein Farbstoff, der bevorzugt von Illustra-toren verwendet wird. Die Wasserfarben für die Hintergründe sind übrigens die gleichen, die von den französischen Impressionisten im späten 18. Jahrhundert verwendet wurden. Diesen Farben haftet viel Gefühl und Kraft im Ton an, was uns die gewünschte Dichte und Genauigkeit gab. Insgesamt wurden für die zweiminütige Sequenz über dreitausend Zeichnungen von Hand gefertigt." Die Emotion sollte sich über die Farben vermitteln. Die sechs Rotznasen legen ein überhebliches Benehmen an den Tag und wurden deshalb in einer Mischung aus Korallenrot und Orange eingefärbt. Die Hintergründe dagegen zeichnen sich durch ein scharfes Gelb aus, was einen eher aggressiven Gesamteindruck vermittelt. Punkin dagegen erstrahlt in einem warmen Pink und vermittelt vor hellgrünem Hintergrund ein Gefühl von Glück und Unbefangenheit.
Eric Goldberg abschließend über die Kunst des Zeichentricks: "Das ist eine Fertigkeit, die uns zu entgleiten droht, wenn wir ihre Möglichkeiten nicht stets in vollem Umfang ausnutzen. Heutzutage orientieren sich die meisten Filme am Dialog. Der Spaß an unserer Arbeit, vor allem aber für Fantasia 2000, liegt darin, dass wir unsere Geschichten bildlich erzählen, mit einem Schwerpunkt auf Mimik und Körpersprache. In "Karneval der Tiere" konnten wir das voll und ganz auskosten."
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