Produktionsnotizen zu Big Mama's Haus

dass man mit einer gehörigen Portion Make-up einem Mann ein weibliches Aussehen verpassen kann, hat man in Hits wie "Tootsie", "Der verrückte Professor" oder "Mrs. Doubtfire - Das stachelige Kindermädchen" bereits gesehen.

Big Mama's Haus aber sorgt für eine neue komödiantische Nuance, indem der Protagonist die Gestalt einer tatsächlich existierenden Person annimmt, nämlich die der Schauspielerin Ella Mitchell, die Big Mama verkörpert. Das Problem dabei sei gewesen, so Produzent David T. Friendly, die Maske glaubhaft genug zu gestalten, so dass der Zuschauer Big Mama akzeptiert, gleichzeitig aber Martin Lawrence und dessen komödiantisches Genie nicht zu überdecken. Daher engagierten die Filmemacher Greg Cannom, der mit Gosnell bereits bei "Mrs. Doubtfire - Das stachelige Kindermädchen" zusammengearbeitet hatte und für Robin Williams´ Metamorphose zur Hausperle mit einem Oscar® ausgezeichnet worden war.

Um die Gesichter von Lawrence und Mitchell einander so weit anzunähern, dass quasi eine Verschmelzung der beiden stattfinden konnte, trug auch Mitchell Silikon-Auflagen. So ähnelte sie ihrerseits der Big Mama-Figur, die für Lawrence entwickelt wurde. Die mühevolle Verwandlung des Hauptdarstellers nahm zu Beginn der Dreharbeiten über sechs Stunden in Anspruch, die - sehr zur Erleichterung von Lawrence - schließlich auf zwei verkürzt werden konnten. Der Ablauf war dabei immer der gleiche: Zunächst wurde die Haut gründlich gereinigt und eine halb luftdurchlässige Grundierung aufgetragen.

Da Lawrence als Malcolm einen Bart trägt, mußste dieser so gut wie möglich mit speziellem Klebstoff geglättet werden. Um das ganze Prozedere zu beschleunigen, entwickelte Cannom eine Methode, die künstliche Nackenpartie fest mit einem T-Shirt zu verbinden. Damit konnte die Auflage problemlos über Lawrence' Kopf gezogen und am unteren Ende verklebt werden. Als Nächstes wurden ein Kinnstück, ein Oberlippenteil sowie zwei seitliche Silikonpartien mit Leim fixiert. Die Ränder wurden dann möglichst nahtlos mit der Haut verbunden und schließlich mit fettiger Theaterschminke verdeckt. Zu guter Letzt fügte man noch Hautfarben hinzu, trug Lippenstift und Make-up für den Augenbereich auf.

Im Gegensatz zu früheren Techniken mit Gelatine oder Schaumstoff, die bereits nach sechs Stunden Auflösungserscheinungen zeigten, entwickelten Cannom und seine Crew ein spezielles Silikon-Material, das nicht nur leichter im Gewicht und in der Handhabung, sondern darüber hinaus mindestens 16 bis 18 Stunden haltbar war.

Nach der Vollendung von Big Mama's Gesicht ging es an ihr Gewicht. Über Monate hinweg wurde ein Spezialanzug konstruiert, der Lawrence die nötigen 325 Pfund der Titelfigur verleihen sollte. Die größte Herausforderung dabei war, alles in die richtigen Proportionen zu bringen. Außerdem sollte der Anzug leicht genug sein, um an die 12 bis 14 Stunden getragen werden zu können. Das atmungsaktive Endprodukt war schließlich sogar noch leichter und beweglicher als erwartet. Schließlich wurde ein ausgeklügeltes Kühlsystem nach dem Vorbild vergleichbarer Westen für Autorennfahrer eingebaut, mit Kanülen, durch die eiskaltes Wasser gepumpt werden kann. Dies ermöglichte es Lawrence, auch körperlich anstrengende Szenen, wie etwa ein schweißtreibendes Basketballspiel, zu bewältigen. Außerdem richtete man in einem Zelt eine Kühlzone für "Big Mama" ein, in der die Temperatur konstant auf zehn Grad Celsius gehalten wurde.

Auch Lawrence bereitete die Herausforderung dieses neuen Charakters großes Vergnügen: "Ist einmal das ganze Make-up aufgetragen, verändert man sich und die neue Figur nimmt irgendwie von einem Besitz."

Dirk Jasper FilmLexikon
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