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Eine Hand voll Gras ist durch eine SPIEGEL-Reportage von Ariane Barth angeregt worden. Barth schildert darin das Schicksal von kurdischen Kindern, die, ihrer Strafmündigkeit wegen, in Hamburg zum Dealen eingesetzt wurden. Uwe Timm ist dieser Sache nachgegangen, hat umfänglich recherchiert, mit Polizisten, Jugendpflegern, Asylanten-Betreuern gesprochen und daraus die Geschichte des zehnjährigen Kendal entwickelt. Sie ist nahe an der Realität erzählt, hinzu erfunden wurde im wesentlichen nur die Figur des Taxifahrers und Ex-Polizisten Hellkamp. So wurde Eine Hand voll Gras auch eine Geschichte über Freundschaft. Die Geschichte wird aus der Perspektive des Jungen Kendal erzählt. Er ist praktisch von der ersten bis zur letzten Szene im Bild, und allein in diesem Sachverhalt liegen schon eine Vielzahl von logistischen Herausforderungen und organisatorischen Risiken: Produktionen mit Kindern in der Hauptrolle sind teuer, aufwändig und beanspruchen viel mehr Zeit als Filme, die durchgängig mit Erwachsenen besetzt sind. Ein dreiviertel Jahr vor Drehbeginn hatte die Produktion angefangen, einen Hauptdarsteller zu suchen. Man tourte durch Kinder-Freizeit-Einrichtungen, Sportvereine und versuchte, Lehrer als Berater zu gewinnen. Es sind dann ungefähr 500 Polaroids mit Kindergesichtern entstanden. Daraus wurde eine Auswahl getroffen, von denen ungefähr 80 bis 100 Jungs vor die Videokamera kamen. Dann erneute Auswahl, bei der acht Jungen übrigblieben. In Berlin sind Richter und Hermann dann auf Arman Inci gestoßen und beide waren sofort begeistert von ihm. Arman ist ein äußerst aufgeweckter türkischer Junge. Deutsch ist seine zweite Muttersprache, und für den Film hat er auch schnell das nötige kurdisch gelernt. Hinzu kam, dass auch die 'Chemie' zwischen Oliver Korittke und dem Kleinen schnell stimmte, und die beiden auch in der Zeit zwischen und nach den Vorbereitungsproben zu einer Art cooler 'Brotherhood' fanden, was alle Beteiligten voller Zuversicht dem ersten Drehtag entgegen sehen ließ. Während der gesamten sieben Wochen, die in Hamburg, München und am Ende noch in Kurdistan gedreht wurde, stellte sich Arman als unkompliziert und engagiert heraus. "Man mußs natürlich völlig anders arbeiten, als mit 'normalen' Schauspielern", bemerkt Roland Suso Richter. "Man mußs andere Sachen geben und er fordert auch andere Seiten eines Regisseurs: Während man als Erwachsener immer die gesamte Geschichte im Hinterkopf behält, hat Arman einfach Lust den Augenblick zu spielen. Er 'funktioniert' nur von Tag zu
Tag. So wird man ständig zu einer Gratwanderung gezwungen:
seinen Überschwang nicht zu bremsen und seine Energie trotzdem
möglichst effektiv für den gesamten Film zu binden." Und
Oliver Korittke fügt hinzu: "Man mußs ihn immer wieder
gewinnen. Dafür ist es oft wichtiger, das Star Wars-Personal
zu kennen und über die Fußballbundesliga Bescheid zu
wissen, als schlau daher zu reden. Und ganz wichtig: Du darfst ihn
nicht von oben herab behandeln."
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